Johanna Tewes

„Meine Zwecke sind nicht deine Zwecke.“

Schülerarbeiten (Kl. 5): Golem-Illustrationen mit Darstellung der häuslichen Pflichten
Schülerarbeiten (Kl. 5): Golem-Illustrationen mit Darstellung der häuslichen Pflichten, aus dem Unterricht von Johanna Tewes

Johanna Tewes

Die Legende vom Golem und ihre Rezeption von Balladen bis Minecraft

Die Schülerinnen und Schüler einer 5. Klasse (Gymnasium) setzen sich rezeptiv und praktisch-produktiv mit der Legende vom Golem auseinander. Hierbei erkunden sie zunächst aus unterschiedlichen Perspektiven zentrale Wesens- und Gestaltmerkmale des Golem in seinen medialen Repräsentationsformen und entwickeln auf dieser Basis eigene Golemvarianten.

Die Ballade Der Golem (1903) von Detlev von Liliencron (http://www.gedichte.eu/71/liliencron/bunte-beute/der-golem.php) ist der Ausgangspunkt, um die Lerngruppe mit der Golemlegende und ihren literarischen Grundmotiven vertraut zu machen. Der Text ist zwar aufgrund vieler Fremdwörter und der lyrischen Erzählform für die Altersstufe nicht ganz leicht zu verstehen doch wegen des vergleichsweise kurzen Umfangs und der Kernaussage kann er auch ohne historisches Kontext- oder Epochenwissen (Kasten 1) erschlossen werden.
In der Ballade wird sehr anschaulich verdeutlicht, wie dicht genialer Erfindergeist und Fahrlässigkeit nebeneinander liegen können, wenn der Mensch danach strebt, ein menschenähnliches Wesen zu erschaffen, das ihm lästige Arbeiten abnimmt. Denn hierbei so zeigt es der Hergang der Ballade besteht immer die Gefahr, dass das künstlich geschaffene Wesen irgendwann ein Eigenleben entwickelt, sich den Befehlen seines Schöpfers widersetzt und außer Kontrolle gerät. Dadurch kann solcherlei Streben der Menschheit im Ganzen letztendlich mehr Schaden als Nutzen bringen.
1 Entwicklung und Wandel der Golemlegende
1 Entwicklung und Wandel der Golemlegende
Bei den Erzählungen über den Golem handelt es sich nicht um eine klassische Heiligenlegende im Sinne eines Berichts über Persönlichkeiten mit bemerkenswerten religiös-sittlichen Eigenschaften (Vollmann 2001, S. 1109f.). Dennoch ist die Entstehung dieses fiktionalen Wesens religiösen Ursprungs und fand in vielfältigen literarisch-künstlerischen Ausgestaltungen vor allem im Judentum –  aber auch darüber hinaus durch Theater- und Musikstücke, Filme, Comics, Kinderbücher, Computerspiele oder Kunstwerke bis heute weltweite Verbreitung.
Grundmotiv in der Bibel
Die Herkunft des Wortes „Golem lässt sich u.a. auf die Psalmen der Hebräischen Bibel zurückführen: „Dort preist Adam Gott als einen Schöpfer, der ihn im Schoß seiner Mutter, der Erde, gewoben hat. ‚Deine Augen, sagt er zu Gott, ‚sahen meinen Golem (hebräisch golmi), meinen noch ungeformten und in seinen Gliedern noch nicht ausdifferenzierten Embryo, wie er in den dunklen Tiefen der Erde lag (Psalm 139, S. 16). (Schäfer 2016, S. 4).
Demnach fällt das Grundmuster der Golemlegende mit dem Schöpfungsbericht Adams zusammen.
Anschließend hat die Ausgestaltung und Deutung der Golemfigur im Laufe der Jahrhunderte mehrere Transformationsprozesse durchlaufen meist in Reaktion auf historische Entwicklungen.
Der Schöpfungsprozess als Kernthema
Die Golemlegenden, die ab dem 12. Jahrhundert in Mitteleuropa entstanden, kreisten hauptsächlich um den konkreten Schöpfungsprozess eines Golem.
Ausgehend von Vorläufern aus dem Talmud war in den jüdischen Zirkeln dieser Zeit die Frage relevant, wie genau, durch welche Formeln, Rituale oder Zaubersprüche es den besonders gläubigen Rabbinern möglich wird, toter Materie menschliches Leben einzuhauchen.
Die Grundlage hierfür bildete das in der Kabbala überlieferte Buch der Schöpfung. Es enthält die gesamte göttliche Schöpfung, verschlüsselt in Form von Zahlen von 1 bis 10 sowie den Buchstaben des hebräischen Alphabets.
Die Golemlegenden berichten von der Suche nach der richtigen Kombination zur Erschaffung eines künstlichen Menschen, dem Gelingen und Scheitern dieser Versuche (Schäfer 2016, S. 4f.).
Golem Eine Frage der Schöpfungsabsicht und Beherrschbarkeit?
Im Zuge der Entwicklung der modernen Wissenschaft im christlichen Europa des 17. Jahrhunderts verlagerte sich das Leitmotiv der Golemlegende. Im...
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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 445 / 446

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