Gisela Hollmann-Peissig, Thomas Michl

Wie im Kunstunterricht mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz umgehen?

Gisela Hollmann-Peissig, Thomas Michl

Ben nimmt regelmäßig an Demos von „Fridays for Future teil und achtet in den meisten Bereichen seines Lebens auf die Umwelt. Nachhaltigkeit und ökologisches Denken sind ihm sogar so wichtig, dass er sich beim Bauen von Architekturmodellen weigert, auf lösungsmittelhaltigen Kleber zurückzugreifen. Mit einem lösungsfreien Produkt lassen sich die Pappen jedoch nicht dauerhaft zusammenkleben. Dass wir mehr für die Umwelt tun müssen, steht außer Frage. Aber im Kunstunterricht?

Klimastreiks und Klimaschutz
Lange Zeit spielten wohl für die meisten Kunstlehrenden Nachhaltigkeits- und Umweltaspekte im Unterricht keine besondere Rolle. Sicher, man achtete darauf, dass grundsätzlich sparsam mit Materialien umgegangen wurde, oder dass Geräte von den Schülerinnen und Schülern pfleglich behandelt wurden. Dies geschah jedoch in erster Linie aus finanziellen Motiven heraus, denn Geld für Neues war (und ist) an Schulen immer knapp. Seit jedoch Greta Thunberg im Sommer 2018 mit ihren Klimastreiks begonnen hat, hat sich der Umgang mit den Themen Nachhaltigkeit und ökologisches Handeln vollkommen verändert. Selbst große Firmen oder politische Parteien können sich dem nicht mehr verschließen oder es als lästiges Detail abtun. Hinzu kommt, dass Greta Thunberg aufgrund ihres jungen Alters, durch ihre unerschütterliche Radikalität und mithilfe der geschickten Verknüpfung der Bereiche Klimaschutz und Schule insbesondere Kinder und Jugendliche anspricht. Diese sind auf einmal, während sie lange Zeit von den Erwachsenen als apathisch und unkritisch kritisiert wurden, beim Thema Klimaschutz oft viel konsequenter und unnachgiebiger als ihre Eltern. Sie fordern ihn mittlerweile so vehement ein, dass sich gerade eine Institution wie die Schule nicht wegducken kann.
Umweltbildung in der Schule
In sämtlichen Schularten und praktisch allen Lehrplänen ist das Verantwortungs-bewusstsein für Natur und Umwelt als eines der obersten Bildungsziele verankert. Manchmal finden sich sogar, wie im bayerischen Lehrplan für das Gymnasium, Formulierungen zu spezifischen Kompetenzen wie „Bildung für nachhaltige Entwicklung und „Umweltbildung. Was den konkreten Bezug und die Umsetzung im Unterricht angeht, wird meistens auf einzelne Fächer wie Biologie oder Geografie verwiesen. Dort, so die Meinung vieler, sind die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit bestens aufgehoben. Und in der Tat können wohl in keinem anderen Fach ökologische Zusammenhänge oder Missstände so detailliert-profund aufgezeigt und aufgearbeitet werden. Doch ist das Thema heute so brisant, dass es zweifelsohne alle Fächer betrifft. Jede Lehrkraft in jedem Fach sollte sich heutzutage Gedanken machen, wie in der Schule praktizierter Klimaschutz aussehen und umgesetzt werden kann. Das kann bei einfachen, persönlichen Maßnahmen beginnen, wie z.B. der Überprüfung, wie viele Arbeitsblätter wirklich als Papierkopien an die Schüler herausgegeben werden müssen.
Vielleicht kann manches einfach ins Heft diktiert oder digital angeboten werden. Aber wir meinen, das reicht nicht (mehr). In einer Zeit, in der die Auswirkungen des Klimawandels in aller Munde sind und bereits für jeden sicht- und spürbar werden, sollten Lehrkräfte gerade weil sie oftmals den Kindern und Jugendlichen als Vorbilder dienen beim Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz konsequenter voran- und etwas weiter in die Tiefe gehen.
Bewusstsein stärken im Fach Kunst
Für unser Fach lassen sich, unserer Meinung nach, grundsätzlich zwei Richtungen ausmachen, in die man in Bezug auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz unterrichtlich wirken kann: Zum einen thematisch-inhaltlich, zum anderen konkret praktisch.
Bei der Auswahl der Themen kann man sich als Lehrkraft von Umweltaspekten leiten lassen. In der Architektur gibt es viele Bauten, bei denen neben der Funktionalität und ästhetischen Gestaltung auch Nachhaltigkeit und CO2-Bilanz mitbedacht wurden. Ein gutes Beispiel hierfür ist...

Friedrich+ Kunst

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst 5-10 Nr. 60 / 2020

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