Angela Raith

(Fast) Fashion for Wo*men

Schülerarbeit (Kl. 9/10): Up-Cycling: Kleidungsstück aus Second-Hand-Herren- und Frauenbekleidung
Schülerarbeit (Kl. 9/10): Up-Cycling: Kleidungsstück aus Second-Hand-Herren- und Frauenbekleidung, aus dem Unterricht von Angela Raith

Angela Raith

Eine Unterrichtseinheit im Bereich Modedesign

Die hier vorgestellte Unterrichtseinheit umfasst die produktive und rezeptive Auseinandersetzung mit Genderfragen. Wie Geschlechterrollen gesellschaftlich erlernt werden, steht dabei im Fokus.

Die zentrale Aufgabenstellung der Einheit gibt die Möglichkeit, Mode als Mittel aufzufassen, mit dem Geschlechtsidentitäten abhängig vom zeitgeschichtlichen Kontext signalisiert werden können. Sie lädt dazu ein, Mode als Experimentierfeld wahrzunehmen. Darüber hinaus sind Überlegungen zu Produktionsbedingungen von Mode Ausgangspunkt für die Aufgabenstellung.
Einführende Werkbetrachtung
Zur Aufgabe hin- und zum Thema eingeführt wird mit einer Werkbetrachtung des Paradebildnisses Ludwig XIV. von Hyacinthe Rigaud (Abb. 1 ). Es ist sehr gewinnbringend, auf die allerersten Reaktionen der Schülerinnen und Schüler einzugehen: Ausrufe oder vor sich hin gebrabbelte Worte wie „schwuler König führen genau zum Thema. Besonders wichtig ist, zu hinterfragen, wie es zu einer solchen Bezeichnung kommt. Ludwig XIV trägt hier neben einem prächtigen Schwert zu Zwecken der Machtdemonstration als absolutistischer Herrscher Kleidung, die wir heute als feminin wahrnehmen: Seidenstrümpfe, Spitze, hohe Absätze, wallende Stoffbahnen, Rüschen, Puffärmel, goldene Stickereien, langes Haar. Ein Auftreten mit femininen Attributen wird heute oft homosexuellen Männern nachgesagt. Hierbei handelt es sich aber um ein stereotypes Denkmuster, das hinterfragt werden muss. Die Unterscheidung von Sex, Gender und sexueller Orientierung sollte an dieser Stelle geklärt werden.
Frauen- und Männermode
Weiter lohnt sich ein Blick auf die Differenzierung von Frauen- und Männermode im Lauf der Geschichte. In der Publikation Mode ein Schnellkurs (Lehnert 2008, S. 15f.) findet sich ein kurzer Artikel hierzu. Leitfragen zum Text können sein:
  • Wann und wie entwickelten sich Frauen- und Männermode auseinander?
  • Ist die „Kluft zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit heute tatsächlich „so tief wie nie zuvor, wie die Autorin schreibt?
Die Jugendlichen werden, die Kleidung betreffend, in ihrem Alltag keine solche tiefe Kluft erleben. Frappierend ist jedoch, wie stark stereotyp geprägt die Kleidung z.B. auf Abschlussbällen ist. Die Lernenden diskutieren eine scheinbare Alternativlosigkeit solcher Kleidungsetikette bei festlichen Anlässen.
Mode als Experimentierfeld
Die eigentliche Designaufgabe lautet, Frauen- bzw. Männerkleidung zu neuen Kleidungsstücken zusammenzufügen.
Materialsuche
In der ersten Stunde der Unterrichtseinheit erhalten die Schülerinnen und Schüler einen vorbereitenden Arbeitsauftrag für ihre Designaufgabe: Sie sollen zwei Second-Hand-Kleidungsstücke mitbringen eines für Männer und eines für Frauen.
Mit einer solchen Sammlung verschiedener Kleidungsstücke lässt sich vorab anschaulich klären, welche für die Aufgabe geeignet bzw. ungeeignet sind, da sie von beiden Geschlechtern getragen werden können. Interessant ist dabei beispielsweise, dass Knopfleisten an Oberbekleidung je nach Geschlecht unterschiedlich sind: Bei Hemden sitzen die Knöpfe rechts (um ungehindert ans Schwert greifen zu können), bei Blusen links (um der Zofe das Zuknöpfen zu überlassen). Auch Abnäher an der Brust oder andere feinere Formunterschiede werden z.T. erst bei einer gemeinsamen Begutachtung wahrgenommen.
Manche brauchen Hinweise, wo sie Kleidung gratis oder kostengünstig finden können: Der eigene Kleiderschrank, der Kleiderschrank der Geschwister, der Eltern oder der Nachbarn, Second-Hand-Läden oder Flohmärkte sind naheliegende Quellen. Die Lernenden sollten ausreichend Zeit haben, fündig zu werden.
Wichtig ist, zu betonen, dass dieser Prozess des Suchens und Findens ein wesentlicher Bestandteil des gestalterischen Prozesses ist, dem sie genügend Aufmerksamkeit schenken müssen, um zu einem guten Ergebnis zu kommen.
Falls das Kleidungsstück den Jugendlichen selbst...

Friedrich+ Kunst

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt ganz einfach mit F+ weiterlesen

  • 30 Tage kostenloser Vollzugriff
  • 5 Downloads gratis enthalten

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Kunst

Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 429 / 430

Sound im Kunstunterricht inkl. IM FOKUS: Gender

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-13