Christine Biehler

„Remix“

Schülergruppenarbeit (Kl. Q1): Collage
Schülergruppenarbeit (Kl. Q1): Collage, aus dem Unterricht von Christine Biehler

Christine Biehler

Transkulturelle Selbstinszenierungen im Medium Fotografie

Kulturelle Mischungen und Inszenierungen spielen im kulturellen Alltag wie auch in der Kunst eine wichtige Rolle. Das Unterrichtsprojekt setzt sich intensiv mit Theorien und Bildstrategien des Transkulturellen auseinander und entwickelt aus diesem erweiterten Baukasten heraus fotografische Selbstinszenierungen.

Ein weißer Fotohintergrund auf einer Rolle an der Wand, dessen Fläche man weit auf den Boden in die Saalmitte hineinziehen kann, ist im Werkraum des Karl-Rehbein-Gymnasiums in Hanau neu installiert. Ein Grundkurs Kunst mit 29 Schülerinnen und Schülern hat sich im Frühjahr 2017 mit den Möglichkeiten dieser neuen Bühne vertraut gemacht. Für die fotografischen Selbstinszenierungen, die vor diesem Hintergrund zu unterschiedlichen Themen stattfanden, waren die 17-jährigen Jugendlichen selbst Modelle, bei denen sie sich in verschiedenen Outfits vor der Linse bewegten und sich fotografierten. Übungen, bei denen sich die Modelle für einen stimmungsvollen Ausdruck mit Licht und Schatten immer wieder anders positioniert haben, ließen die Schülerinnen und Schüler sich selbst als Modell und die Fotografie als spannendes variantenreiches Medium erleben.
Nach diesen Vorerfahrungen beginnt im April 2017 das Projekt „remix. Acht Doppelstunden folgen, in denen die Schülerinnen und Schüler sich zunächst Schritt für Schritt kognitiv dem Thema „Transkulturalität nähern, um dann selbst in einer praktischen Arbeit gemeinsame fotografische Bilder und eine Collage zu erstellen. Das Projekt enthält viele verschiedene Bausteine, die die praktische Arbeit methodisch differenziert, konzeptuell und organisatorisch vor- und nachbereiten.
Theorie: remix
Jeder von uns kennt das Wort Kultur, es begegnet uns in nahezu allen Lebenslagen und Alltagssituationen. Doch was genau umfasst es?
Die Lernenden erstellen eine Mindmap an der Tafel zum Schlüsselwort „Kultur. Begriffe wie Sprache, Religion, Institution, Erziehung, Geografie, Klima, Wirtschaftssystem, Sozialstruktur, Geschlecht, Nationalität, Regierungsform und Familie werden unter anderem genannt, in Unterthemen sortiert und gruppiert.
Die Schüler exemplifizieren die Felder an konkreten Beispielen. Sie wissen viel zu erzählen etwa wie in verschiedenen Kulturen der Körperabstand im Gespräch unterschiedlich ist und wie Etikette oder Regeln, die aus bestimmten kulturellen Normen und Werten resultieren, ihr tägliches Leben bestimmen.
Um die Diskussion zu vertiefen, erhält jede Tischgruppe jeweils eine weiterführende Frage (vgl. Lutz-Sterzenbach u. a. 2013), über die beraten und deren Gesprächsergebnis vorgestellt wird:
  • Wer bestimmt, wer ich bin?
  • Niemand ist kulturfern ist das so?
  • Kann man sich hinter einer Kultur verstecken?
  • Löschen internationale Produktmarken Kulturen aus?
  • Wo begegnen sich Kulturen?
  • Repräsentieren türkisch-deutsche Schriftsteller in Deutschland die Kultur der Türkei?
Persönliche Kultursteckbriefe
So schnell und unkompliziert das Spektrum an kulturellen Parametern in der Mindmap erarbeitet war vielschichtiger gestaltet sich die Frage nach der eigenen Kultur. Die Schülerinnen und Schüler stellen fest, dass es unmöglich scheint, sich in alltäglichen Situationen der Kultur zu entziehen, denn wir sind ständig Teil davon. Gerade deswegen kann es sich als schwierig herausstellen, kulturelle Leistungen oder das eigene Verankertsein in einer regionalen oder schichtenspezifischen Kultur bewusst wahrzunehmen. Die Aufgabe, „Erstellt von euch selbst einen Kultursteckbrief!, führt zu vielen Fragen:
  • Wo bin ich verankert?
  • Welchen Kulturen fühle ich mich zugehörig?
  • Welche Kultur(en) repräsentiere ich?
  • Ist ein Hobby Teil einer Kultur?
  • Bin ich automatisch mit der französischen Kultur verbunden, wenn ich Französischunterricht in der Schule habe?
  • Und überhaupt: Gibt es die eine französische Kultur?
Beim Nachdenken über sich selbst wird viel notiert und wieder...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 425 / 426

Prinzip Transkulturalität

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-12