Andreas Schoppe

Unterrichtspraxis

Schülerarbeiten (Kl. 10): Art At Home, Plastische Objekte aus Haushaltsutensilien
Schülerarbeiten (Kl. 10): Art At Home, Plastische Objekte aus Haushaltsutensilien, aus dem Unterricht von Annkathrin Gockel-Nelißen

Andreas Schoppe

Aufgabenformate im Distanzunterricht

In diesem Beitrag wird ein aktueller und brisanter Zwiespalt aufgegriffen: Einerseits stehen Unterrichtende des Faches Kunst vor der Notwendigkeit, ihren Schülerinnen und Schülern sinnvolle Aufgaben für das Distanzlernen zur Verfügung zu stellen. Andererseits sollte Kunst ein Fach sein, das ein experimentell-kreatives, interaktives handwerkliches Lernen fokussiert sowie den Lernenden vielfältige Möglichkeiten abseits von Rechner und Bildschirm eröffnet.

„Das eigene Arbeiten zweidimensional, dreidimensional oder performativ ist ein qualitatives Alleinstellungsmerkmal des Kunstunterrichts. Mit dieser besonderen Chance des manuellen und gesamtkörperlichen Tuns, aus dem ästhetisch wertvolle Produkte hervorgehen, gilt es sensibel und verantwortungsbewusst umzugehen. (Schoppe 2019, S.178)
Für die momentane Situation gilt es, deutlich divergierende Interessen in Einklang zu bringen. Kunstunterricht kann und muss stattfinden auch im weitgehenden Distanzlernen. Unabdingbar sind jedoch Überlegungen, wie der Grundcharakter unseres Faches dabei erhalten bleiben kann und wie sich das Fach sollte Distanzlernen ein dauerhaftes Phänomen bleiben im schulischen Gesamtkontext positionieren kann.
Insofern kann dieser Beitrag als erste fachspezifische Konkretisierung der Gedanken aus K+U 443/444//2020 gesehen werden: „Der Ruf nach Digitalisierung von Schule reicht nicht, mag er auch noch so vielstimmig und laut sein. Gefragt sind stattdessen Initiativen, die das Potenzial digitaler Pädagogik differenziert bewerten und in eine neue Lernkultur einbringen. (Schirmer 2020, S. 93)
Weiteres Material zu dieser Thematik wird in einer Beilage zur Dezember-Ausgabe von K+U (Heft 447/448//2020) zusammengestellt.
Fachliche Potenziale von Aufgaben im Distanzunterricht
Beispielhaft werden im Folgenden einige zentrale Chancen aufgabengesteuerten Lernens im Distanzunterricht beziehungsweise in der Koppelung mit Präsenzunterricht also im Hybridunterricht skizziert. Die hier aufscheinenden und in den Resultaten erprobter Aufgaben verifizierten Potenziale sind wertvolle Impulse für eine veränderte Lernkultur im künftigen, auch nicht-digitalen Kunstunterricht.
Analoge durch digitale Vermittlungsformen ersetzen
Durch Erklärvideos (vgl. Kleynen 2020) können Praktiken angeeignet und deren Nutzung oder Vertiefung geübt werden. Die so erstellten Produkte lassen sich dann im weiteren Distanzlernen z.B. durch digitale Einzeichnungen besprechen und reflektieren.
Auch im regulären Kunstunterricht kann der Einsatz von Erklärvideos Prozesse des Inputs entlasten und dadurch Kapazitäten für individuelle Beratung und Förderung durch die Lehrkraft freisetzen.
Digitale Bildkompetenzen technisch und inhaltlich fördern
Schülerinnen und Schüler sind im Distanzlernen unmittelbar und unausweichlich mit digitalen Anforderungen konfrontiert. Dies fördert neben rein technischen Kompetenzen auch fachliche Lernprozesse, z.B. bezüglich der Funktion, Wirkung, Präsentation oder Veränderbarkeit von Bildern.
Digitales und handwerklich-analoges Arbeiten kombinieren
Distanzlernen wäre falsch verstanden, wenn es sich auf rein digitale Handlungsformen beschränken würde.
Digital erschlossene Bilder können sicherlich (zunächst) Ausgangspunkt für produktive digitale Arbeits- und Lernprozesse sein. Diese sind aber vor allem dann besonders bedeutsam, wenn sie in begleitende oder nachfolgende gestalterisch-handwerkliche Prozessen münden.
Individuelle Lernwege anbieten und kultivieren
Da sich die Lernenden im Distanzunterricht in der Regel im heimischen Umfeld befinden, können Aufgaben gut in einen biografischen oder lebensweltlichen Kontext gestellt werden. Zudem entfallen im Entstehungsprozess rezeptiver oder produktiver Lernprodukte oft auch Vergleiche und Konkurrenzdruck eine besondere Chance für ein fehlertolerantes, kreativ-experimentelles Agieren.
Kooper...
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aus: Kunst und Unterricht Nr. 445 / 446

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