Valérie von Rüden

Verschleiern – verhüllen – verbergen

Schülerarbeit (Kl. 10): Die Enthüllung des Verborgenen - Darstellung eines teilweise verhüllten Fahrrads
Schülerarbeit (Kl. 10): Die Enthüllung des Verborgenen, aus dem Unterricht von Valérie von Rüden

Valérie von Rüden

Die Signatur des Verborgenen in bildnerischen Prozessen sichtbar machen

Das Verhüllen hat mit ganz unterschiedlichen Begründungen in vielen Kulturen eine lange Tradition. Historische Bilder der Kunst führen in der genauen Betrachtung zu einem sensibilisierten Blick, der heutige Verhüllungen differenzierter zu erkennen vermag.

Verhüllungen führen zur Frage der Materialität: Wie wird die Stofflichkeit der Verhüllung in der Kunst abgebildet? Das Thema der Verhüllung und dessen künstlerische Darstellungsmöglichkeiten fordern zum vergleichenden Sehen auf und spüren den Unterschieden nach.
Mit den Impressionen aus einer Exkursion von Schülerinnen und Schülern der 10. Jahrgangsstufe und mit dem Bildmaterial der Kunstausstellung Hinter dem Vorhang Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance von Tizian bis Christo (2016/17, Museum Kunstpalast Düsseldorf ) wurde das didaktische Tableau zum Verbergen als besonderer Repräsentation mit reichem Material ausgestattet (s.a. Blümle/Wismer 2016).
Schon mit dem Titel der Ausstellung waren die Schüler zu gewinnen. Was passiert hinter dem Vorhang? Die menschliche Neugier will wissen, was genau verschleiert, verhüllt oder verborgen wird.
Verhüllen als künstlerische Strategie
Künstler verschiedener Epochen setzten das Verhüllen von Gegenständen oder Personen bewusst als Strategie ein, mit der Faszination und Irritation erzeugt und der Betrachter in seinem Bildverstehen provoziert wird. Gerade mit dem Motiv des Vorhangs kann eine Spannung im Bild sowohl auf inhaltlicher als auch kompositorischer Ebene aufgebaut werden.
Wie kann nun dieser bedeutsame Aspekt der Intention des Künstlers und der Wirkung auf den Betrachter im Unterricht Anklang finden?
Ein Vergleich von Bildern aus der Kunst und alltäglichen Verhüllungen soll einen formalästhetischen roten Faden herausarbeiten.
Provozierende Irritation
Mit dem Bild Venus rising from the Sea A Deception von Raphaelle Peale (Abb. 1) wurde die Nachbetrachtung zur Exkursion eröffnet. Das Werk irritiert und löst neue Denkprozesse aus. Es wird als kunsthistorischer Anker verwendet, um die Dimension der Künstlerintention und die der Wirkung auf den Betrachter näher zu untersuchen.
Zunächst werden Fragen an das Bild gestellt, um eine perzeptorientierte Annäherung an das Werk zu ermöglichen: „Ist die Frau hinter dem Tuch nackt? oder „Was macht sie mit ihren Haaren? oder „Ist sie allein?.
Schaut man sich die Fragen genauer an, so fällt auf, dass sie eher einen erotisierenden Aspekt mit einschließen und die menschliche Neugier mithilfe des Tuches angesprochen wird.
In der Bildbetrachtung lag der Schwerpunkt auf der ästhetischen Qualität der Malerei in der stofflichen Materialität. Hier galt es, für die eigentliche plastische Gestalt zu sensibilisieren.
Das präzise Schauen führte über den malerischen Naturalismus im Bild zum Trompe lœil (Augentäuschung) ein Begriff, den die Schülerinnen und Schüler in der Regel nicht kennen und den es zu klären gilt (s. Kasten).
Trompe lœil: Zeuxis und Parrhasios
Trompe lœil: Zeuxis und Parrhasios
„Der römische Autor Plinius berichtet vom Wettstreit der Maler Zeuxis und Parrhasios. Zunächst führt Zeuxis seine Meisterschaft vor. Sein gemaltes Bild stellt Trauben auf solch täuschende Weise dar, dass Vögel voller Gier sich auf sie stürzen suchen.
Welch ein Erfolg! Nun führt Parrhasios den siegessicheren Zeuxis vor ein Bild, das noch mit einem Vorhang bedeckt ist. In der Gewissheit, ein unübertreffliches Werk geschaffen zu haben, will Zeuxis den Vorhang beiseiteschieben, muss dabei aber bemerken, dass er nun seinerseits Opfer einer Täuschung geworden ist: Der Vorhang ist das Bild, das Parrhasios gemalt hat. []
Die Kunstgeschichte kennt eine ganze Reihe von Selbstporträts, die deutlich auf den Wettstreit von Zeuxis und Parrhasios Bezug nehmen.
Plinius, Nat. Hist. XXXV, 64
Mit einem Tuch spielt Peale auf den Parrhasios-Schleier an ...

Friedrich+ Kunst

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 417 / 418

Kunst. Geschichte begegnen

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-13