Frank Schulz

Die Barbara-Legende im szenischen Verlauf

Frank Schulz

Dieser MATERIAL-Teil zeigt an ausgewählten Beispielen die bildnerische Gestaltung der einzelnen Stationen des Leidenswegs der Heiligen Barbara.

Die Künstler stellen allesamt einen entscheidenden Moment des jeweiligen Legenden-Abschnitts in den Mittelpunkt. Aufgrund ihrer Darstellungs- und Gestaltungsweise gelingt es ihnen, auch das Davor und das Danach mit anzudeuten oder klar herauszustellen.
Zugleich wird sichtbar, dass die Gestaltungsweise stark vom Stil der Zeit und von der individuellen Handschrift des Künstlers geprägt ist. In vielen Fällen zeigt sich, wie die Künstler gewisse Interpretationsspielräume für ihre Sicht auf die Legende von der Heiligen Barbara nutzen.
M-1: Barbara im Turm
An der um 1438 entstandenen Darstellung von Robert Campin ist bemerkenswert, wie die Heilige Barbara in einer Art „Goldener Käfig gezeigt wird und wie dieser Raum dem bürgerlichen Milieu entspricht. Den Künstler hat auch interessiert, wie er die Möglichkeiten der Malerei ausreizen kann, um den dreidimensionalen Raum auf der zweidimensionalen Fläche überzeugend wiederzugeben. Er setzt damit Maßstäbe in seiner Zeit.
M-2: Barbaras Übertritt zum Christentum
Der Meister des Friedrich-Altars stellt um 1447 dar, dass die Heilige Barbara als Gefangene im Turm Besuch erhält. Von diesem ging wohl der letzte Anstoß für den Übertritt zum Christentum aus. Aber wer ist der Besucher? Gemäß dem irgendwann zugewiesenen Titel des Gemäldes handelt es sich um einen Engel. Aber um welchen? Das bleibt unklar.
M-3: Barbara verlässt den Turm
Pintoriccio zeigt auf seinem Fresko aus dem 16. Jhd. die Heilige Barbara, wie sie ihren Turm verlässt, um sich dem Zugriff des Vaters zu entziehen. Die Verfolger sind ihr auf den Fersen. Aber was ist der tiefere Beweggrund für ihre Flucht, die ja nicht dazu passen will, dass die Heilige Barbara zu ihren Überzeugungen steht? Die Antwort ist der Legende selbst zu entnehmen, die übrigens immer als Ganzes zu den verschiedenen bildnerischen „Momentaufnahmen hinzugedacht werden muss: Barbara hat keine Angst vor ihrem Vater, sondern sie flieht, damit er nicht zum Tochtermörder wird.
M-4: Barbara auf der Flucht
Die vermutlich von Conrad Weiß um 1520/1530 geschaffene Tafel ist ein besonderes Beispiel dafür, wie sich verschiedene Zeitebenen in einem einzigen Bildraum ohne Brüche vereinen lassen.
Im Vordergrund sind die Verfolger der Heiligen Barbara im Gespräch mit den Hirten zu sehen, von denen einer die Richtung zu Barbaras Versteck weist. Zugleich wird sie selbst gezeigt, wie sie zuvor durch die Öffnung eines Felsens Schutz in einer Höhle finden kann. Und ganz im Hintergrund taucht sie in einer weiteren Zeitebene wieder auf, als sie sich taufen lässt.
M-5: Der Verrat an Barbara
Meister Francke macht um 1410/1415 mit der Darstellung des „Heuschrecken-Wunders einen komplexen Vorgang sichtbar: den Verrat eines Hirten an Barbara und seiner umgehend erfolgenden Bestrafung durch Gott. Seine Schafe werden in Heuschrecken verwandelt.
Als bildnerische Mittel setzt der Künstler die Gesten der Figuren ein. Er macht durch die Größenverhältnisse der Figuren auch deutlich, dass der Verrat an Barbara aus Angst vor der Übermacht der Verfolger erfolgt.
M-6: Barbaras Folterung
Im Mittelpunkt steht ein Detail aus dem 1510 entstandenen Babara-Altar von Jerg Ratgeb, das die furchtbare Brustmarter der Heiligen Barbara zeigt. Diese weist inhaltliche Beziehungen zur Zufügung der Seitenwunde Christi bei dessen Kreuzigung auf.
Das Leben des Künstlers und die unterschiedlichen Sichten darauf bieten interessante Möglichkeiten, den Kontext seines Schaffens und seines expressiven Stils zu klären. Er wurde vor allem in der DDR als Bauernführer verklärt und politisch vereinnahmt, muss aber im Zwiespalt zwischen Tradition und Aufbruch gesehen werden.
M-7: Barbaras Hinrichtung
In der Gegenüberstellung der Gemälde von Johann Wilhelm Holzmair und eines unbekannten Meister aus...

Friedrich+ Kunst

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt ganz einfach mit F+ weiterlesen

  • 30 Tage kostenloser Vollzugriff
  • 5 Downloads gratis enthalten

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Kunst

Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 445 / 446

Legenden inkl. Werkstattheft

Friedrich+ Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-13