monika miller |

#DiversitätBeispiel 6: Hermine*

Schülerinnenarbeit (Hermine, 12 Jahre): Bunte Blätter
Schülerinnenarbeit (Hermine, 12 Jahre): Bunte Blätter, aus dem Unterricht von Monika Miller

monika miller | Anna-Maria Schirmer

Mit der Reihe #Diversität werden ausgehend von bildnerischen Prozessen individuelle Lernwege skizziert, um den Unterricht mit heterogenen Lerngruppen von Schülerinnen und Schülern aus zu denken. Dazu werden Entwicklungsverläufe dargestellt und pädagogisch reflektiert. Im Mittelpunkt des sechsten Beitrags steht Hermine, ein sehgeschädigtes Mädchen, das die bunte Welt der Farben liebt. Die Fallbeschreibung stammt aus einem einwöchigen, außerschulischen kunstpädagogischen Projekt.

Hermine besucht vier Jahre in Folge ein Kunst-Sommercamp (s. Kasten). Voraussetzung für die Teilnahme ist eine erkennbare besondere und über den Kunstunterricht in der Schule hinausgehende Motivation und Begeisterung für künstlerisch-gestalterisches Arbeiten.
Kunst-Sommercamp
Kunst-Sommercamp
Das kunstpädagogische Projekt Kunst-Sommercamp für künstlerisch begabte und interessierte Schüler und Schülerinnen der Jahrgangstufen 3 – 13 ist ein unabhängig vom schulischen Unterricht laufendes Lernangebot der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Mit verschiedenen Kunst-Workshops soll bildnerisch begabten Kindern eine individuelle Förderung zukommen. Die Workshops sind jahrgangs- und schulartübergreifend konzipiert. Das breite Angebot an Themenfeldern ermöglicht es den Heranwachsenden, eine Woche lang intensiv eigenen Vorlieben nachzugehen und Neues auszuprobieren. Die optimale Förderung der Potenziale wird auch in der Struktur des Projekts berücksichtigt, denn in der relativ kleinen Gruppengröße mit bis zu 15 Teilnehmenden ist individuelle Förderung sowie Eingehen auf heterogene Voraussetzungen und Bedürfnisse ganz anders möglich als innerhalb einer Schulklasse.
Trotz ihrer Beeinträchtigungen diese werden im Folgenden erläutert erfüllt Hermine die Kriterien besonderer Begabung. In jeweils einwöchigen Workshops hat sie die Möglichkeit, in einer heterogenen Gruppe mit anderen Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden des Faches Kunst zu gewählten Schwerpunktthemen zu arbeiten.
Hermines Disposition
Hermine, ein zierliches und ruhiges Mädchen, liebt Farben und malt sehr gern. Soweit ist das nicht außergewöhnlich, denn das trifft auf viele Kinder ihres Alters zu. Wenn sie malt, trägt sie immer eine dunkle Sonnenbrille, auch in einem geschlossenen Raum. Im Freien schützt sie ihre Augen zusätzlich noch mit einer Schirmmütze. Hermine ist von Geburt an beidseitig sehgeschädigt und leidet zudem unter sehr lichtempfindlichen Augen.
Hermines Sehvermögen in der Nähe liegt bei 80%: Kleine Gegenstände im Detail kann sie bis zu einem Abstand von 20 cm noch gut erkennen. In der Ferne hat sie ein Sehvermögen von etwa 45% (mit Brille). Es ist davon auszugehen, dass für Hermine alles, was sich weiter als drei Meter von ihr entfernt befindet, sehr verschwommen erscheint.
Hermine kann ihre Augen nicht bewegen, sie leidet unter einer Augenlähmung. Wenn sie den Blick wenden und etwas fokussieren möchte, muss sie ihren Kopf drehen.
Aufgrund starker Unterschiede in der Sehfähigkeit des linken und rechten Auges kann Hermine kaum räumlich sehen. Zudem kann sie Kontraste nur vermindert wahrnehmen, was dazu führt, dass sie z.B. rote Perlen auf einem roten Hintergrund nicht erkennt. Durch eine deutlich eingeschränkte Funktion der Pupillen schließen diese nicht, was die Augen sehr lichtempfindlich macht. Im Dunkeln kann Hermine dagegen vergleichsweise gut sehen.
Infolge einer hirnorganischen Besonderheit zeigt Hermine leichte Einschränkungen in der Feinmotorik, was besonders in der Benutzung von Geräten auffällt.
Förderung
Seit dem Eintritt in den Kindergarten wird Hermine sonderpädagogisch gefördert. Vom Kleinkindalter an ist sie unter anderem motiviert durch den Vater, einem Kunstlehrer vielseitig künstlerisch aktiv. Eine rasche Auffassungsgabe ermöglicht ihr, das, was sie visuell nicht erfassen kann, kognitiv zu kompensieren.
„Ich mag das Herumschwingen den Pinseln so...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 437 / 438

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