Gregor Horstkemper

Spuren des deutschen Kolonialismus in alten und neuen Medien

Gregor Horstkemper

Im Vergleich mit europäischen Nachbarn wie England, Frankreich oder den Niederlanden ist die Kolonialgeschichte des deutschen Kaiserreichs zwischen den 1880er Jahren und dem Endes des Ersten Weltkriegs lange Zeit eher wenig beachtet worden. Die seit den 1990er Jahren beobachtbaren Forschungsrichtungen der neuen Kolonialgeschichte und der Postcolonial Studies begannen im Unterschied zu früheren Ansätzen mit der Untersuchung der Interdependenzen zwischen den Kolonialmächten des Westens und den kolonisierten Gebieten. Sie wandten sich auch Themen der Langzeitwirkungen und der Aufarbeitung kolonialer Geschichte nach dem Ende formaler kolonialer Strukturen zu. In diesem Zusammenhang hat sich auch in Deutschland ein verstärktes Interesse an der eigenen kolonialen Geschichte und den Wechselwirkungen zwischen den beteiligten Kulturen und Gesellschaften entwickelt. Die öffentliche Debatte um die Gewaltverbrechen gegen Herero und Nama in den Jahren 1904 bis 1908, die erst seit 2015 auch von der Bundesregierung als Völkermord eingestuft werden, ist das wohl prominenteste Beispiel für die wachsende Sichtbarkeit der Kolonialgeschichte in der deutschen Erinnerungskultur.
Die Zusammenhänge zwischen kolonialer Geschichte und Globalisierungsprozessen werden in den Informationsangeboten der Bundeszentrale für politische Bildung unter dem Titel „(Post-)Kolonialismus und Globalgeschichte prominent behandelt (https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/postkolonialismus-und-globalgeschichte/). Zahlreiche Beiträge renommierter Autor*innen aus den Jahren 2012 bis 2019 führen in Themen wie „Koloniale Gewalt und Kolonialkrieg, „Erinnerungspolitik oder „Wissenschaft und Kolonialismus ein. Die Fernwirkungen des Kolonialismus auf afrikanische Gesellschaften des 21. Jahrhunderts werden in der Doku-Serie „ReMIX. Africa in Translation veranschaulicht. Auf den BPB-Seiten können diese Ergebnisse einer Initiative des Instituts für Afrikastudien der Universität Bayreuth als Videos abgerufen werden. Jeder der vier ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika ist ein eigener Beitrag gewidmet.
Wer nach einer Kontextualisierung der deutschen Kolonialgeschichte im weltweiten Rahmen und nach einem Überblick über aktuelle Fragestellungen und Forschungsrichtungen interessiert ist, wird bei einschlägigen Online-Nachschlagewerken fündig. Der Artikel „Kolonialismus und Imperialismus von 1450 bis 1950 von Benedikt Stuchtey auf „Europäische Geschichte Online (http://www.ieg-ego.eu/stuchteyb-2010-de) verknüpft Begriffsdiskussionen mit räumlichen und epochalen Strukturierungsansätzen. Der differenzierten Darstellung von neueren Forschungstendenzen ist der Beitrag „Neuere Kolonialgeschichte und Postcolonial Studies von Ulrike Lindner in der „Docupedia-Zeitgeschichte gewidmet (http://docupedia.de/zg/lindner_neuere_kolonialgeschichte_v1_de_2011). Für die Schärfung des Blicks auf mediale Repräsentationen kolonialer Strukturen und Ereignisse sowie auf die unterschiedlichen Deutungs- und Verwendungsmöglichkeiten solcher Repräsentationen kann der 2018 publizierte Beitrag „Starving Hereros: Zur Geschichte einer „Ikone der Vernichtung von Lars Müller auf der Online-Plattform „Visual History (https://visual-history.de/2018/11/19/starving-hereros/) empfohlen werden. Thematisiert wird die Verwendung einer bekannten Fotografie einer Gruppe von Herero aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in Schulbüchern, journalistischen Publikationen und der Wikipedia.
Dass trotz der relativ kurzen kolonialen Geschichte des Deutschen Kaiserreichs ein reichhaltiger Archivbestand genutzt werden kann, zeigen diverse Angebote des Bundesarchivs (https://www.bundesarchiv.de/). Die Einstiegsseite „Grenzexpedition und Völkermord Quellen zur Kolonialgeschichte bietet einen knappen Abriss der relevanten Überlieferungen und ihrer (digitalen) Zugänglichkeit. Neben etwa 10.000 Aktenbänden des Bestandes „Reichskolonialamt, die fast komplett digital...

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aus: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht Nr. 7 / 8

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