Melanie Appelt

Handgesten aus Gips

Melanie Appelt

Plastiken mit Gussverfahren herstellen

Begrüßungsgesten sind eine wichtige Kulturtechnik in unserem täglichen sozialen Miteinander, sei es der bewusst feste Händedruck nach wichtigen Verhandlungen oder das lässige Zeichen unter Vertrauten (s. WISSEN II). Die folgende Unterrichtseinheit thematisiert den Stellenwert und die individuellen bzw. kulturellen Ausgestaltungen der Begrüßung und macht sie zum Inhalt einer Plastik im Gussverfahren.
WISSEN II: Begrüßungsgesten

WISSEN II: Begrüßungsgesten
Die ursprüngliche Intention von Begrüßungsgesten bestand in der gegenseitigen Demonstration, dass man unbewaffnet war. Es wird angenommen, dass Handgesten die Urform der menschlichen Kommunikation darstellen, deren bildhafter Charakter zunehmend verloren ging. Begrüßungsgesten sind kulturell sehr unterschiedlich geprägt:
  • Klassisches Händeschütteln bereits bei den Griechen und Römern als Zeichen des Vertragsschlusses
  • Küsschen auf die Wange je nach Land bzw. Bekanntheitsgrad in unterschiedlichen Ausprägungen
  • Verbeugungsrituale in asiatischen Ländern
  • Der traditionelle Maori Brauch sieht vor, dass die Grüßenden sich zunächst mit ihrer Stirn und dann mit ihren Nasen berühren; ähnlich ist auch der „Nasenkuss der Inuit.
Als Einstieg in das Thema frage ich die Schülerinnen und Schüler, mit welchen Gesten sie sich im Alltag begrüßen. In den Antworten spielen fast immer die Hände eine Rolle: vom klassischen Händeschütteln über „High five bis zur Peace-Geste.
Das Alltagswissen der Lerngruppe ergänze ich durch einen Kurzfilm über Begrüßungsgesten in anderen Kulturen (https://www.youtube.com/watch?v=hthPoHLirEQ) (s. auch WISSEN II). Besonders eindrücklich finden die Schüler ein weiteres Video, das einen US-amerikanischen Lehrer zeigt, der jedem seiner Schüler morgens mit einer individuellen Begrüßungsperformance begegnet (https://www.youtube.com/watch?v=Sj7Mt35MxoU). Ein humorvoller Abschluss des Einstiegs: Ein Video über misslungenes Händeschütteln von Politikern (https://www.youtube.com/watch?v=gjkqOf6eiYI).
Performative Begrüßung
Nun soll die Lerngruppe selber aktiv werden und individuelle „Begrüßungsmoves erarbeiten und präsentieren (Abb. 2 ).
Arbeitsauftrag 1
  • Erprobt zu zweit verschiedene Begrüßungsgesten.
  • Entwickelt eine individuelle Begrüßungs-Performance, die ihr im Anschluss der Klasse vorstellt.
Der kurzen Phase, in der die Teams im Klassenraum und auf dem Flur ihre Performance proben, folgt die Präsentation der Ergebnisse. Um diese im tatsächlichen Wortsinn zu erhöhen, steigen die Schüler dafür auf den großen Präsentationstisch, der als Bühne dient. (Alternativ dazu kann auch ein Bereich im Raum freigeräumt werden.) Die Teams haben sich unterschiedlich lange und ausgefallene Begrüßungsszenarien überlegt und stellen diese teilweise mit ganzem Körpereinsatz der Klasse vor.
Grüßende Hände
Nun stelle ich der motivierten Lerngruppe die Hauptaufgabe der Unterrichtseinheit vor. TIPP Damit die Schüler eine Vorstellung von den Möglichkeiten des Gussverfahrens mit Alginat (s. WISSEN I) und Gips bekommen, empfiehlt es sich, schon vorab die eigene Hand als Anschauungsobjekt zu gestalten. Die Schüler sind überrascht und fasziniert, wie genau die gesamte Hand und wie detailliert die Haut wiedergegeben werden. Die restliche Zeit dieser ersten Doppelstunde nutzen die Schüler für die Planung ihrer Plastiken.
WISSEN I: Alginat
WISSEN I: Alginat
Alginat wird aus Algen hergestellt und seit Langem im Dentalbereich für die detailgenaue Abformung von Zähnen verwendet. Nach kurzer Verarbeitungsdauer wird aus der zunächst gelartigen Konsistenz eine elastische, aber irreversible Form. Durch den Feuchtigkeitsverlust schrumpft die Form, weswegen die Positivform direkt im Anschluss gegossen werden sollte. Neben der Genauigkeit in der Wiedergabe des Originals ist ein Vorteil des Alginats, dass es leicht vom Gussmaterial trennbar ist, also keine zusätzliche Trennschicht nötig wird. Da das...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst 5-10 Nr. 56 / 2019

Hände

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-9