Wann und wie ist die Welt entstanden?
Fragen über Fragen

Kinder fragen nach Gott und der Welt – wie sollten Lehrkräfte damit umgehen? Beate Peters, Herausgeberin von GRUNDSCHULE RELIGION und Dozentin am Religionspädagogischen Institut Loccum, bezieht Stellung.

Welche Fragen stellen Kinder und wie können Kinder damit umgehen?

Kinder haben viele Fragen – wenn man ihnen den Raum dazu gibt. Dabei sind die Fragen so vielfältig wie die Kinder selbst. Manche sind konkret und beziehen sich auf vermeintlich Historisches, z.B. „Wie alt war Abraham?“ oder „Hat Jesus wirklich gelebt?“. Als Unterrichtende sind wir herausgefordert zu entscheiden, ob Fragen theologisch bedeutsam sind und lohnenswert aufgegriffen werden oder auch schnell beantwortet werden können.

Mit zunehmendem Alter wächst bei vielen Kindern das Interesse an geschichtlichen Zusammenhängen. Fragen wie: „Wann und wie ist die Welt entstanden?“ werden häufig gestellt. Wir können Kinder darin unterstützen zu verstehen, dass der theologische Deutungsrahmen ein anderer ist als ein naturwissenschaftlicher.

Bei biblischen Geschichten stellen Kinder immer wieder die Frage: „Gibt es Gott eigentlich?“ Häufig wir sie ergänzt durch die Frage: „Glauben Sie eigentlich an Gott?“ Zwei Chancen eröffnen sich dadurch: Als Religionslehrkraft darf ich Position beziehen, um zur Auseinandersetzung einzuladen. Und die Frage nach Gott kann genutzt werden, um deutlich zu machen: Um eine Antwort zu finden, muss man sich selbst gedanklich auf den Weg machen.

 

Wie kann ein guter Religionsunterricht die Kinder auf der Suche nach Antworten unterstützen?

Ob Kinder Fragen stellen, hängt auch davon ab, wie viel Offenheit und Ehrlichkeit wir als Unterrichtende ihnen ermöglichen. Wenn es uns gelingt, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen und Kinder zu ermutigen, authentisch Gedanken und Fragen zu äußern, ist eine gute Grundlage geschaffen. Dann spüren die Kinder: „Hier kann ich echt sein und sagen, was mich beschäftigt.“

 

Wie führt man offene Gespräche?

Am Anfang steht ein motivierender Gesprächsanlass. Manchmal können Kinderfragen aufgegriffen werden. Sonst bedarf es einer Hinführung, durch die eine Frage aufgeworfen wird, z.B. durch ein gutes Bilderbuch wie „Die große Frage“ von Wolf Erlbruch.

Offene Gespräche brauchen offene Fragen und eine klare, aber zurückhaltende Leitung. Es gibt Gesprächsregeln und einen deutlich markierten Rahmen. Gemeinsam versuchen wir, den Fragen auf den Grund zu gehen, ohne dass bestimmte Antworten erwartet werden. Als Unterrichtende strukturieren wir bei Bedarf und geben Impulse, wir lenken aber nicht stark inhaltlich.

Am Ende kann eine Blitzlichtrunde Gedanken der Kinder sichtbar machen, ohne dass wir als Unterrichtende zusammenfassen, was uns selbst wichtig erscheint.