Lars Zumbansen

In-Game-Fotografie

Schülerarbeit (Jg. 9): Bild-Textcollage zu "Life ist strange", erstellt mit Keynote
Schülerarbeit (Jg. 9): Bild-Textcollage zu "Life ist strange", erstellt mit Keynote, aus dem Unterricht von Lars Zumbansen

Lars Zumbansen

Fotografie als Verortungs- und Reflexionsmedium im Computerspiel Life is Strange

In-Game-Fotos sind Fotos, die während eines Computerspiels gemacht werden. Sie stellen eine Praxis der kreativen Selbstermächtigung der Spieler dar. Ziel dieser Unterrichtseinheit ist, die Schülerinnen und Schüler in die In-Game-Fotografie als Mittel der bildnerischen Reflexion des eigenen Spielerlebens einzuführen.

In-Game-Fotos sind Ausdruck einer eigenständigen ästhetischen Erkundung der Spielwelten, anstatt den vorgegebenen Regeln und Handlungsanweisungen eines Spiels zu folgen. Dies gleicht dem touristischen Sehen (vgl. Zumbansen 2014), denn die Auswahl der Motive erfolgt selbstgesteuert und wird nicht determiniert durch die Spielprogrammierung, die bestimmte Objekte als wichtig etwa für das Lösen von Spielrätseln ausweist. Das Sehfenster in dem Spiel wird damit zu einer virtuellen Kamera, die der Spieler oder die Spielerin auf diejenigen Motive der künstlich erzeugten Welten richtet, die ihn oder sie interessieren. Für diese Praxis haben sich eigene Web-Communities gebildet, mit weltweit anerkannten In-Game-Fotografen. Diese erstellen virtuelle Fotoalben von ihren unterschiedlichen Spielerlebnissen. Die Fotos selbst können entweder im Spiel durch bestimmte Einstellungsveränderungen oder nachträglich durch entsprechende Fotofilter modifiziert werden.
In der hier ausgebreiteten Unterrichtseinheit, durchgeführt mit einem Kunstkurs einer 9. Jahrgangsstufe, sollen Schülerinnen und Schüler die praktische Anwendung der Screenshot-Fotografie vornehmlich als serielles Erkenntnisinstrumentarium nutzen im Computerspiel Life is Strange. Dabei geht es um eine gestalterische Interpretation des fiktiven Spielcharakters in ihrem Verhältnis zu anderen Figuren und zu ihrer Umwelt.
Das Szenario des Spiels Life is Strange ist narrativ dicht: Es spielt an einer Highschool mit einer Protagonisten an der Schwelle zum Erwachsenwerden, die sich für Fotografie begeistert (s. Kasten 1).
1|Life is Strange
1|Life is Strange
Bei Life is Strange handelt es sich um eine interaktive Coming-of-Age-Geschichte der französischen Entwicklerfirma Dontnod, die 2015 publiziert und Ende 2017 auch für mobile Endgeräte (iOS) portiert wurde.
Max Caulfield, die Protagonistin dieser in fünf Einzelepisoden erzählten Geschichte, ist eine introvertierte Fotografiestudentin an der Blackwell Academy in der fiktiven amerikanischen Küstenstadt Arcadia Bay. Sie wird von Visionen einer bevorstehenden Hurrikane-Katastrophe geplagt und stellt in einer Extremsituation fest, dass sie die Zeit zurückdrehen und damit Entscheidungen sowie Handlungsverläufe modi-fizieren kann.
Das Besondere an diesem Spiel ist die mediale Selbstreferenzialität und kritische Reflexion dieser für Spiele vermeintlich so typischen Funktion der Reversibilität.
Die Fotografie fungiert in diesem Zusammenhang als Medium der Erinnerung, als Portal in je unterschiedliche Vergangenheiten, die jedoch die Protagonistin lange dabei blockieren, ihre Gegenwart mit allen unkalkulierbaren Unwägbarkeiten an-zunehmen und ihre Zukunft selbst zu gestalten.
Die erste Episode des mehrfach prämierten Spiels ist kostenlos für alle Plattformen erhältlich. Insbesondere die mobile Variante qualifiziert sich für den Einsatz im Unterricht, da sie zusätzlich mit einem integrierten Fotomodus ausgestattet ist. Dies ermöglichicht eine erhöhte gestalterische Varianz bei der Erstellung aussagekräftiger In-Game-Fotos.
Dies bietet ein für Schülerinnen und Schüler immersives Setting mit hohem Identifikationspotenzial. Es ermöglicht, spielintern thematisierte Referenzen zur Fotografie-Geschichte im Unterricht aufzugreifen und in ihrer Bedeutung für die Charakterentwicklung zu erörtern.
In-Game-Fotos
Für den Unterrichtseinstieg wurde als Bildimpuls ein „In-Game-Foto des Fotografen Duncan Harris mit dem Titel Untouchable aus dem Ego-Shooter Stalker gewählt. Dieses zeigt gerade kein...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 431 / 432

Jugend Fotografie Heimat

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-10