Lars Zumbansen

Literarische und bildnerische Transformationen einer Legende

Schülerinnenarbeit (Kl. 8): Sketchnote: Die Verehrung Eugenias
Schülerinnenarbeit (Kl. 8): Sketchnote: Die Verehrung Eugenias, aus dem Unterricht von Lars Zumbansen

Lars Zumbansen

Verstehensprozesse visualisieren mittels Sketchnotes: Gottfried Kellers Eugenia

Im Rahmen eines fächerverbindenden Projekts der Fächer Deutsch und Kunst setzten sich Schülerinnen und Schüler einer achten Jahrgangsstufe (Tabletklasse) mit der Protagonistin einer Novelle von Gottfried Keller auseinander. Der Kunstunterricht fand in einem agilen Lernsetting statt.

Eugenia (1872) ist eine „coming of age-Geschichte des 19. Jahrhunderts, die Themen wie Idolisierung, Gender-Switching und Emanzipationsansprüche einer jungen Frau verhandelt. Hier werden also viele Themen angesprochen, die für Jugendliche interessant sein können.
Kunstunterricht in einem agilen Lernsetting
Die gesamte Einheit wurde in Form eines agilen Lernsettings konzipiert. Das bedeutet: Der Unterricht orientierte sich nicht an einem durchchoreografierten Sequenzplan, sondern reagierte je flexibel auf die von den Lernenden selbst erzeugten Hypothesen. Das Schaubild (Abb. 1 ) verdeutlicht die beiden zentralen Phasen, die je wechselseitig aufeinander bezogen wurden. Ein wesentliches Element bildete die interpretative und gestalterische Eigentätigkeit der Schülerinnen und Schüler.
Visualisierung der Figurenentwicklung
Im Bereich der Produktion lag der Schwerpunkt auf der Erstellung von Sketchnotes zur Visualisierung der Figurenentwicklung: Dabei sollten die Achtklässler bei der Lektüre des in das Programm OneNote kopierten Textes direkt eine Grobgliederung vornehmen und wesentliche Stationen der Figur identifizieren.
Im Anschluss bekamen die Lernenden den Auftrag, in individuellen Lernzeiten binnen drei Wochen Sketchnotes zu den einzelnen Handlungsstationen anzufertigen (zur Einführung der Methode und Schrittigkeit: Kasten 1).
1 Sketchnotes
1 Sketchnotes
Als Kompositum aus den Wörtern „Sketch (Zeichnen, Skizzieren) und „Notes (Notieren) stellen Sketchnotes eine Form individueller Informationsverarbeitung dar, die sich gezielt der Kombination bildhafter und textlicher Repräsentationsformate bedient.
Intensivierung von Verstehensprozessen durch Visualisierung
Hintergrund ist die lerntheoretisch begründete Intensivierung von Verstehensprozessen durch Visualisierungsverfahren (vgl. Zumbansen 2013). Diese werden dadurch verstärkt, dass Sketchnotes immer bereits eine aktive perzeptive Umwälzung dargebotener Informationen markieren, die sich im Rückgriff auf Vorstellungsbilder durch eine hohe kognitive Aktivierung auszeichnen (vgl. Brüning/Saum 2017, S.173ff.).
Popularisiert wurden Sketchnotes zuletzt als spezifische nonlineare Form von Vortragsmitschriften, die auch als „Graphic Recording bezeichnet werden. Auch wenn Sketchnotes in diesem Unterrichtsbeispiel von den Lernenden als Verarbeitungsform zur Erschließung eines literarischen Textes eingesetzt werden, bleibt der prozessuale Charakter der Methode gewahrt. Es geht nicht um eine in sich geschlossene Illustration von Textinhalten, sondern um ein langsames Herantasten und individuelles Übersetzen einzelner Textbausteine.
Digitale Sketchnotes
Der Vorteil der digitalen Sketchnotes liegt in ihrer dynamischen und modularen Struktur. Einzelne Bildelemente können mehrfach kopiert und variiert werden, aber auch die am Textrand sukzessiv erstellten Entwicklungsstationen der Figur lassen sich nachträglich verschieben, vergrößern und zu einem übergreifenden Schaubild zusammensetzen.
Weiterhin können die Lernenden im „Collaboration Space der App ihre Sketchnotes teilen und wechselseitig reflektieren. Verbesserungsvorschläge, bezogen auf inhaltliche Stimmigkeit und Anschaulichkeit, lassen sich auf diese Weise ebenfalls unmittelbar innerhalb der digitalen Grafik aufnehmen und umsetzen.
Methodisches Vorgehen
Zur metakognitiven Aneignung der Methode hatten die Schülerinnen und Schüler die (Haus-)Aufgabe, ein einführendes Erklärvideo zu Sketchnotesf (https://www.youtube.com/watch?v=wWsB-g8d24Q&feature=youtu.be) zu schauen und die wesentlichen...
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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 445 / 446

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