Sönke Jaek/ Andreas Baack

“We have a constitution … we don’t have a king“

Abb. 3: Flowchart als Scaffolding zur konzentrierten Strukturierung der zentralen Argumente. Durch die Ergänzung des Reiters „Historical Background“ wird den Schülerinnen und Schülern zum einen ein Mittel an die Hand gegeben, um Pelosis Rede zu analysieren, zum anderen ermöglicht das Flowchart den Vergleich mit der eigenen Rede aus der Hausaufgabe.
Abb. 3: Flowchart als Scaffolding zur konzentrierten Strukturierung der zentralen Argumente. Durch die Ergänzung des Reiters „Historical Background“ wird den Schülerinnen und Schülern zum einen ein Mittel an die Hand gegeben, um Pelosis Rede zu analysieren, zum anderen ermöglicht das Flowchart den Vergleich mit der eigenen Rede aus der Hausaufgabe.

Sönke Jaek/ Andreas Baack

Die US-Geschichte und das Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump 2019/20

Während der sich verschärfenden Coronakrise formulierte US-Präsident Donald Trump am 14. April 2020 folgende Selbstwahrnehmung: When somebody is the president of the United States, the authority is total. Dieser Position widersprach Andrew Cuomo, der demokratische Gouverneur von New York, entschieden: We have a constitution we dont have a king the president doesnt have total authority. Trumps Amtszeit hatte bereits zuvor mit dem gegen ihn angestrengten Amtsenthebungsverfahren einen unrühmlichen Höhepunkt erlebt. Dieses Verfahren, das hier exemplarisch anhand der Rede des „Speakers of the House vom 5. Dezember 2019 thematisiert wird, ist curricular in den Kontext der „American Revolution bzw. der Geschichte der USA einzubetten.
Sachanalyse
Am 5. Februar 2020 war das von der demokratischen Mehrheitsfraktion des Repräsentantenhauses, der zweiten Kammer des US Congress, angestrengte Amtsenthebungsverfahren gegen Trump an der republikanischen Senatsmehrheit gescheitert: Sie sprach ihn frei von den Vorwürfen des Amtsmissbrauchs für eigene Vorteile, der Behinderung des Kongresses sowie der Gefährdung vitaler Interessen der USA. So konnte er das dritte Amtsenthebungsverfahren, das je gegen einen US-Präsidenten angestrengt worden war, politisch überstehen. Auslöser für dieses Verfahren war die aus dem Weißen Haus durchgesickerte Information, dass Trump bewusst Militär- und Finanzhilfen für die Ukraine zurückgehalten habe. Er habe so die ukrainische Regierung zu Ermittlungen gegen den mit wirtschaftlich fragwürdigen Aktivitäten in Verbindung gebrachten Sohn des ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden zwingen wollen. Dieses Vorgehen hätte Trump einen Vorteil gegenüber seinem schon damals wahrscheinlichsten Gegenkandidaten aus der Demokratischen Partei verschafft.
Didaktische Überlegungen
Die Auseinandersetzung mit diesem an sich schon historischen Vorgang der Amtsenthebung bietet sich an, da Nancy Pelosi, „Speaker of the House, d.h. die Mehrheitsführerin des demokratisch dominierten Repräsentantenhauses, am 5. Dezember 2019 auf der Grundlage der amerikanischen Verfassungsgeschichte argumentiert. Sie setzt diese in Beziehung zu den schweren Vorwürfen, die sie gegen Trump erhebt. Diese Bezüge setzt sie pointiert in Szene und eröffnet damit einen ganz neuen Zugriff auf diesen politischen Streit: Sie funktionalisiert die Verfassungsgeschichte der USA. Während die Rede der deutschen Leserin bzw. dem deutschen Leser als Geschichtsvorlesung anmuten mag, da die Genese des Grundgesetzes eher eine geringe Rolle im bundesdeutschen Geschichtsbewusstsein einnimmt, stellt Pelosi für die US-amerikanische Öffentlichkeit klare Anknüpfungspunkte her. Ihre Argumente finden hier im kollektiven Bewusstsein Widerhall: Diese Thematik ist jedem Schulkind in den USA bekannt, da die Staatsgründung der USA fester Bestandteil des US-amerikanischen Geschichtsunterrichts ist.
Es ist wichtig, die ganze Rede zu behandeln, um im bilingualen Fachunterricht die von Pelosi vorgenommene Aktivierung der amerikanischen Gründungsgeschichte als kulturellen Bezug erfahrbar zu machen. So wird das Zusammenspiel der Argumente bzw. der rhetorische Aufbau nicht zerstört. Hier sitzt jedes einzelne Wort und hat jeder historische Bezug seine Funk-tion. Im Sinne des bilingualen Fachunterrichts soll auch nicht einfach eine fremdsprachliche Quelle für einen letztlich dann einsprachigen Geschichtsunterricht aufbereitet werden, sondern verschiedene Unterstützungsmaßnahmen flankieren die Textarbeit: Inhaltlich wird durch die Materialien M1a und M1b eine Vorentlastung zur historischen Orientierung gewährleistet; zudem ermöglicht die zweifache Vorlage der Rede als Fernsehaufzeichnung und als Transkript zum einen die Erfahrung der originalen Präsentation der Rede, zum anderen ein vertieftes Arbeiten mit den einzelnen Argumenten. Die doppelte...
Geschichte lernen
Sie sind bereits Abonnent?

Mein Konto

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

Geschichte lernen abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: Geschichte lernen Nr. 197 / 2020

Bilingualer Geschichtsunterricht

Kennzeichnung Geschichte lernen Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-10