Naturlabor

Naturlabor

Kunst 5-10 | Ausgabe Nr. 60/2020

Spätestens seit dem Klimawandel ist Natur ein zentrales Thema. Auch bei den Schülerinnen und Schülern ist es längst angekommen, was neue Studien zeigen wie auch die globale Bewegung „Fridays for Future“, auf der sich Schüler und Studierende für Klimaschutzmaßnahmen zum Erhalt der Natur einsetzen.
Die Phänomene der Natur sind vielfältig und faszinierend, ihre Erscheinungen sind ein Füllhorn ästhetischer Sinneseindrücke. Für den Kunstunterricht bieten sich hier ausgesprochen viele Möglichkeiten und Methoden, das reichhaltige NATURLABOR zu erforschen.

Inhaltsverzeichnis
aus dem Unterricht von Alexandra Thunert und Gisela Hollmann-Peissig
Gesammelte Pflanzen für die Minigärten
Pflanzen und Naturmaterialien zu kleinen Kunstwerken gestalten Minigärten
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst 5-10" Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-6

Dass lebende Pflanzen als Gestaltungsmittel für Kunstwerke dienen, ist vielleicht ungewöhnlich, aber nicht neu. Was spätestens mit dem Anlegen von Barockgärten begann, ist heute aktueller denn je. Spannend ist die Arbeit mit Pflanzen, weil sie sich im Laufe der Zeit verändern und die Art der Veränderungen nie genau vorhersehbar ist. Für Schülerinnen und Schüler bietet die Arbeit mit Pflanzen in Form der Anlage von Minigärten Überraschungen und sie bindet sie über einen ungewöhnlich langen Zeitraum an das Projekt. Die Beschäftigung mit „echten“ Pflanzen stellt außerdem für Stadtkinder häufig Neuland dar. Pflanzen durch eigene Pflege wachsen zu sehen, ist ein wunderbares Beispiel für Selbstwirksamkeit.

aus dem Unterricht von Margareta Paukner
Vorder- und Hinterteil eines Skeletts
Biologisches Wissen aneignen und im künstlerischen Prozess anwenden Sensationeller Skelettfund
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst 5-10" Schuljahr 6-7

Wer hat mit elf Jahren nicht einmal davon geträumt, als Forscher einen sensationellen Fund zu machen und die Welt zu verändern? Skelette üben auf diese Altersgruppe eine große Faszination aus. Dies soll hier genutzt werden, um anatomische Zusammenhänge zu erklären und ein Verständnis für biologische Grundbaupläne zu entwickeln. Die Schülerinnen und Schüler gestalten in dieser Unterrichtsidee ein Skelett nach ihrer Fantasie.

aus dem Unterricht von Hilke Ludwig
Ein Gesamtkunstwerk: Die zusammengestellten Setzkästen
Naturmaterialien sammeln, zeichnen und präsentieren Pflanzenkunst
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst 5-10" Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-8

Unsere Welt besteht aus Natur. Diese begegnet uns an jeder Ecke, z.B. in Form von Pflanzen: Bäume, Wiesen, Blumen, Sträucher. Beachtung schenken wir ihnen jedoch nur selten, zu normal ist ihr Anblick. In dieser Unterrichtsidee begeben sich die Schülerinnen und Schüler auf eine Reise, um die seltsamen, interessanten und manchmal auch lustigen Strukturen unserer natürlichen Pflanzenwelt zu entdecken und ihre Ästhetik einzufangen. Schließlich werden die Pflanzenfunde in einem Setzkasten zusammen mit Zeichnungen präsentiert.

 

aus dem Unterricht von Gisela Hollmann-Peissig
Modell „Kindergarten“
Bauwerke nach bionischen Prinzipien planen und Modelle bauen Schlangenform und Schuppendach
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst 5-10" Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10

Bionik ist eine noch recht junge Wissenschaft, die sich mit der Erforschung von Strukturen der Natur und ihrer Funktionalität auseinandersetzt. Werden die erkannten Prinzipien sinnvoll angewandt, so entstehen oft verblüffend wirkungsvolle und nachhaltige Lösungen für technische Herausforderungen. Der Lotuseffekt, die Aerodynamik oder der Klettverschluss sind hier einige Beispiele für nützliche Verknüpfungen von Natur und Technik.
Auch in der Architektur werden immer wieder sinnvolle Lösungen gesucht und gefunden, z.B. für Probleme, die mit dem Klimawandel zu tun haben. Die Schülerinnen und Schüler dieser Unterrichtsidee setzen sich mit baulichen Herausforderungen auseinandergesetzt, die im Wüstenklima entstehen können und finden dabei interessante Verknüpfungen zwischen bionischen Wirkprinzipien und Gestaltung.

aus dem Unterricht von Gisela Hollmann-Peissig
Schülerarbeit: Bläulingsraupe
Winzige Naturobjekte dreidimensional nachnähen Kleines ganz groß
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst 5-10" Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10

Die Erscheinungsformen der Natur sind vielfältig. Die weitaus meisten jedoch bleiben uns im Alltag verborgen, zumal Lebewesen oft so klein sind, dass sie mit bloßem Auge nicht oder kaum erkennbar sind. Vergrößerte Aufnahmen, z.B. mit dem Elektronenrastermikroskop, lassen erahnen, wie faszinierend die Welt der kleinen Lebewesen ist. Diese Faszination wird in dieser Unterrichtsidee genutzt, um dreidimensionale Objekte auf ganz besondere Art zu gestalten:

Die einzigartigen Strukturen der Objekte werden erst durch die Vergrößerung erkundet und erfasst. Mithilfe des anschließenden Nachnähens dieser fremden Gebilde werden sie schließlich zu haptisch begreifbaren, weichen, dehnbaren Körpern, die zum Anfassen einladen.

 

aus dem Unterricht von Canan Tercan
Ertastete und „blind“ gezeichnete Naturstudie
Naturmaterialien ertasten und zeichnen Mit den Fingern sehen!
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst 5-10" Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-7

Beschäftigt man sich im Kunstunterricht mit dem Thema Naturstudien, zeigt sich bei den Schülerinnen und Schülern ein starkes Bestreben, zeichnerische Könnerschaft zu entwickeln, wobei ihr Maß der Dinge das möglichst realitätsgetreue Abbilden der Gegenstände ist. So ist das Thema im Unterricht für viele Heranwachsende oft mit Enttäuschung und Frustration verbunden. In der Aufgabe recyceln die Schüler zunächst alte Jeanshosen, indem sie aus diesen Fühlbeutel nähen. In der folgenden Stunde werden diese mit Naturmaterialien befüllt und für ein Zeichenexperiment eingesetzt: Darin werden die Heranwachsenden induktiv über ihren Tastsinn an die zeichnerische Erfassung ihrer Umwelt herangeführt und erweitern sukzessiv, ausgehend von der Linie als elementares bildnerisches Mittel, ihr Darstellungsrepertoire.

 

aus dem Unterricht von Wiebke Kontzog
Schülerarbeiten: Herbstliche Farbenspiele
Erstellung eines Farbschemas aus Herbstblättern Herbstliches Farbenspiel – Farben ordnen
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst 5-10" Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-10

Übergeordnetes Ziel der Aufgabe ist die bewusste Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit Farben aus der Natur. Das farbenfrohe Herbstlaub bietet dafür eine ideale Gelegenheit. Es ermöglicht einen spielerisch-entdeckenden Einstieg in den Themenkomplex „Farben ordnen“.

Auch in höheren Klassenstufen kann diese Aufgabe als inspirierende Einführung ins Thema „Land Art“ dienen – zum Beispiel mit Werken von Andy Goldsworthy.

aus dem Unterricht von Nicole Werneburg-Gül
Schülerarbeit: Cyanotypie mit Einzeichnung
Die Cyanotypie zur Erforschung von Naturstrukturen Ein Gekrabbel in Blau
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst 5-10" Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-6

Die Cyanotypie ist ein fotografisches Verfahren, das bereits im 19. Jahrhundert von der britischen Botanikerin und Fotografin Anna Atkins verwendet wurde, um filigrane botanische Strukturen besonders hervorzuheben. Auch heute noch hat diese Technik nichts von ihrer Faszination verloren. Mithilfe des Solar-Fotopapiers ist es besonders einfach, dieses Verfahren im Kunstunterricht einzusetzen.

 

aus dem Unterricht von Stefanie Aselmann
Schülerarbeit: Metamorphose
Kreisförmige Abläufe als Loop entwerfen Metamorphose
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst 5-10" Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 9-10

Für die Natur sind Prozesse des Werdens und Vergehens charakteristisch. Metamorphosen, wie z.B. bei der Entwicklung von Amphibien oder mancher Insekten machen die unterschiedlichen Prozesse deutlich. Als zyklische Abläufe sind diese dafür prädestiniert, um in einem Loop, einer Endlosschleife, verarbeitet zu werden, ebenso wie erdachte Verwandlungen, welche die Schüler aus der Mythologie (Phönix, Zeuss u. a.) kennen. Wie kann man die besonderen Formveränderungen als fließende Bewegung in einem zeichnerischen Entwurf deutlich machen? Mithilfe von Bildfolgen in der Art eines digitalen Daumenkinos! 

© akg/Science Photo Library
Ernst Haeckel: Seescheiden (Ascidiae), Kunstformen der Natur (Tafel 85), 1904, Kupferstich
Natur wissenschaftlich darstellen Überblick
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst 5-10" Fachwissen Schuljahr 5-10

Bilden Künstler die Natur ab, sagen ihre Bilder immer etwas über diese aus. Durch ihre persönlich-emotionale Sichtweise unterscheiden sich freie Künstler von der Sachlichkeit der naturwissenschaftlichen Illustratoren. Diese bekommen von Wissenschaftlern Vorgaben, welche Aspekte sie herausarbeiten sollen. Das kann das Typische einer Gattung sein oder ein Detail, auf das sich die Forschung fokussiert.

©–picture-alliance–/–Sven Simon | Malte Ossowski/SVEN SIMON
Ines Doujak: Siegesgärten, 2007, Beet mit Pflanzen auf Stelzen (1628×102×122cm), 69 Samentüten
Ines Doujak: „Siegesgärten“ – Wem gehört die Natur? Einblick
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst 5-10" Schuljahr 5-10

Im temporär errichteten Pavillon der 13. documenta (2007) inmitten des zum Verweilen einladenden Aueparks präsentierte die Wiener Künstlerin Ines Doujak ein 16 Meter langes Grasbeet, das von allen Seiten frei zugänglich war. Ihre Installation, die durch unzählige weiße Stützen aus Haselnussholz zu schweben schien, war in Brusthöhe der Besucher mit 42 bunten Samentütchen bespickt  ­– etwa so, wie Kleingärtner ihre Saatreihen akkurat mit entsprechenden Packungen markieren, um später zu wissen, welche Keimlinge dort aufgehen.

Foto: Manfred Steger / Pixabay
Pixel-Pädagogik
Wie im Kunstunterricht mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz umgehen? Pädagogisch gefragt
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst 5-10" Hintergrund Schuljahr 5-10

Ben nimmt regelmäßig an Demos von „Fridays for Future“ teil und achtet in den meisten Bereichen seines Lebens auf die Umwelt. Nachhaltigkeit und ökologisches Denken sind ihm sogar so wichtig, dass er sich beim Bauen von Architekturmodellen weigert, auf lösungsmittelhaltigen Kleber zurückzugreifen. Mit einem lösungsfreien Produkt lassen sich die Pappen jedoch nicht dauerhaft zusammenkleben. Dass wir mehr für die Umwelt tun müssen, steht außer Frage. Aber im Kunstunterricht?