Jos Schnurer

Geschichte erzählen,nicht erfinden!

Martin Schulze Wessel, Miloš Řezník, Dušan Kováč (Hg.): Deutsche, Tschechen und Slowaken im 20. Jahrhundert. Materialien für den Geschichtsunterricht. Wochenschau Verlag, Frankfurt a.M. 2020. 423 Seiten. D: 49,90 EUR, A: 51,30 EUR.
Martin Schulze Wessel, Miloš Řezník, Dušan Kováč (Hg.): Deutsche, Tschechen und Slowaken im 20. Jahrhundert. Materialien für den Geschichtsunterricht. Wochenschau Verlag, Frankfurt a.M. 2020. 423 Seiten. D: 49,90 EUR, A: 51,30 EUR.

Jos Schnurer

Deutsche, Tschechen und Slowaken im 20. Jahrhundert

Ein Geschichtsbewusstsein entsteht in der Erziehung, in Bildungs- und Aufklärungsprozessen (Messerschmidt 2009; Skiera 2019). Es ist eingebunden in Zeit- und Machtvorstellungen und -wirken (Clark 2018); es verweist auf Gewinner- und Verlierer-Situationen (Lucassen 2015); orientiert sich an Epochen- (Holland 2009) und Achsenzeit-Vorstellungen (Assmann 2018). Es ist das Bewusstsein, dass Geschichte Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftswissen erfordert (Shermer 2018). Es sind die Herausforderungen für Wertewandel und Veränderung (Birken 2018); für Freiheit und Kontrolle (Metz 2017), die dem globalen Wandel unterliegen (Gehler 2018). Durch die vielfältigen, von Menschen gemachten, beeinflussten wie zufälligen Entwicklungen (Bachhiesl u.a. 2019) gerät man leicht zur Feststellung, dass die Auseinandersetzungen mit Geschichte tautologisch ist.
Geschichte lernen und erfahrbar machen
Doch Geschichtsbewusstsein ist ein unverzichtbarer, ethischer, moralischer und existenzieller Prozess. Es verdeutlicht sich in den Erzählungen und Forschungen über konkrete geschichtliche Ereignisse, in den Geschichtswerkstätten der Universitäten, den Archiven, Bibliotheken, Museen und lokalen Geschichtsvereinen. Geschichte lernen und erfahrbar machen ist ein wesentlicher Bestandteil der schulischen und außerschulischen Allgemeinbildung. Es sind die Historikerkommissionen und die wissenschaftlichen Initiativen, die für Geschichtslernen und -aufklärung Themenbereiche und Kanone erarbeiten und damit zur Entwicklung von objektiven, gemeinsamen Erinnerungskulturen beitragen. Beim europäischen und globalen Einigungsprozess sind zahlreiche Geschichtskommissionen tätig: die Deutsch-Italienische, Deutsch-Französische, Deutsch-Britische, Deutsch-Dänische, Deutsch-Russische, Deutsch-Ukrainische, Deutsch-Israelische etc.
Die Deutsch-Tschechische & Deutsch-Slowakische Historikerkommission
Die seit 1993 tätige Deutsch-Tschechische und Deutsch-Slowakische Historikerkommission setzt sich insbesondere zum Ziel, die geschichtlichen Ereignisse, die im 20. Jahrhundert die drei Völker betrafen, durch gemeinsam interpretierte, nationale Erzählungen und Quellenmaterialien im Rahmen von europäischer und globaler Verständigung als Informations-, Bildungs- und Aufklärungsmittel zur Verfügung zu stellen.
Die Autoren
Mit dem Band Deutsche, Tschechen und Slowaken im 20. Jahrhundert legen der Historiker der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Martin Schulze Wessel, der Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Warschau, Miloš Řezník, und der Historiker vom Institut für Geschichte der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in Bratislava, Dušan Kováč, bisher nicht zugängliche Bildungsmedien vor. Sie sollen insbesondere Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I und II vergleichende Betrachtungen der Nachbarnationen im Kontext der europäischen Geschichte ermöglichen. Neben dem Herausgeberteam sind daran auch beteiligt: Vladimír Handl, Historiker beim Institut für Internationale Studien der Fakultät für Sozialwissenschaften der Karlsuniversität in Prag, Dieter Segert, Politikwissenschaftler von der Universität Wien, sowie Volker Zimmermann, Gesellschaftswissenschaftler von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität.
Der Sammelband
In der Einführung in die Thematik verweist Schulze Wessel auf die gemeinsamen und gesonderten geschichtlichen Entwicklungen der drei Völker, mit Besetzungen, Eroberungen, Kriegen, Kriegs- und Menschheitsverbrechen, Vertreibungen, Befreiungs- und Demokratisierungsprozessen, und den je unterschiedlich intensiven, nationalen Auseinandersetzungen damit: „Eine intensive Beschäftigung mit Geschichte in Wissenschaft und Unterricht kann die Einsicht befördern, dass populäre Geschichtsbilder oft unseren Blick für die Vielschichtigkeit vergangener Zeiten verstellen.
Zu den einzelnen Beiträgen
Miloš Řezník stellt mit seinem Beitrag „Das 19....
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Fakten zum Artikel
aus: Geschichte lernen Nr. 196 / 2020

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Kennzeichnung Geschichte lernen Schuljahr 5-13