Jan Vedder

Wohnungen konzipieren in Roomle

© Jan Vedder

Jan Vedder

Kreativer Unterricht mit digitalen Medien im Fach Mathematik

Dieser Beitrag soll Möglichkeiten aufzeigen, wie durch den Einsatz eines projektartigen Settings und die Nutzung digitaler Anwendungen ein kreativer Zugang und realistischer Lebensweltbezug bei der Vermittlung mathematischer Kenntnisse gelingen kann.

Die Fragestellung, die meine Kollegin und mich bei der ersten Ideenfindung begleitete, war: Wie können wir Schülerinnen und Schüler über einen längeren Zeitraum (etwa drei Monate) für unterschiedliche mathematische Themen begeistern, gleichzeitig anwendungsbezogene Medienkompetenz bei den Lernenden fördern und der extremen Heterogenität (Inklusion) gerecht werden? Ein Abschied vom „Lernen im Gleichschritt und der gängigen Phasierung von Unterricht und Unterrichtseinheiten sollte gelingen. Unser Anspruch war es, die anstehenden Inhalte nicht einfach standardisiert abzuarbeiten, sondern möglichst an eine reale Aufgabenstellung zu koppeln. Dabei sollten die Lernenden im Arbeitsprozess über verschiedene mathematische Probleme stolpern, zu dessen Lösung Inhalte gelernt und geübt werden müssen, um sie für das eigene Projekt zu nutzen.
Für die anstehenden Themen Dezimalzahlen, Rechnen mit Größen, Winkel und Flächeninhalt und Umfang kamen wir auf die Idee, die Gestaltung und Ausstattung einer eigenen Wohnung könnte ein praktischer Aufhänger mit angemessener Alltagsrelevanz sein. Eine Vielzahl von Apps im Bereich der 3D-Raumplanung ermöglichte einen leichten Zugang durch die vorhandenen Endgeräte der Lernenden. Alle Schülerinnen und Schüler unserer neu gegründeten Oberschule verfügen über ein eigenes, elternfinanziertes Tablet. Bei der Recherche nach einer geeigneten App für die Schülertablets stießen wir auf den 3-D-Raumplaner von Roomle, der eine gute Handhabung mit verschiedenen Ansichten bietet und bereits die Integration von zahlreichen Möbeln (u.a. von Ikea) ermöglicht (s. Abb.1 ).
Projektablauf
Als Ausgangslage dienten die eigenen Forscherfragen und die übergeordnete Aufgabenstellung „Gestalte einen Grundriss für eine Vierzimmerwohnung und statte die Wohnung mit Bodenbelägen, Möbeln, Wandfarben und Fußleisten aus. Eigene Forscherfragen waren u.a.:
  • Wie viele laufende Meter Fußleisten brauche ich?
  • Wie viele Eimer Wandfarbe muss ich kaufen?
  • In welchem Winkel stelle ich die Möbel in den Zimmern?
  • Wo kann ich Preise im Internet vergleichen und Möbel bestellen?
Im individualisierten Unterrichtssetting arbeiteten die Lernenden in ihrem Tempo an ganz unterschiedlichen Zugängen und nutzten verschiedene Lernwege, um sich der Aufgabenstellung anzunähern. Einige fokussierten sich zunächst auf die Gestaltung der Wohnung in der Raumplaner-App. Andere setzten sich gleich mit mathematischen Fragen auseinander und nutzten die Lernressourcen von Lernlandkarten, die wir im Klassenraum zur Verfügung stellten. Die vier fachlichen Themen wurden auf diesen Lernlandkarten visuell in einzelne Lernschritte untergliedert und mit Lernhilfen (z.B. Erklärfilme bei YouTube) versehen. QR-Codes führten die Schülerinnen und Schüler zu Lernressourcen im Netz. Die Lernlandkarten sollten der Selbstorganisation dienen und gleichzeitig ein Instrument der Differenzierung darstellen.
Darüber hinaus stellten wir in der App „Bettermarks zahlreiche, themengebundene Übungen zur Verfügung. Die Lernenden wurden durch ihren selbst gesetzten Fokus auf ein konkretes mathematisches Gebiet zu Fachkun-digen und konnten so Ansprechpersonen für Mitlernende aus der Klasse werden.
Didaktisches Prinzip: Selbstorganisation und -reflektion
Zentrales didaktisches Prinzip war, neben der fachlichen Schwerpunktsetzung, die Selbstorganisation der Lernenden. Zu Beginn einer jeden Woche beantworteten die Schülerinnen und Schüler dazu folgende Fragen:
  • Was möchte ich in dieser Woche erreichen?
  • Was möchte ich konkret machen, um mein Ziel zu erreichen?
  • Wann habe ich mein Ziel erreicht?
  • Wo könnten Schwierigkeiten...
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Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 1 / 2020

Kreativität digital

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "on. Lernen in der digitalen Welt" Praxis Schuljahr 6-6