Schreiben

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Geschichte lernen | Ausgabe Nr. 176/2017

Geschichte ist mehr als nur ein "mündliches Fach". Diese Ausgabe möchte daher geeignete Wege und Anregungen für das Schreiben im Geschichtsunterricht aufzeigen. Dazu gehört, über die Art und Weise nachzudenken, wie und zu welchem Zweck im Unterricht geschrieben wird.

Inhaltsverzeichnis
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In der unterrichtsfreien Zeit greifen Kinder und Jugendliche gern auf moderne Technik zurück. Die Digitalisierung und das damit einhergehende Nutzungsverhalten verändern den Zugang zu schreibend zu lösenden Problemen und können gleichzeitig Anlässe bieten, um fachspezifische Aufgabenformate mit Smartphone oder Tablet einzuüben.
Mehr als ein „mündliches Fach“ – die Vielfalt des Schreibens im Geschichtsunterricht entdecken Schreibend Geschichte lernen
Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 5-13

Schreiben kann mehr, als nur Dinge auf Papier festhalten. In der deutschsprachigen Geschichtsdidaktik sind aber erst in den letzten Jahren vermehrt Publikationen erschienen, die sich dezidiert dem Thema „Schreiben“ und „Sprache“ im Geschichtsunterricht widmen. In allen wird die Auffassung vertreten, dass Schreiben zu einem wirksamen Werkzeug des historischen Lernens werden kann, wenn es denn richtig eingesetzt wird. Dazu bedarf es nicht zuletzt Schreibaufgaben, die sowohl aktuelle schreibdidaktische Erkenntnisse berücksichtigen als auch den Kriterien modernen, kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts entsprechen. Der Basisartikel gibt hier Einblicke in den aktuellen Stand der Forschung.

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Reklamesammelbilder geben Einblicke in die Alltagskultur und Vorstellungswelten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die Schuhputz-Marke Diamantine legte beispielsweise ihren Produkten bunte Illustrationen und kurze Texte der Serie „Aus dem Leben der alten Germanen“ bei.
Tacitus’ stereotype Darstellung der Germanen mittels perspektivischen Schreibens kritisch hinterfragen Blaue Augen und blondes Haar
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-10

Die Romanisierung ist laut Rahmenrichtlinien und Kerncurricula nach wie vor ein obligatorisches Thema im Geschichtsunterricht. Meist beschränkt sich ihre Thematisierung jedoch auf die tabellarische Auflistung der Vor- und Nachteile dieses Kulturtransfers. Eine Reflexion darüber findet oft nicht statt, sodass große Lernpotentiale im Hinblick auf die narrative Kompetenzentwicklung der Lernenden, ihren Umgang mit Perspektivität sowie ihre Diskursfähigkeit nicht ausgeschöpft werden. An dieser Stelle setzt der Beitrag an.

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Der Farbdruck wurde im Jahr 1876 bei der New Yorker Druckerei „Currier and Ives“ hergestellt. Die Übersetzung des Textes lautet: „Franklins Experiment, Juni 1752. Er macht das Wesen des Blitzes und der Elektrizität sichtbar, davon ausgehend erfand er den Blitzableiter.“ Das Historienbild kann in der Online-Version des Heftes über die WebApp als Impulsmaterial für den Einstieg (siehe Unterrichtsdramaturgie) heruntergeladen werden.
Perspektivisches Schreiben über die verschiedenen Facetten der Aufklärung Geschichten des Blitzableiters
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-13

Die Erinnerung an die Erfindung des Blitzableiters lässt sich zumeist von einer historischen Erzählung leiten, die im 19. Jahrhundert zum bürgerlichen Selbstverständnis gehörte: Unerschrockene weiße Männer hätten im 17. und 18. Jahrhundert den Aberglauben überwunden, ihre Vernunft zur unvoreingenommenen Erforschung der Natur eingesetzt und so nützliches Wissen hervorgebracht, das der Menschheit bis heute Wohlstand, Sicherheit und Fortschritt beschert. Diese Erzählung vom „Durchbruch der Vernunft“ war bereits von den Aufklärern selbst formuliert worden und diente der Legitimation und Durchsetzung des neuen, aufklärerischen Zugangs zur Welt. Die vorliegende Unterrichtseinheit differenziert mit einem perspektivischen Blick auf die Erfindung und Verbreitung des Blitzableiters die dominante Geschichte der Aufklärung. Die Schriftlichkeit spielt für das perspektivische Verfahren eine zentrale Rolle: Die SchülerInnen bedienen sich so jenes Mediums, das für das Denken und die Kommunikation der Aufklärung konstitutiv war.

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Mit dem Anschlag auf das österreichisch-ungarische Thronfolgerpaar am 28.Juni1914 begann die Julikrise. Das nachkolorierte Foto entstand kurz nach den tödlichen Schüssen in Sarajevo, zeigt aber nicht die Verhaftung Gavrilo Princips, sondern die Festnahme des unbeteiligten Ferdo Behr.
Die Julikrise 1914 mit Hilfe eines Lückenflussdiagramms erarbeiten Verstehen durch Schreiben
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (< 45 Min) Schuljahr 5-13

Jenseits von gängigen Unterrichtsvorschlägen wie der Behandlung der Juli-Krise als Planspiel oder der bloßen Vermittlung durch einen Verfassertext wird hier vorgeschlagen, den Schülerinnen und Schülern die selbstständige Erschließung eines Textes mit Hilfe einer klaren Anleitung zu erleichtern. Die Schülerinnen und Schüler lesen dafür zunächst den Text zum Ablauf der Julikrise und vervollständigen dann ein Diagramm, das die Struktur des Textes wiedergibt, um schließlich daraus wieder einen eigenen Text zu schaffen.

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Verwundete Soldaten während der Schlacht um Verdun: Der fiktive Charakter Wilhelm erlebt dort die Grauen des Krieges an der Westfront und berichtet darüber in seinen Feldpostbriefen.
Eine fiktive Recherche als Anleitung zum Schreiben über den Ersten Weltkrieg „Feldpost für Pauline“
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-13

Schreiben über Geschichte ist meistens das Resultat einer historischen Recherche. Die vorgeschlagene Unterrichtssequenz will Schülerinnen und Schülern über und während der Lektüre jugendliterarischer Texte zu verschiedenen Schreibformen anleiten, die letztlich in eigene Narrationen über die Alltags- und Erfahrungsgeschichte des Ersten Weltkriegs münden. Gleichzeitig soll über die Fiktion in die historische Methode eingeführt werden.

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Die Kuba-Krise als historischer Konflikt: Mobilmachung kubanischer Soldaten am 26.Oktober1962.
Historische Konflikte als Rap-Battle im Geschichtsunterricht Schüler rappen Geschichte
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-13

Rap-Battles sind rhythmisch vorgetragene Sprechgefechte, die von zwei Akteuren gegeneinander ausgetragen werden. Wenn es sich bei den Kontrahenten um historische Figuren handelt, haben wir es mit einem Phänomen der Geschichtskultur zu tun, das die Schülerinnen und Schüler über das Internet kennen. Gerade deshalb lohnt es sich, sie mit Lernenden zu thematisieren und die Gattung zu problematisieren. Andererseits können sie als Form des produktiv-kreativen Umgangs mit Geschichte nutzbar gemacht werden, indem Lernende selbst Rap-Texte entwickeln, die historische Konflikte aus der Perspektive ihrer Akteure sprachlich fassen.

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Kim Phuc engagiert sich heute weltweit für den Frieden unter den Völkern. Hier unterschreibt sie das berühmte Antikriegsfoto auf einer Veranstaltung in Newport Beach (USA).
Das Mädchen aus Vietnam – De- und Rekonstruktion eines berühmten Fotos Bilder narrativieren
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-13

Der Beitrag versucht, für den Mittel- bzw. Oberstufenunterricht verschiedene Schreibanlässe mit dem Ziel zu schaffen, (historische) Narrationen systematisch anzuleiten. Als Voraussetzung dient eine systematische und differenzierte Beschreibung des berühmten historischen Fotos der damals neunjährigen Kim Phuc aus dem Vietnamkrieg zur Einübung fachspezifischer Terminologie in Verbindung mit Quellenarbeit.

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Tablets als technische Hilfs- und Arbeitsmittel im Klassenraum gewinnen weltweit an Bedeutung – hier lösen zwei Schülerinnen aus dem südafrikanischen Kapstadt gemeinsam Aufgaben.
Der Einsatz fachspezifischer Aufgabenformate für iPad, Tablet oder PC am Beispiel der Geschichte des Berliner Reichtsagsgebäudes Geschichte(n) digital schreiben
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-13

Wie lassen sich Schülerinnen und Schüler zum digitalen Schreiben von Geschichte(n) anleiten? Die Anbahnung erfolgt in diesem Beitrag durch konzeptionelle Textproduktionsaufgaben für iPads, Tablets, Smartphones oder Desktop-PCs, bei denen die Lernenden eigene Texte auf Basis fremder Texte herstellen. Sieben solcher Aufgabenformate werden hier als Gerüst (im Sinne des schreibunterstützenden Scaffolding) vorgeschlagen und durch exemplarische Arbeitsblätter anschaulich gemacht.

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Den spezifischen Stil der Schreibform Essay begründete der französische Philosoph Michel de Montaigne mit seinem dreibändigen Werk „Essais“, dessen erster Band 1572/73 erschien.
Essays in der Oberstufe „Wir schreiben Geschichte“
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 10-13

Essays als spezifische Form des Geschichte-Schreibens sind flexibel einsetzbar: Sie können Lernprozesse begleiten, am Ende der Unterrichtseinheiten ihren Platz finden sowie parallel dazu als Hausarbeit oder als Klausurersatz bzw. als alternative Prüfungsform eingesetzt werden. Sie sind mitunter eigenständig in der Freizeit der Schülerinnen und Schüler anzufertigen, was ihnen bei der Gestaltung einen – im Vergleich zu anderen Lern- oder Beurteilungsverfahren recht großen – Freiraum gewährt, mit dem die Verantwortung in hohem Maße an die Lernenden delegiert wird. Der Beitrag gibt einen Einblick in den Einsatz von Essays im Geschichtsunterricht und bietet dazu ein Info-Blatt für die Schüler, einen Bewertungsbogen und eine Liste möglicher Essay-Themen.

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Ein notiertes Brainstorming zum Geschichtsunterricht
Eine unterstützende Tabelle mit Sprachbausteinen zur Interpretation von Quellen Geschichte schreiben leicht(er) gemacht
Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13

In Klausuren oder Facharbeiten wird von den Schülerinnen und Schülern verlangt, historische Quellen oder Darstellungen zu interpretieren bzw. zu analysieren. Im Gegensatz zu mündlichen Beiträgen im Unterricht haben viele Schüler bei der Verschriftlichung ihrer Gedanken aber Schwierigkeiten. Lehrkräfte können die Lernenden unterstützen, indem sie mit ihnen gemeinsam Schreibprozesse planen bzw. Formulierungshilfen erarbeiten. Der Beitrag listet Gütekriterien auf, die transparent gemacht werden sollten und stellt eine Tabelle mit einfachen Sprachbausteinen zur Interpretation von Quellen in Verbindung mit bestimmten Operatoren oder Anforderungsbereichen vor.

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Viele bunte Buchstaben im Setzkasten zum Ordnen
Bemerkungen zur klassischen Prüfungsform der Oberstufe Klausuren
Friedrich+ Kennzeichnung Abitur & Prüfung Schuljahr 10-13

Schriftliche Ausarbeitungen bilden die Grundlage für die Leistungsbewertung in der Schule. Das Schreiben von Klausuren stellt deshalb in der Oberstufe den wichtigsten Teil schulischer Schreibhandlungen dar. Autor Matthias Bode diskutiert die klassische Prüfungsform und stellt eine kompetenzorientierte Konzeption anhand eines Beispielmaterials außerhalb des Narrativs der Unterrichtsreihe vor.

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„Die Zeitleiste: Entdeckungen und Erfindungen“ bildet die gesamte Geschichte der Menschheit auf einer Länge von sieben Metern ab.
Die Zeitleiste: Entdeckungen und Erfindungen
Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-10

Andrea Becher und Claudia Schomaker haben mit „Die Zeitleiste: Entdeckungen und Erfindungen“ den anspruchsvollen Versuch unternommen, die Vergangenheit von der Steinzeit bis zur Gegenwart pointiert abzubilden. Autor Marcel Ebers lotet in seiner Rezension die Potenziale und Herausforderungen der für den Sachunterricht konzipierten Zeitleiste für den Anfangsunterricht im Fach Geschichte aus.