Birte Abel-Danlowski

Vergängliche Blumen – im Museum und in der Natur

Schülerarbeit (Kl. 9): Kombination verschiedener Blumenzeichnungen, kolorierte Ölpause
Schülerarbeit (Kl. 9): Kombination verschiedener Blumenzeichnungen, kolorierte Ölpause, aus dem Unterricht von Birte Abel-Danlowski

Birte Abel-Danlowski

Ein Kunstprojekt für die Sekundarstufe I mit Museumsbesuch

In dieser Vermittlungssequenz setzen sich Schülerinnen und Schüler gestalterisch und kunsthistorisch mit der Darstellung von Blumen auseinander. Durch eine Zeichenaufgabe vor der Natur werden sie auf den Museumsbesuch und die intensive Betrachtung eines niederländischen Blumenstilllebens aus dem 17. Jahrhunderts vorbereitet. Ihre Erfahrungen können sie in einer grafischen Nachbereitung einer Ölpause wiederum praktisch verarbeiten.

Blumenstilleben aus dem „Goldenen Zeitalter der niederländischen Malerei finden sich in vielen Museen mit Sammlungen alter Kunst. Die hier gezeigte Vorgehensweise ist auch auf andere Werke übertragbar. Zur Einstimmung des Museumsbesuchs werden die Schülerinnen und Schüler mit Blumen in der Natur konfrontiert.
Blumen nach der Natur zeichnen
Die Lernenden zeichnen Blumen, wie sie sie sehen. Dieses vorbereitende Zeichnen mit Bleistiften nimmt eine bis zwei Doppelstunden in Anspruch.
Sachzeichnen fällt Schülerinnen und Schülern in dieser Altersstufe zunächst schwer (Abb. 1 ). Gleichzeitig kommt es ihrem Bedürfnis entgegen, richtig zeichnen zu können. Genaues Hinsehen und Zeichnen muss geduldig geübt werden, indem immer wieder angeleitet, gezeigt, korrigiert und vorgezeichnet wird (Abb. 2a u. b ).
Anschauungszeichnen und Vorstellungszeichnen
In der Grundschule findet ein Pendeln zwischen Anschauungszeichnen und Vorstellungszeichnen statt. Schülerinnen und Schüler korrigieren eigene Vorstellungsbilder, indem sie lernen, differenziert zu sehen und abzubilden. Diese Fähigkeiten werden in der SekundarstufeI erweitert im Hinblick auf Proportionen und räumliche Erfassung. Im Falle längerfristiger Einübung stehen diese Kenntnisse in der SekundarstufeII dann selbstverständlich zur Verfügung und ermöglichen freie Entwurfsprozesse (Sowa/Krautz 2011).
Sensibisisierung für das Motiv
Steht genug Zeit zur Verfügung, können die Pflanzen in welkem Zustand eine Woche später erneut gezeichnet werden (Abb. 3 ). Der Anblick der verwelkten Pflanzenteile bietet einen neuen Reiz, den Blick auch einmal auf scheinbar Hässliches zu richten. Welke Pflanzen entsprechen weniger der Vorstellung der Lernenden und führen zu genauerer Betrachtung. So gelingt das Zeichnen auf einmal viel leichter als zuvor bei den frischen Pflanzen und die Schülerinnen und Schüler werden angeregt, eigene Lösungen zu finden (Abb. 4au.b ).
Kulturhistorische und kunst-historische Informationen
Durch die Gestaltungsaufgabe sind die Schülerinnen und Schüler aufnahmebereit für kulturhistorische und kunsthistorische Informationen. Die direkte Begegnung mit dem Exponat dem Werk von Rachel Ruysch (Abb. 6) im Museum erhöht ihre Neugier und Bereitschaft, sich genauer zu informieren.
Dazu wird Hintergrundwissen, welches das Blumenstillleben von Rachel Ruysch in einen größeren Kontext einbettet, angeboten (s. Kasten 1) zu folgenden Aspekten:
  • dem Kunstmarkt in Holland im 17. Jahrhundert,
  • der Entwicklung des Blumenstilllebens,
  • der Symbolik im Kontext der barocken Vanitas-Vorstellungen.
1 Niederländische Blumendarstellung im 17. Jahrhundert
1 Niederländische Blumendarstellung im 17. Jahrhundert
Viele deutsche Museen mit Sammlungen alter Kunst weisen einen Bestand an Bildern aus dem „Goldenen Zeitalter der niederländischen Malerei auf.
Bilder als Massenprodukt und Wertobjekt
Diese Werke entstammen einer handwerklichen Massenproduktion von schätzungsweise 10 Millionen Bildern, von denen weniger als 1% erhalten ist (Kaiser/North/Baumstark 2017).
In Folge eines starken wirtschaftlichen Aufschwungs konnten sich die Bürger Luxus leisten dazu gehörten auch Gemälde.
In Antwerpen gab es Mitte des 16. Jahrhunderts doppelt so viele Maler wie Bäcker und dreimal so viele wie Metzger. Kunst wurde zum Wertobjekt, in das ohne Risiko investiert werden konnte.
Da die Maler ihre Motive häufig wiederholten,...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 447 / 448

Warum ins Museum? inkl. IM FOKUS: Herausforderung Hybridunterricht

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-8