Lars Zumbansen

Fotografische Suchbewegungen

Schülerarbeit (Jg. 11): Schriftliche Erläuterungen zu Form-Inhaltsbezügen der Fotoserie im Skizzenbuch
Schülerarbeit (Jg. 11): Schriftliche Erläuterungen zu Form-Inhaltsbezügen der Fotoserie im Skizzenbuch, aus dem Unterricht von Lars Zumbansen

Lars Zumbansen

Facettierungen von Heimat in der Perspektive Jugendlicher

In diesem Unterrichtsbeispiel werden individuelle fotografische Zugänge von Jugendlichen zum Globalthema „Heimat entwickelt. Dabei lernen Schülerinnen und Schüler ganz grundlegend, einen künstlerischen Arbeitsprozess von der Themeneingrenzung bis hin zur Ausstellungskonzeption zu planen und umzusetzen.

Das Unterrichtsvorhaben wurde in einem Projektkurs „Gestaltung mit 24 Schülerinnen und Schülern einer 11. Jahrgangsstufe sowie zwei betreuenden Lehrkräften am Gymnasium Harsewinkel durchgeführt.
Die Wahl zu den Projektkursen in der Oberstufe mit ihren je nach Schulprofil spezifischen thematischen Ausrichtungen erfolgt immer ein Schuljahr zuvor und wird flankiert durch Informationsveranstaltungen und entsprechende Beratungsgespräche. Insofern konnte bereits am Beginn der gemeinsamen Kursarbeit von einer hohen intrinsischen Motivation der Schülerinnen und Schüler ausgegangen werden. Angebunden an das Referenzfach Kunst, lief der freiwillig zu belegende Kurs über ein Schuljahr jeweils zweistündig pro Woche und mündete am Ende in eine gestaltungspraktische Projektarbeit mit schriftlicher Dokumenta-tion ein.
Als Hinführung für das eigene Gestaltungsvorhaben, das in der zweiten Kurshälfte realisiert werden sollte, wurden den Lernenden im ersten Schulhalbjahr durch rezeptive Impulse sowie praktische Erkundungsübungen die verschiedenen Potenziale der Fotografie als Erkenntnismedium sowie künstlerisches Ausdrucksmedium in Bezug auf das Thema „Heimat aufgezeigt (Abb. 1 ).
Fotobefragung als Hypothesengenerator
Als erster Orientierungsrahmen diente ein Besuch auf der Photokina: Hier konnten sich die Jugendlichen über technische Neuerungen, Varianten und Präsentationskontexte von Fotografie ganz allgemein informieren.
Nach dieser offenen Erkundungsphase erfolgte eine unterrichtliche Erstbegegnung mit dem Thema Heimat. Assoziative Mind-Maps, von allen Schülerinnen und Schülern im Vorfeld angefertigt, bildeten eine Grundlage für kritische Reflexionen von z.B. einseitig topografischen Definitionsversuchen. Intendiert war mit diesem Einstieg, keine vordergründige Klärung des Begriffs herbeizuführen, sondern offene, erkenntnisleitende Fragen und Reibeflächen zu generieren, die eine weiterführende bildnerische Auseinandersetzung mit dem Thema provozieren z.B.:
  • Inwiefern ist Heimat fremd- oder selbstbestimmt?
  • Kann es mehrere oder auch keine Heimaten geben?
  • Verbindet man eher Lebewesen oder Objekte mit Heimat?
  • Muss Heimat immer raumgebunden sein?
Die Jugendlichen konstatierten in diesem Zusammenhang, dass vermutlich das Lebensalter eine wesentliche Variable bei der Ausrichtung der Antworten darstelle.
Ausgestattet mit diesen Problemfragen, sollten die Schüler nun ganz dezidiert Fotografien als Erkenntnisinstrumentarien nutzen, um eine vermeintlich generationale Unterscheidung von heimatlichen Bindungsdimensionen weiter zu erforschen.
Nach einer kurzen Einführung in die Methode der Fotobefragung im Kontext der empirischen Sozialforschung (s. Einführungsbeitrag) durch die Lehrpersonen wurden im Kurs gemeinsam Fragen und Fotoaufträge formuliert. Dabei wurde deutlich, dass eine Konturierung heimatlicher Verbundenheit als Gefühlsausdruck deutlicher möglich wäre, wenn zugleich auch dessen Gegenteil das Unheimische bzw. Unheimliche abgefragt würde.
Bildarchive: Smartphones und Fotalben
Weiterhin sollten nicht nur unmittelbar zugängliche Bildmotive, sondern auch absente, historische erfasst werden, da sich Heimatgefühle ja ganz dominant auch aus Erinnerungen speisen. Als mobiles und schnell zugängliches Bildarchiv bei der Akquise der Motive konnte dabei zum einen der Fotospeicher der Smartphones fungieren, zum anderen aber auch Aufnahmen aus verfügbaren Familienfotoalben. Binnen einer Woche galt es, die entsprechenden Fotos von sich und seinen Eltern zusammenzutragen und im Format DIN A5 ausgedruckt zur Folgestunde...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 431 / 432

Jugend Fotografie Heimat

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13