Gesine Hopstein

Nahbar bleiben!

Schülerarbeit (Kl. 5): Stundenplan ohne Schule
Schülerarbeiten (Kl. 5): Stundenplan ohne Schule, aus dem Unterricht von Gesine Hopstein

Gesine Hopstein

Kontakt und Austausch im Fernkunstunterricht

Dieser Beitrag zeigt einen Versuch, tragfähige Beziehungsmomente auch im virtuellen Klassenzimmer herzustellen. Denn wenn es gelingt, Lernsituationen so zu gestalten, dass eine wechselseitige persönliche Einbringung möglich wird, findet Begegnung statt und es entsteht ein guter Nährboden für Lernprozesse.

Die medialen Möglichkeiten transformieren und formen die Art und Weise, wie wir miteinander Informationen austauschen und in Beziehung treten. Dies muss in Lehr-Lernsituationen in besondere Weise berücksichtigt werden. Gerade dort, wo der präsentisch-leibliche Dialog nicht möglich ist, sollte man den Gestaltungsmitteln, die zur Kommunikation beitragen, besondere Aufmerksamkeit schenken. Im pädagogischen Kontext sind tragfähige, auf authentischer Begegnung beruhende Beziehungsmomente unverzichtbar (Hattie-Studie).
In der erzwungenen Distanz durch die Schulschließungen wurde deutlich, dass authentische Begegnung zwar auch in getrennten Räumen möglich ist, aber nicht per se mit der gemeinsamen Anwesenheit in einem Raum gleichgesetzt werden kann. Der allgemein zu beobachtende Kulturwandel, der das Sich-Zeigen ins Zentrum stellt, transportiert auch eine neue Kultur des Sich-Nahbar-Machens und der Begegnung. Geschickt gewendet, kann dies ein Motor für sinnstiftende Bildungsprozesse sein.
Anna-Maria Schirmer
An meiner Schule in Nordrheinwestfalen arbeiteten wir nach der Schulschließung mit einem Learning Management System (LMS) und einem vorhandenen Schulserver. Auf diesem Weg konnten Aufgaben gestellt und Ergebnisse von den Schülerinnen und Schülern auf eine Lernplattform hochgeladen werden.
Eine Übersetzung der Stundenplanstruktur in den Fernunterricht war vom Ministerium ausdrücklich nicht erwünscht. Zudem wurden Lernarrangements, die über das Stellen von Aufgaben hinausgingen, weder gefordert noch strukturell unterstützt. Dass das LMS anfänglich einen geringe Funktionsumfang aufwies, verschärfte die pädagogisch und didaktisch ungünstige Situation.
Sollte der Fernunterricht über ein Einbahnstraßenformat hinausgehen, war individuelles Engagement gefragt. Dabei erwies sich die Vernetzung mit anderen Kolleginnen und Kollegen, etwa über Twitter, als äußerst hilfreich.
Aufgaben für ein Learning Management System
Zunächst begann ich, Aufgaben, die dem Format des LMS folgen, zu konzipieren: Für jede Aufgabe wurde ein Arbeitsblatt erstellt und in ein Modul hochgeladen. Die Schülerinnen und Schüler stellten dort dann ihre abfotografierten Bildergebnisse ein. Die gestellten Aufgaben sollten auf die Situation der Lernenden eingehen. Sie griffen also die aktuelle Situation der Corona-Pandemie inhaltlich auf („Coronacomic Helden und Heldinnen in der Krise). Oder sie versuchten, die Situation zu Hause aufzugreifen und mitzugestalten: So wurden die Schülerinnen und Schüler angeregt, ihre Umgebung ästhetisch wahrzunehmen, sich zu bewegen und vielfältige Materialien auszuprobieren, z.B. draußen mit Frottagetechniken Spuren zu sammeln (Abb.1 ), die Eulen im nahe gelegenen Tiergehege anzuschauen, diese zu zeichnen/fotografieren, anschließend ein Eulenbild zu gestalten und das Federkleid aus den Frottagepapieren zu kleben (Abb. 2a u. b ).
Veränderte Lernkultur im Fernunterricht
Obwohl mich die rege Beteiligung und die vielfältigen Ergebnisse der Gestaltungsaufgaben begeisterten, war ich zunehmend frustriert über die Blackbox, die dieses Aufgabenmodul und die Art der Kommunikation erzeugte. Die personale Beziehung war in dieser Struktur äußerst reduziert.
Das Herzstück des Kunstunterrichts ist der gemeinsam erlebte komplexe Gestaltungsprozess, der von der Lehrperson begleitet wird. Nun aber war ich mit fertigen Ergebnissen konfrontiert, deren Entstehung ich nicht beigewohnt hatte. Ich wusste nichts von der Situation, in der die Bilder entstanden, wie die Lernenden die Aufgabenstellung aufgefasst hatten, ob ihnen die Bearbeitung...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 447 / 448

Warum ins Museum? inkl. IM FOKUS: Herausforderung Hybridunterricht

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-7