Martin Zülch

Im Zwielicht anonymer Fremdsteuerung?

Martin Zülch

Eine Replik zur Positionierung kollaborativen Handelns im Kunstunterricht

Ein bekanntes Phänomen: Schülerinnen und Schüler beobachten, beinflussen und unterstützen sich gegenseitig bei ihren fachpraktischen Arbeiten.
Unlängst stellte Miriam Schmidt-Wetzel (S.-W.) in KUNST+UNTERRICHT (405/406//2016 und 407/408//2016) ein Konzept vor, nach dem solche Verhaltensweisen angesichts einer „aktuellen Kultur des Teilens als kollaborative Handlungen zu betrachten sind. Hierfür bilden drei Umgangsweisen der Lernenden den Ausgangspunkt, die je nach Arbeitsform ihrem „Nebeneinander-, Gegeneinander- oder Miteinander-Arbeiten variieren.
Aus den drei damit verbundenen Interaktionsformen dem sich gegenseitigen Beeinflussen, Vergleichen und direkten Zusammenwirken sowie aktuellen gesellschaftlichen Trends leitet die promovierte Kunstpädagogin ihren Vorschlag ab, das Fach Kunst in größerem Umfang auf ein gemeinschaftliches Tätigsein auszurichten (S.-W. 2016a, S. 96f., 2016b, S. 4).
Ihrer Position liegen folgende Argumentationen und zusätzliche Orientierungshilfen zugrunde:
  • Zunächst stellt sie fest, dass „erst seit kurzer Zeit [] verstärkt über die Beziehung zwischen Lehrperson und Lernenden und deren Bedeutung für das ästhetisch-bildnerische Lernen nachgedacht werde und man dabei die „Formen des Austauschs und der Zusammenarbeit zwischen den Lernenden weitgehend unbeachtet gelassen habe. Bildnerisches Handeln stünde jedoch von vornherein unter dem Einfluss der Mitlernenden einer „Schüler-Schüler-Interaktion, mit der fast immer „geteilte Erfahrungen verbunden seien.Solches Beziehungsgeschehen sei ein „zentrales Strukturmerkmal des Kunstunterrichts und für das Lernen „gleichermaßen bedeutsam wie die Lehrer-Schüler-Beziehung (S.-W. 2016a, S. 96, 2016b, S. 53).
  • Zur Bezeichnung dieses Sachverhaltes führt sie den Begriff kollaboratives Handeln ein und beruft sich dabei auf eine „netzbasierte sowie in der Kunstwissenschaft und aktuellen Kunst verbreitete Terminologie. Bezugnehmend auf den Experimentierbetrieb des „Labors charakterisiert sie all jene ergebnisoffene Zusammenarbeit als Kollaboration, „bei der die Akteure einsehen, dass sie selbst im Prozess verändert werden, während Kooperation als ein nüchternes effizienzorientiertes Zusammenwirken ausgewiesen wird, das wie in einem „Operationssaal auf „möglichst perfekte Abläufe ausgerichtet sei. Aus dieser Aufwertung des Kollaborationsbegriffes zieht Schmidt-Wetzel den Schluss, dass dessen positive Konnotationen „als Anspruch an das „Miteinander-Arbeiten im Kunstunterricht herangetragen werden sollten: Beim kollaborativen Handeln werde keine „auf ein klares Ziel zusteuernde Zusammenarbeit angestrebt, sondern sei „die Arbeitshaltung experimentierend, forschend, der Prozess ergebnisoffen. (S.-W. 2016b, S. 5, 2016a, S. 96)
  • Diese Neuausrichtung des Unterrichts begründet die Autorin mit Hinweisen auf kollaborative Entwicklungen in Gesellschaft, Medien und Kunst. Dabei kommt folgendem Gedanken eine tragende Bedeutung zu: „Teilen, Mitteilen und Austauschen, gefasst unter dem Oberbegriff des ‚Sharing, werden online und offline immer mehr zu einem Wert an sich und seien „zumindest an der Oberfläche hierarchiefrei und basisdemokratisch angelegt. Insofern würden sich aus dieser neuen Kultur des Teilens „vielversprechende Möglichkeiten ergeben, „an die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen anzuknüpfen. Außerdem sei es erforderlich, ihre digital und visuell geprägten Interaktionsformen kunstpädagogisch zu begleiten, zumal diese auch einem „massiven wirtschaftlichen Interesse ausgesetzt seien (S.-W. 2016b, S. 6f.).
  • Zur Umsetzung ihres Konzeptes entwickelt die Autorin einen Orientierungsrahmen, mit dessen Hilfe Handlungsspielräume für einen kollaborativen Kunstunterricht sichergestellt werden sollen: die „Verlässlichkeit und Verbindlichkeit in den Lerngruppen sowie „individuelle Freiheit und Offenheit beim bildnerischen...

Friedrich+ Kunst

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt ganz einfach mit F+ weiterlesen

  • 30 Tage kostenloser Vollzugriff
  • 5 Downloads gratis enthalten

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Kunst

Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 415 / 416

Mit Smartphones und Tablets

Friedrich+ Kennzeichnung Hintergrund Schuljahr 1-13