Michael Heß I Anna-Maria Schirmer

#Diversität

Schülerarbeit: Strukturbild mit zentraler Ausrichtung
Schülerarbeit: Strukturbild mit zentraler Ausrichtung, aus dem Unterricht von Michael Heß

Michael Heß I Anna-Maria Schirmer

Eine neue Reihe in KUNST+UNTERRICHT

Mit der Reihe #Diversität werden ausgehend von bildnerischen Prozessen Einzelner individuelle Lernwege skizziert, um den Unterricht mit heterogenen Lerngruppen vom Schüler aus zu denken. Dazu werden Entwicklungsverläufe dargestellt und pädagogisch reflektiert. Damit möchte KUNST+UNTERRICHT einen ersten Schritt auf dem schwierigen Weg einer fachdidaktischen Annäherung an das komplexe Ziel der Diversität und Inklusion gehen.

Im Mittelpunkt steht die einzelne Person in der Einzigartigkeit ihrer Dispositionen und Potenziale. Gezeigt wird auch eine Unterstützung, die sich dem Prozess der Entwicklung, des Verhaltens und der Sichtweisen der Beteiligten annähert und gegenüber allen vermeintlichen Gewissheiten skeptisch bleibt.
Wir beginnen diese Reihe bewusst mit Menschen, die man gemeinhin als geistig behindert oder kognitiv-intellektuell beeinträchtigt bezeichnet. Die Schülerinnen und Schüler, die wir zunächst vorstellen wollen, besuchten eine Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Michael Heß leitete dort als Kunst-Fachlehrer eine Malwerkstatt.
Es geht uns mit dieser Auswahl keineswegs darum, Kinder über ihre Behinderung zu typisieren und damit vorhandene Defizitzuschreibungen und Stigmatisierungen weiterzuschreiben (Kobi 1993, S.41f./Feuser 2016, S.43). Auch soll hier weder ein weiter, noch ein enger Inklusionsbegriff direkt thematisiert werden. Vielmehr wollen wir einen konsequent stärken-orientierten Blick auf Menschen richten, die schnell an die Ränder unserer zwangsläufig normorientierten Vorstellungen geraten.
Versteht man Inklusion als Versuch, niemanden auszuschließen, scheint es konsequent, jenen Menschen, die schnell als nicht-inkludierbarer Rest gelten, besondere Aufmerksamkeit zu schenken (Wocken 2015, S.19f.), um deren Exkludierung zu verhindern (s. Kasten).
Anders-Sein als Normalität
Anders-Sein als Normalität
„Es ist normal, verschieden zu sein. Diese Aussage bringt den Kern des Inklusionsgedankens auf den Punkt. Trotz aller Unterschiede in der Praxis sowie im theoretischen Diskurs, zielt Inklusion doch stets auf einen, individuelle Teilhabe ermöglichenden, Umgang mit Diversität. In der Zielperspektive geht es darum, Ausgrenzung zu vermeiden, indem Anders-Sein als Normalität verstanden und jedem Menschen zugestanden wird. Auf die Forderung, Inklusion auch in der Schule zu realisieren, reagieren Institutionen ganz unterschiedlich. Das Spektrum reicht vom Nachteilsausgleich, der einzelnen Kindern helfen soll im dreigliedrigen Schulsystem zu bestehen, über Kooperationsprojekte zwischen Einrichtungen, bis hin zur Schule der Vielfalt, die nach Wegen sucht, alle Kinder gemeinsam unter einem Dach zu beschulen.
Die Herausforderungen an das System Schule und an alle involvierten Lehrer sind groß, geht es doch nicht nur um eine veränderte Handlungsbereitschaft, sondern um die Entwicklung und Ermöglichung multiperspektivischer Didaktik (Schönig/Fuchs 2016).
Selbst wenn man die Exklusionsmechanismen im Feld der Kunst im Blick hat, lässt sich Kunst als Erfahrungsraum unterschiedlicher Weltsichten betrachten. So betont jüngst Paolo Bianchi auf der Suche nach dem Sinn der Kunst: „Sie in unseren Sinnkosmos einfließen zu lassen, führt zu einer offeneren Weltsicht, die eines ermöglicht: Mehrdeutigkeit statt Eindeutigkeit, Dissens statt Konsens, Visionen von Wahrheit statt einer einzigen Wahrheit (Bianchi 2018, S. 4).
Folgt man Bianchis Gedanken, so darf man vermuten, dass uns die vielschichtigen Felder der Kunst einen sicheren Umgang mit Diversität lehren könnten, und so mag auch Kunstpädagogik besondere Potenziale bergen, mit „unterschiedlichen Versionen des Weltverstehens und Weltgestaltens (Blohm/Brenne/Hornäk 2017) umzugehen.
Dennoch ist keineswegs davon auszugehen, dass didaktisches Handeln im Kunstunterricht der Heterogenität der Kinder und Jugendlichen automatisch gerecht...

Friedrich+ Kunst

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 425 / 426

Prinzip Transkulturalität

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