Steffen Wachter

Barbara Repeated

Schülerarbeit (Kl. 6): Barbara-Weizen im Demonstrationsraum
Schülerarbeit (Kl. 6): Barbara-Weizen im Demonstrationsraum, aus dem Unterricht von Steffen Wachter

Steffen Wachter

Klasse 6

In diesem Beispiel sind reflexive und produktive Wege der Auseinandersetzung mit dem Barbara-Thema zusammengeflossen. Zentrale Aufgabe dieser Klasse war die Recherche zu Brauchtum und Traditionspflege zur Heiligen Barbara in den Berufszweigen, mit denen sie über Patronate verbunden ist.

Auch wenn das Umfeld unserer Schule die Gegend um Leipzig vorrangig christlich-evangelische Traditionen bietet, so sind viele der Berufsgruppen, für die die Heilige Barbara als Schutzpatronin gilt, vertreten. Diese könnten mit ihr in Verbindung stehende Bräuche kennen, vielleicht sogar selbst pflegen.
Rechercheauftrag
Durch Interviews von Personen des Verwandten- und Bekanntenkreises sowie durch weitergehende Recherchen per Mail oder Telefon bei umliegenden Betrieben, Institutionen, Vereinen oder Museen sollte eine Vorstellung darüber gewonnen werden, welche Rolle die Traditionen rund um die Heilige Barbara in unserer Gegend spielen.
Dieser Rechercheauftrag bietet den Schülerinnen und Schülern eine ganze Reihe unterschiedlicher Zugänge.
Bezug zu Geschichte und Religion
Zum einen wird an Lehr- und Lernziele des Religionsunterrichts sowie des Geschichtsunterrichte angeknüpft und am konkreten Beispiel der Heiligen Barbara auf breiterer Basis bearbeitet.
Der Lehrplan Geschichte für Sachsen weist in diesem Zusammenhang die christliche Durchdringung des Alltags beispielsweise durch den kirchlich geprägten Jahreskalender oder christliche Rituale wie Ostern oder Weihnachten aus.
Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Auseinandersetzung mit regionaler Geschichte und Tradition in mehreren Wahlpflichtbereichen des sächsischen Lehrplans Geschichte.
Bezug zur Lebenswelt
Zum anderen werden lebensweltliche Bezüge der direkten Erlebnis- und Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler genutzt. So werden im Sinne eines praktisch handelnden, entdeckenden Lernens neue Erkenntnisse über weniger bekannte Traditionen in der Region erworben.
Die Schülerinnen und Schüler kommen mit Menschen, Berufen und Geschichten in Berührung, die sie selbst recherchieren und dokumentieren auch wenn das Ergebnis nicht immer ihre Erwartungen bestätigt.
Gemeinsam wurden Fragen entwickelt, die als Interview oder als Mail-Anfrage gestellt werden konnten und als Ausgangspunkt für weitere Nachfragen dienten.
Rechercheergebnisse
In vielen Fällen stellte sich heraus, dass beispielsweise Hutmacher oder Köche keinerlei Kenntnis über die Heilige Barbara hatten und nicht wussten, dass sie unter das Patronat der Heiligen fallen. Brauchtum oder Traditionspflege war in dieser Richtung und den meisten anderen Fällen nicht nachzuweisen aber auch das war eine Erkenntnis, die die Schüler dokumentierten. Sie verstanden, dass dies vorrangig mit der weitgehend fehlenden katholischen Tradition in unserer Gegend zu tun hat.
Barbara-Tradition im Bergbau
Andere Beispiele belegen, dass es durchaus Traditionen um die Heilige Barbara in Sachsen gibt dazu das Beispiel von Richard und Lennox: Über die Anfrage per Mail an die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft (MIBRAG), die in der Leipziger Region Braunkohletagebau betreibt und viele Traditionen zur Heiligen Barbara pflegt, gelangten die beiden über Weiterempfehlungen zu Museen und Bergwerken im sächsischen Erzgebirge sowie zur Bergakademie in Freiberg bei Dresden. Fast überall wurde den jungen „Journalisten sehr freundlich und teils ausführlich geantwortet (Abb. 1 ).
Manche Schülerinnen und Schüler weiteten ihre Mail-Anfragen auch in andere Bundesländer aus.
Barbara-Schmuck
Die Lernenden ermittelten, dass die Frauen und Freundinnen von Bergleuten Barbara-Schmuck trugen und z.T. auch heute noch tragen. Helene besitzt ein solches Schmuckstück, einen Kettenanhänger, von ihrem Uropa, der tatsächlich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Wismut AG in Aue Uranerz gefördert hatte (Abb. 2 ).
Der Anhänger besteht zwar nicht aus wertvollem Material, hat aber...

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aus: Kunst und Unterricht Nr. 445 / 446

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