Boris Hucker

Gehirn-gerechte Spickzettel

Abb. 1: Bunt, übersichtlich und informativ: Von Lernenden einer neunten Realschulklasse erstellte Memoflips zum Thema Nationalsozialismus.
Abb. 1: Bunt, übersichtlich und informativ: Von Lernenden einer neunten Realschulklasse erstellte Memoflips zum Thema Nationalsozialismus., © Hucker

Boris Hucker

Individuelle Lernhilfen in Form eines Memoflips

Unter einem Memoflip (Memo = Kurzform für Memorandum und flip = englisch für umblättern) versteht man ein selbst gemachtes Büchlein. Es hat die Gestalt von größeren Karteikarten, die zusammengeheftet sind. Auf diesen Blättern sind individuelle Ergebnisse komprimiert. Deshalb eignet sich diese Form der Zusammenfassung neben der den Unterricht begleitenden Nachbereitung von Inhalten ideal zum Üben und Wiederholen auf Klausuren.
Die Autorin und Managementtrainerin Vera F. Birkenbihl gilt als Erfinderin von geklebten „Infoflips, in welche sie teils von ihr entwickelte „gehirn-gerechte Lerntechniken integrierte. Der Birkenbihl-Multiplikator Stefan Holenstein vereinfachte die Herstellung und kreierte so das Memoflip (Holenstein 2018, S.129). In der folgenden Unterrichtsstunde wird die Leitfrage „Welche Ansichten vertraten die Nationalsozialisten? Die NS-Ideologie exemplarisch in ein Memoflip integriert.
Didaktisch-methodische Überlegungen
Das Unterrichtsvorhaben bezieht sich auf eine neunte Realschulkasse, die erstmals mit einem Memoflip arbeitet, aber in den eingesetzten Mikromethoden geübt ist. Nach einer Einführungsstunde, in der Fotos und Zitate zum Nationalsozialismus der Aktivierung von Vorwissen und der Formulierung von Untersuchungsfragen dienen, folgt diese Stunde zur NS-Ideologie.
Herstellung, Aufbau und Funktion eines Memoflips
In Vorbereitung darauf erstellten die Lernenden das Memoflip daheim,um den Unterricht möglichst zeiteffizient zu gestalten. Eine geeignete Anleitung findet sich unter https://www.youtube.com/watch?v=v0Qzaj5QECI. Für die Herstellung werden DIN A3- oder A4-Papiere und Tacker benötigt. In der Praxis haben sich je nach Themen- und Zeitumfang acht oder zehn Register für ein Memoflip bewährt. Ansonsten nehmen die eingesetzten Lerntechniken stark repetitiven Charakter an. Ergänzend sollten die Lernenden unter https://www.youtube.com/watch?v=tf5Um_zHBWM einen Videoclip zu Aufbau und Funktion des Memoflips anschauen. Alternativ bietet sich im Stuhlkreis oder an der Dokumentenkamera die Präsentation eines fertiggestellten Memoflips aus dem Vorjahr bzw. einer Parallelklasse oder eines entsprechenden Fotos (Abb. 1) an.
Die Platzknappheit der Memoflips animiert die Lernenden, Textinhalte in knappe Visualisierungen zu transformieren. Dabei orientiert sich das Memoflip an der Wissenschaftstheorie des Konstruktivismus, wonach Lernende durch individuelle Lernwege ihr Wissen selbstständig und aktiv aufbauen. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Behaltens- und Anwendungsfähigkeit von Wissen. Die individuellen Gestaltungselemente der Register fungieren als persönliche Merkhilfen. In Vorbereitung auf Klassenarbeiten sollte der Anblick eines geschlossenen Registers wiederholt zur Selbstverbalisierung der passenden Inhalte anregen. Anschließend erfolgt die Lernerfolgskontrolle durch das Aufklappen des Registers. Neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ermöglicht das ständige Wiederholen die Festigung und Vernetzung von Gelerntem. Auch der Erziehungswissenschaftler John Hattie unterstreicht in seiner Metaanalyse, dass auf das sogenannte laute Denken, insbesondere mit zeitlicher Verzögerung zum erfahrenen Unterrichtsstoff, eine dem Lernen deutlich zuträglich Wirkung entfällt (Hattie 2014, S.228  f.).
Sachanalyse
Zentrale Elemente der nationalsozialistischen Ideologie finden sich in Form von Hakenkreuzen, Hitlergrüßen und Bezeichnungen wie „Du Jude! alltäglich deutschlandweit an allen Schularten (vgl. Bernstein 2018). Zudem haben weitere minderheitenfeindliche Aspekte der NS-Ideologie durch (Rap-)Musik, soziale Medien sowie Vertreter rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen Eingang in die Jugendkultur gefunden. Anknüpfend an ihrer Lebenswirklichkeit erhalten die Lernenden einen Überblick über die ideologischen Konzepte hinter aktuellen Verunglimpfungen. Sie erkennen Kontinuitäten...
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Fakten zum Artikel
aus: Geschichte lernen Nr. 196 / 2020

Ergebnissicherung

Kennzeichnung Geschichte lernen Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 7-13