Frank Schulz

Das Barbara-Projekt

Themengebiete und in den am Barbara-Projekt beteiligten Klassen in allen kunstpädagogischen Aufgabenfeldern
Themengebiete und in den am Barbara-Projekt beteiligten Klassen in allen kunstpädagogischen Aufgabenfeldern, Grafik: Frank Schulz

Frank Schulz

Einführung in ein komplexes Unterrichtsvorhaben

Ziel dieses Projektes war, eine Legende in ihrer kunstgeschichtlichen Verankerung und in ihrem Wirken bis heute zum Gegenstand des Kunstunterrichts zu machen. So wurde eine bildnerisch-praktische, rezeptive und reflexive Auseinandersetzung angeregt. Die Ergebnisse wurden in einem Demonstrationsraum zusammengeführt.

Am exemplarischen Beispiel der Legende der Heiligen Barbara werden in diesem Unterrichtsbeispiel die möglichen Erlebnis-, Erfahrungs- und Erkenntnisdimensionen verdeutlicht.
Bei diesem Projekt waren Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 und 6 sowie 10 bis 12 des BIP Kreativitätsgymnasiums Leipzig beteiligt, die unter Leitung von Manja Teich und Steffen Wachter gearbeitet haben. Alle Klassenstufen haben nach einer übergreifenden Einführung gleichzeitig die Arbeit aufgenommen.
Der zeitliche Gesamtumfang für das Projekt betrug zwischen 8 Stunden in der SekundarstufeI und 13 Stunden in der SekundarstufeII. Hinzu kamen zahlreiche fakultative Stunden, die einige Schülerinnen und Schüler für die Mitwirkung an der Gestaltung des Demonstrationsraums und die Übernahme entsprechender Sonderaufträge fakultativ aufgebracht haben.
Der Demonstrationsraum, in dem alle Ergebnisse auf verschiedenen Ebenen zusammengeführt wurden, ist nach Fertigstellung für die interaktive Arbeit mit den beteiligten und weiteren Schülerinnen und Schülern nutzbar.
Der Demonstrationsraum als kunstpädagogisches Medium
Sogenannte Demonstrationsräume eignen sich als besonderes Medium komplexer kunstpädagogischer Aktivitäten (ausführlicher vgl. Schulz 2014, S. 331ff.).
In der kunstunterrichtlichen Praxis kommt es auf die rezeptive und reflexive Auseinandersetzung der Lernenden mit Bildern vornehmlich mit Kunstwerken der Vergangenheit und der Gegenwart an und auf die eigene bildnerische Praxis. Darüber herrscht weitgehende Einheit, auch in der neueren Fachdidaktik.
Der Demonstrationsraum ist in diesem Zusammenhang ein Medium, das es erlaubt, die Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler in den verschiedenen Arbeitsfeldern und Gestaltungsdimensionen in besonderer Weise miteinander zu verbinden. Er ist als installative Verschmelzung unterschiedlichster Elemente von Produktion, Rezeption und Reflexion zu begreifen gegebenenfalls sogar mit interaktiven Elementen.
Demonstrationsraum heißt im Idealfall, dass ein bestimmter Raum eines Gebäudes für ein solches Vorhaben zur Verfügung steht. Das wird in den meisten Schulen eher die Ausnahme sein.
Demonstrationsraum kann auch heißen, bestimmte Raumteile und -zonen dafür zu nutzen. Aber auch Koffer und Kisten sind geeignet bis hin zu kleineren Behältern, die für diese Zwecke umfunktioniert werden können.
Prinzip „Demonstrationsraum
Mit dem Begriff „Demonstrationsraum wird Bezug genommen auf Formen der Installationskunst, deren Wurzeln in der russischen Avantgarde zu finden sind, sowie auf Erfahrungsräume bzw. „Art-and-Science-Räume (Lewandowsky 2000, S.12) im zeitgenössischen Ausstellungsbetrieb.
So spricht El Lissitzky in Bezug auf seine Ausstellungen und die verschiedener anderer Künstlerinnen und Künstler der konstruktivistischen Kunst in der jungen Sowjetunion ausdrücklich nicht von Ausstellungsräumen, sondern von Ausstellungs-Schau-Räumen, die er als „Demonstrationsräume bezeichnet (vgl. Lissitzky, in: Lissitzky-Küppers 1976, S. 365). Sein Kabinett der Abstrakten (Abb. 1 ) ist ein Beispiel dafür. Er meint, dass es nicht nur darum gehen kann, die Ergebnisse seines künstlerisch-praktischen Handelns vorzuführen, sondern dass es ebenso notwendig ist, sein konzeptuelles, sein kunst- und gestaltungstheoretisches Denken im wörtlichen Sinne zur „Schau zu stellen.
Hieraus entwickelt sich eine spezifische Form der Installationskunst, die der Kunstwissenschaftler Sotirios Bahtsetzis ausführlicher behandelt. Er betont den komplexen Anspruch dieser Räume, das Zusammentreffen von...

Friedrich+ Kunst

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt ganz einfach mit F+ weiterlesen

  • 30 Tage kostenloser Vollzugriff
  • 5 Downloads gratis enthalten

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Kunst

Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 445 / 446

Legenden inkl. Werkstattheft

Friedrich+ Kennzeichnung Hintergrund Schuljahr 5-12