Dirk Belda

Wie wird Adolf Hitler im Schulbuch dargestellt?

Abb.1: Eine für die NS-Propaganda typische Darstellung Adolf Hitlers, hier auf einer Briefmarke aus dem Jahr 1939
Abb.1: Eine für die NS-Propaganda typische Darstellung Adolf Hitlers, hier auf einer Briefmarke aus dem Jahr 1939 , Abb.1: © Alex Churilov/Shutterstock.com

Dirk Belda

Die kooperative Erschließung mithilfe eines Analysebogens

Viele der Hauptkriegsverbrecher des Nationalsozialismus sind den Schülerinnen und Schülern heute nicht mehr bekannt. Auffällig wird dies z.B. bei dem schwierigen Übergang zu der Thematik „Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher der Jahre 1945 – 49 und den darin angeklagten Führungspersonen, da die Lernenden oft nur unzureichend mit den Beschuldigten vertraut sind. Im Gegensatz dazu kennen Adolf Hitler alle. Warum ist das so?
Geschichtskultur und Digitalisierung
Eine Erklärung bezieht sich auf die Geschichtskultur und die Digitalisierung, bei denen die Lernenden mit einer Vielzahl von Bildquellen des Diktators konfrontiert werden, ohne dass eine angemessene Kommentierung erfolgt. So erscheinen nach der Eingabe des Begriffes „Nationalsozialismus bei gängigen Suchmaschinen in der Rubrik „Bilder besonders häufig Abbildungen Adolf Hitlers.
Quellenlage
Die zweite Erklärung betrifft die Quellenlage. Bei den vielen, oft wirkmächtigen Bildquellen von Hitler handelt es sich praktisch ausschließlich um Produkte der NS-Propaganda, denn wie der Film wurde die Fotografie gezielt als Werkzeug politischer Herrschaft eingesetzt. Schon am 1.1.1934 trat zudem das Schriftleitergesetz zur Gleichschaltung der Presse in Kraft, mit dem die Arbeiten der Fotografen zensiert wurden. Seitdem durften nur Bilder und Artikel veröffentlicht werden, die das NS-Regime positiv darstellten. Bereits früher, verstärkt seit dem Beginn der 1930er-Jahre, erfolgte eine zunehmende Visualisierung der Parteipresse mithilfe propagandistischer Bildberichterstattung. Vorzugsweise mit doppelseitigen Panoramabildern erfolgte eine Popularisierung des Führermythos, die auf eine Erhöhung der Identifikation der Bevölkerung mit Hitler abzielte. Eine zentrale Aufgabe der NS-Propaganda stellte die Stilisierung Hitlers als einer über alle Zweifel erhabenen, unnahbaren Führerfigur dar. Gleichzeitig wurde seitens des Propagandaministeriums versucht, diese Glorifizierung mit einer inszenierten Volksnähe zu konterkarieren. Entsprechend dieser Intention wurde der „Führer in vielfältigen Rollen und Situationen, bspw. als Kinderliebhaber, Hundefreund oder technikbegeisterter Autofahrer, dargestellt.
Schematische Darstellungen
Neben den Bildquellen können auch schematische Darstellungen, wie der „Aufbau des Führerstaates, als Quellen das Wesen der Diktatur und das Führerprinzip veranschaulichen. Diesbezüglich wurde auch darauf hingewiesen, dass sie Hitlers Rolle propagandistisch idealisieren, indem sie den NS-Staat zeigen „[], wie er gesehen werden wollte. (Bergmann 2016, S. 250). Es handelt sich dabei um eine „ [] rein personalisierende Deutung (Bergmann 2016, S. 250). Um diesem Eindruck entgegenzuwirken, wäre es seitens der Lehrkräfte wichtig, wenigstens ansatzweise auch die vielfältigen Mitwirkungen, eigenen Ideen, Handlungsoptionen und Entscheidungen von NS-Führungspersonen aufzuzeigen ohne die Rolle Hitlers in irgendeiner Form zu relativieren.
Auswirkungen auf Schulbücher
Inwiefern haben die genannten Probleme Auswirkungen auf Schulbücher?
In vielen Lehrwerken erscheint Hitler quasi omnipräsent und ist der mit Abstand am häufigsten genannte Name. Selbst in Kapiteln wie „Alltag in der NS-Zeit finden sich immer wieder Bezüge auf ihn. So ist vom „deutschen Gruß mit ausgestrecktem rechtem Arm und den Worten „Heil Hitler die Rede oder der SS als einer Organisation, die zunächst zum persönlichen Schutz Hitlers eingerichtet wurde (Geschichte entdecken 4, (Hessen) 2015, S. 76). Für die übrigen Kapitel gilt: „Meist fehlen tiefergehende Informationen zu den Verantwortlichen auf den mittleren Führungsebenen und ihren (oft weitreichenden) Entscheidungs- und Handlungsbefugnissen [] (Strangmann 2014, S. 128). Die Analyse der hessischen Ausgaben führender Schulbuchverlage (C.C. Buchner, Cornelsen und Klett) zeigte auf, dass die Verantwortlichen...
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Fakten zum Artikel
aus: Geschichte lernen Nr. 198 / 2020

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Kennzeichnung Geschichte lernen Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 8-10