Anja Winkler

Wie sichert man Urteile imGeschichtsunterricht?

Abb.: Beispiellösung für eine Argumentationswippe zum Thema deusche Kolonialpolitik
Abb.: Beispiellösung für eine Argumentationswippe zum Thema deusche Kolonialpolitik

Anja Winkler

Veranschaulichung, Gewichtung und Reflexion von Urteilen mithilfe derArgumentationswippe am Beispiel der Kolonialpolitik unter Otto von Bismarck

Urteilsbildung im Geschichtsunterricht ist ein individueller Erkenntnisprozess. Dabei können Lernende ebenso wie Historikerinnen und Historiker auf Basis der Analyse und Deutung von Quellen und Darstellungen zu unterschiedlichen Beurteilungen und Bewertungen kommen, indem sie Positionen und besonders Argumenten unterschiedliche Bedeutung beimessen. Umso problematischer ist die Sicherung von Urteilen im Geschichtsunterricht, da beispielsweise ein abschließender Tafelanschrieb der Lehrperson den individuellen Gedanken- und Urteilsprozess der Lernenden nicht gerecht werden kann oder ihr eigenes Urteil gar überformt.
„Wenn Urteile durch eine bestimmte Qualität der Begründung definiert sind, besteht das Ziel von Urteilsbildung in der Initiierung eines Prozesses, nicht dem Erreichen eines bestimmten Ergebnisses. Wird Urteilsbildung angestrebt, müssen prinzipiell mehrere begründete Stellungnahmen möglich sein: Urteile so lässt sich an dieser Stelle zusammenfassen sind zwar durch Thematisierung, didaktische Zugangsweise und methodische Umsetzung in eine Richtung vorstrukturiert. Dennoch kann es nie um „die Lösung in einer Urteilsphase gehen, sondern stets nur um „begründete Lösungsmöglichkeiten (Kayser/Hagemann, 2010, S.38). Folgt man dieser Argumentation, stehen bei der Sicherung am Ende einer Urteilsbildung nicht die Ergebnisse, sondern vielmehr der individuelle gedankliche Prozess, die Begründung, die Gewichtung und die argumentative Grundlage des Urteils im Vordergrund Aspekte, die bei der Sicherung berücksichtigt werden müssen.
Denn trotz alledem unterliegen Sach- und Werturteile im Geschichtsunterricht auch Qualitätskriterien, die es somit auch zur Aufgabe der Sicherung im Geschichtsunterricht machen, Ergebnisse des Urteilsprozesses zu reflektieren (vgl. Hoffmann, 2013, S. 11; Conrad, 2011, S. 10f.).
Didaktische Analyse
Der vorliegende Beitrag greift die Methode der „Argumentationswippe nach Jonas Tumbrink (2018) auf. Ziel des dargestellten Lernarrangements ist es, die Sach- und Werturteilskompetenz der Schülerinnen und Schüler zu fördern, indem der Urteilsprozess in der symbolischen Darstellung einer Wippe visualisiert wird. Dies verlangt von den Lernenden, Argumente multiperspektivisch ausgewählter Positionen analytisch herauszuarbeiten und zu kategorisieren, sie im Urteilsprozess zu gewichten und darauf aufbauend das (Wert-)Urteil hinsichtlich der Wertmaßstäbe zu reflektieren. Die Argumentationswippe kann den Schülerinnen und Schülern verdeutlichen, dass es nicht nur auf die Quantität von Argumenten, sondern vor allem auch auf ihre (perspektivische) Relevanz ankommt. Durch die symbolische Darstellung der Wippe wird die Bedeutsamkeit bzw. das „Gewicht einzelner Argumente ersichtlich.
Ablauf der Methode „Argumentations-wippe
Nach Tumbrink (2018, S. 36f.) kann die Erstellung und Nutzung der Argumentationswippe in etwa wie folgt ablaufen:
Beschriftung der Blankokärtchen (siehe Material) oder Post-Its mit den aus dem Unterricht erarbeiteten Argumenten. Durch unterschiedliche Farben können verschiedene Kategorien, z.B. wirtschaftlich, machtpolitisch, militärisch-strategisch, sozial oder ethisch-moralisch sichtbar gemacht werden.
Zuordnung der Argumente zur passenden Seite (Pro/Kontra).
Gewichtung der Argumente durch genaue Positionierung auf der jeweiligen Seite der Wippe (je wichtiger, desto weiter außen).
Feststellen des Ergebnisses durch Zählen der Argumente auf jeder Seite, wobei unbedingt die Position (außen – mittig – innen) beachtet werden muss: Argumente ganz außen wiegen bspw. dreimal so viel wie eines, das innen liegt.
Urteil verdeutlichen, indem die Wippe dem Ergebnis entsprechend geneigt wird.
Reflexion der zugrunde liegenden Argumente und Wertmaßstäbe, indem gewichtige Argumente begründet herausgestellt...
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Fakten zum Artikel
aus: Geschichte lernen Nr. 196 / 2020

Ergebnissicherung

Kennzeichnung Geschichte lernen Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-13