Anna E. Link | Marc-Daniel Kress

Plötzlich ist alles anders!

Schülerarbeit (Kl. 5): Ein Ergebnis zur Aufgabe „Strandbild mit Krabbe“
Schülerarbeit (Kl. 5): Ein Ergebnis zur Aufgabe „Strandbild mit Krabbe“, aus dem Unterricht von Anna Link

Anna E. Link | Marc-Daniel Kress

Aufgaben- und Themenstellung im virtuellen Kunstunterricht

In diesem Beitrag geht es um Aufgaben, die mit der Intention gestellt wurden, Lenkung und Sicherheit zu geben. So soll gewährleistet sein, dass alle Schülerinnen und Schüler mitgenommen werden und gleichzeitig ausreichend Spielraum für individuelle Wege bleibt.

Kunstunterricht lebt im Kern von der Praxis, die Motivation und die Fantasie der Schülerinnen und Schüler beflügelt. Diese Dynamik wird im normalen Schulbetrieb durch verschiedene ritualisierte Parameter unterstützt, z.B.:
  • die gewohnte Umgebung mit vorbereiteten Arbeitsplätzen,
  • der festgelegte Zeitrahmen,
  • das Teilen der Erlebnisräume mit der sozialen Gruppe,
  • die Möglichkeit, im Arbeitsprozess nachzufragen, um Sicherheit zu gewinnen,
  • die Einordnung der ästhetisch-praktischen Prozesse.
Durch die besonderen Umstände während der Pandemie fallen diese Parameter fast gänzlich weg. Dadurch ergeben sich bei der Entwicklung von Aufgabenstellungen (s.a. Kasten) neuartige Fragen, z.B.:
  • Was ist technisch aus der Perspektive der Schule und der Lehrkräfte machbar?
  • Welche technischen Voraussetzungen haben die Schülerinnen und Schüler außerhalb der Schule?
  • Wie sind die neuen institutionellen Leitlinien?
  • In welcher Lernumgebung werden die Aufgaben rezipiert?
  • Auf welche Art und Weise eignen sich die Schülerinnen und Schüler die Aufgaben an?
  • Wie unterstützt das soziale Umfeld der Lernenden das Homeschooling?
  • Wie kann ich unter diesen Umständen die Schülerinnen und Schüler zu ästhetisch-praktischem Handeln motivieren?
Die didaktische Qualität von Aufgaben- bzw. Themenstellungen ist für guten Kunstunterricht entscheidend.
Dies gilt unter den Bedingungen des Hybrid- oder Fernunterrichts in besonderem Maß, denn hier fallen viele Ebenen weg, die im Präsenzunterricht selbstverständlich sind. Wird eine Aufgabenstellung im Präsenzunterricht eingeführt, so hat die Lehrperson die Möglichkeit, in dieser so wesentlichen Unterrichtsphase flexibel auf die Resonanz bei den Schülerinnen und Schülern zu reagieren. Schnell nimmt man wahr, wenn eine Themenstellung für eine spezifische Lerngruppe nicht motivierend oder nicht verständlich ist. In diesem Fall kann man während des Unterrichts flexibel handeln und das Thema abwandeln oder gemeinsam mit den Lernenden nach Zugängen suchen. Oft ist diese erste, das Thema einführende Sequenz einer Unterrichteinheit entscheidend für das Gelingen des gesamten Unterrichtsverlaufs. Vieles passiert hier auf der atmosphärischen Ebene und fällt durch asynchrone Vermittlung weg.
Für Aufgaben des Fernunterrichts gilt es also noch mehr, motivationale, auf ein Thema hinführende Aspekte zu bedenken.
Sollen Aufgaben über reine Betätigungsaufforderungen hinaus einen realen Lernzuwachs ermöglichen, gilt es ein gutes Gleichgewicht zwischen der Vermittlung handwerklicher Fertigkeiten und freiem gestalterischem Experiment zu finden und in die Aufgabenstellung zu implementieren.
Im Präsenzunterricht können wir nachjustieren, da wir die Gestaltungsprozesse der Schüler als Regulativ haben: Reicht die Vermittlung und Einübung bestimmter Fertigkeiten schon für eine selbstständige Anwendung der Lernenden aus? Ist ein Transfer der Geübten auf eine freiere Themenstellung schon möglich? Ist das Experimentieren noch an der Aufgabenstellung orientiert?
Prinzipiell changiert der Unterricht in Abstimmung mit dem Können der Schülerinnen und Schüler häufig zwischen angeleiteten und freieren Phasen. Auch dies gilt es, im Aufbau von Aufgaben etwa durch eine Strukturierung der Arbeitsschritte, zu berücksichtigen.
Im Fernunterricht kann nicht überall auf eine Struktur zurückgegriffen werden, die es ermöglicht, etwa über Videokonferenzen mit den Schülerinnen und Schülern in engem Austausch zu bleiben. So werden Aufgaben aus der Distanz und ohne direkten Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern gestellt.
Eine z.B. per -Mail oder Cloud bereitgestellte...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 447 / 448

Warum ins Museum? inkl. IM FOKUS: Herausforderung Hybridunterricht

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-8