Hanni Geiger

Transkulturelle Kunstdiskurse

Hanni Geiger

„Global Art: neue Inhalte für den Kunstunterricht?

Kann eine globale Kunstpraxis ästhetisch gefasst werden? Welchen Bedingungen unterliegt eine weltweit erfolgreiche „Global Art? Welche Institutionen widmen sich postkolonialen Kunstausstellungen und wie werden diese konzipiert, kontextualisiert und beworben? Welche Inhalte ergeben sich daraus für den schulischen Unterricht und wie kann transkulturelle oder als „fremdartig wahrgenommene Kunst vermittelt und gelehrt werden? Diesen Fragen widmet sich der nachfolgende Beitrag.

Die große Zahl der seit 2015 aus Afrika, Syrien und Afghanistan Geflüchteten hat zu einem wachsenden Interesse der Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Kunst an Themen rund um Migration, Flucht, Exil und postkolonialen Gesellschaftsstrukturen geführt.
Die bildende Kunst verhandelt seit jeher kulturelle Austauschprozesse infolge von freiwilligen und erzwungenen Migrationen, Kriegen und politischen Auseinandersetzungen. Doch die globale postmoderne Gesellschaft prägt das Schaffen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler in besonderer Weise mit digitalen Vernetzungen, weltweiter Reisetätigkeit, dem zunehmenden Austausch von Waren, Menschen und Ideen und damit eng im Zusammenhang stehenden, kapitalistisch fortgeführten kolonialen Machtverhältnisse und Rassismen.
Postkoloniale Perspektive
Obgleich Deutschland sich nicht vordergründig mit postkolonialer Geschichte identifiziert, sollte man den offenen Begriff „postkolonial wie María do Mar Castro Varela und Nikita Dhawan vorschlagen nicht allein für die Umschreibung der jeweiligen Kolonialgeschichten (inklusive Deutschlands) und die kolonialisierten Regionen verwenden (Castro Varela/Dhawan 2009, S. 9; Goel 2015, S. 10).
Vielmehr soll die postkoloniale Perspektive globale und hierarchisch ungleiche Verflechtungen und Verhältnisse sichtbar machen (Eckert/Randeria 2009, S. 9ff., zit. nach Goel 2015, S. 16) und die Folgen jener repressiven Machtausübung für internationalen Handel und Beziehungen, für Migration, die Generierung von Wissen und Repräsentationen begreifbar machen (Goel 2015, S. 10).
Transkulturelle Gesellschaft und künstlerische Praxis
In zwei für angehende Kunstpädagoginnen und Kunstpädagogen konzipierten Seminaren gingen Ernst Wagner (Akademie der Bildenden Künste München) und ich der Verbindung zwischen einer transkulturellen Gesellschaft und künstlerischer Praxis, ihrer Theorie und Vermittlung an Museen und Schulen nach. Unabdingbar erschien uns dabei die Prüfung eingeübten, tradierten Wissens und dessen Vermittlung in verschiedenen Institutionen der Kunstproduktion, -präsentation und -vermittlung.
Der Fokus der Seminare lag auf der postkolonialen bzw. der Global Art Theory (s. Kasten), die den Startpunkt und Rahmen für eine angemessene Auseinandersetzung mit globaler Kunstproduktion und ihrer Vermittlung bietet.
Global Art Theory
Global Art Theory
Die „Global Art Theory bzw. die postkoloniale Theorie benennt Kulturkonzepte und Begriffe einer stets enger zusammenwachsenden Welt. Sie macht komplexe, längst in die Kunst- und Ausstellungspraxis eingeschriebene Phänomene begreifbar, kontextualisiert diese und hilft, sie entsprechend weiterzugeben. Ein zentraler Aspekt der postkolonialen Theorie ist die Auseinandersetzung mit Ausstellungen und Biennalen seit dem sogenannten „global turn.
Ausstellungsanalyse
Aufgabe der Studierenden war es, u.a. einige hauptsächlich im Westen konzipierte historische und gegenwärtige Ausstellungen im Hinblick auf ihre Auswahl-, Inszenierungs-, Vermarktungs- und Vermittlungsstrategien zu analysieren.
Gespräche mit Agentinnen und Agenten postkolonialer bzw. postmigrantischer ästhetischer Produktion sollten den Blick für den Umgang mit dem „Anderen in künstlerischer Theorie und Praxis schärfen. Damit gemeint ist insbesondere der westlich determinierte Umgang mit Ästhetiken, Kontexten, Kunstformen, dem Kunstbegriff, der...
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aus: Kunst und Unterricht Nr. 445 / 446

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