Nils Zumbansen

Heimat exklusiv / inklusiv

Nils Zumbansen

Visuelle Konstruktionen von „Heimat auf politischen Wahlplakaten

Das Thema Heimat gewinnt in Wahlkämpfen regional wie überregional zunehmend an Bedeutung. Anhand ausgewählter, für die Wahlkampagnen genutzter, Fotomotive und Slogans sollen die Differenzen beim Heimatbegriff zwischen den politschen Gruppierungen herausgearbeitet werden.

In den letzten Jahren taucht der Heimatbegriff häufig auf Wahlplakaten verschiedener Parteien auf wie zuletzt die Landtagswahl 2018 in Bayern gezeigt hat (vgl. Lehner et al. 2018). In diesem Zusammenhang wird die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch von der Akademie für Politische Bildung Tutzing folgendermaßen zitiert: „Heimat war immer das Stammthema der CSU. Aber die Grünen haben ja auch schon in den letzten paar Jahren versucht, dieses Thema zu besetzen. Das hat offensichtlich eine große Resonanz. (ebd.) Der Umstand, dass Parteien ganz unterschiedlicher politischer Lager auf Heimat rekurrieren, indiziert heterogene Vorstellungen dieses Konzeptes (s. Kasten).
Heimat eine deutsche Begriffsgeschichte
Heimat eine deutsche Begriffsgeschichte
Heimat gilt laut dem emeritierten Anglistikprofessor Hans-Dieter Gelfert als deutsches „Urwort (Gelfert 2005, S. 23). Es ist ein altmodisch klingendes Wort, welches sich mit seinen vielen hinzugekommenen Bedeutungsfacetten einer eindeutigen Definition entzieht (vgl. Preißker-Meyer 2002, S. 18; Vorkoeper 2005). Allgemein berührt der Heimatbegriff sowohl die räumliche oder geografische Dimension als auch die kulturelle oder soziale Dimension (vgl. Peißker-Meyer 2002, S. 18f.; Gorelik 2017). Im Mittelpunkt steht bei diesem Begriff jedenfalls die Beziehung zwischen dem Selbst und der prägenden Umwelt oder Umgebung. Beispielsweise prägen einen Menschen selbstverständlich seine Herkunft, sein Wohnort, sein soziales bzw. familiäres Umfeld, topografische Faktoren sowie spezielle Bräuche und bestimmte Gewohnheiten (vgl. u.a. Zöller 2015, S. 8f.). All diese Aspekte können mit „Heimat assoziiert werden.
Obwohl eine emotionale Beziehung zum Herkunftsort oder zum Ort der Kindheit nichts Außergewöhnliches ist, hatte für die Deutschen nach Ansicht von Gelfert die Bindung an die Heimat immer einen wichtigen Stellenwert. Während Franzosen, Engländer oder Amerikaner primär ein Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Nation oder im Falle der Amerikaner zu den einzelnen Bundesstaaten aufweisen, haben sich die Deutschen über längere Zeit hinweg der Heimat im Sinne eines relativ eng begrenzten, unmittelbaren Lebensraums verbunden gefühlt. Meistens umfasste dieser Lebensraum die Dorfgemeinschaft mit den vertrauten geografischen und institutionellen Markern wie der dortige Wald, die Kirche, die Kneipe und der Verein (Gelfert 2005, S. 23).
Diese enge Beziehung zum Heimatort lässt sich auf historische Entwicklungen zurückführen. So verhinderten, laut Gelfert, die lange anhaltende Kleinstaaterei und unstabile politische Lage eine Identifikation mit größeren räumlichen Gebilden. Identifikations- bzw. Identitätsstiftend waren hingegen der Heimatort und/oder der unmittelbare regionale Lebensraum und dessen Institutionen. Darüber hinaus setzte die Industrialisierung erst wesentlich später als in England ein (vgl. ebd., S. 24). Als dann verspätet im 19. Jahrhundert die Industrialisierung in Deutschland begann und das Land im Jahre 1871 ein Einheitsstaat wurde (vgl. z.B. Fahrmeir 2017, S. 50ff., S. 63f.), waren viele Menschen in einigen Regionen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, damit sie an einem anderen Ort Arbeit finden konnten, wodurch Trennungsschmerz entstand (vgl. Gelfert 2005, S. 24).
Zudem entwickelten die Deutschen ein spezielles Naturverhältnis, das besonders in der Romantik im 19. Jahrhundert geprägt wurde und einen naturmystischen Zugang gewährt, wonach die Natur ein lebendiger, verletzbarer Organismus ist (vgl. Zöller 2015, S. 18f.).
Die deutsche Sehnsucht nach Heimat und die enge Heimatbindung der...
Kunst und Unterricht
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

Kunst und Unterricht abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 431 / 432

Jugend Fotografie Heimat

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst und Unterricht" Hintergrund Schuljahr 10-13