Gerrit Müller

Was dahintersteckt

Digitale Technik nicht nur anwenden können, sondern sie verstehen lernen: Das ist der Anspruch informatischer Bildung.
Digitale Technik nicht nur anwenden können, sondern sie verstehen lernen: Das ist der Anspruch informatischer Bildung., © Gorodenkoff/stock.adobe.com

Gerrit Müller

Informatische Bildung in Schule und Unterricht

Wir alle nutzen digitale Werkzeuge, um berufliche wie private Ziele schneller, präziser und zugleich bequemer zu erreichen. Doch die zunehmende Durchdringung unseres Alltags mit diesen Tools macht es erforderlich, sie nicht nur bedienen zu können, sondern auch ihr Wesen und ihre Funktionsweisen zu verstehen. Fachintegrativer Unterricht mit informatischen Inhalten ist ein wichtiger Schritt dorthin.

In nahezu allen Bereichen des Lebens kommen wir mit der digitalen Welt in Kontakt. Social-Media-Dienste beeinflussen direkt oder indirekt unseren Alltag. Ein großer Teil der öffentlichen Diskussion findet dort statt. Auch die althergebrachten Informationsmedien wie Zeitungen und Fernsehnachrichten werden durch den Input aus Social-Media-Diensten beeinflusst. Autonom agierende Technik ist hochgradig von Algorithmen und Datenanalysen geprägt. Kaum ein Arbeitsplatz funktioniert vollkommen analog und ist nicht zumindest indirekt durch digitale Hilfsmittel geprägt. Zukünftig werden wichtige Vorentscheidungen oder gar Entscheidungen von Algorithmen oder künstlicher Intelligenz getroffen: Medizinische Diagnosen, aber auch Gerichtsentscheidungen sind nur zwei Beispiele, die bereits heute praktiziert werden (s. Infokasten 1).
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Algorithmen
Ein Algorithmus ist eine endliche Beschreibung von Abläufen, ähnlich einem Kochrezept. Bei dessen Ausführung ergibt sich eine fest definierte Abfolge von Handlungen abhängig von der Eingabe. Beim Kneten eines Teiges kann es je nach Zutatenmenge erforderlich sein, den Teig in mehreren Portionen zu kneten. Bei gleicher Zutatenmenge bleibt die Anzahl der zu knetenden Portionen jedoch immer die gleiche. Die Abfolge von Handlungen ändert sich nicht.
Trotz oder gerade wegen dieser hohen Durchdringung haben viele Menschen ein negatives Selbstkonzept in Bezug auf digitale Werkzeuge. Ein gewisses Eigenleben wird einigen digitalen Tools, Alltagsgegenständen und Phänomenen schon von vornherein zugeschrieben. Digitale Werkzeuge lassen sich immer intuitiver bedienen, oft haben die User etwa bei Suchmaschinen nur deren Anwendung im Fokus. Ihr Ansatz: „Es reicht für den Alltag doch vollkommen aus, digitale Werkzeuge bedienen zu können. Die Informatik im Hintergrund ist nur etwas für Experten.
Mit solchen oder ähnlich klingenden Argumenten wird das Verständnis der digitalen Werkzeuge einem obskuren Expertenwissen gleichgesetzt. Doch diese digitale Entmündigung birgt Gefahren.
Ebenso wie die Naturwissenschaften einen Zugang zur naturgegebenen Realität ermöglichen, schafft die informatische Bildung einen Zugang zu der von Menschen geschaffenen digitalen Realität. Informatische Bildung muss daher den Anspruch haben, die grundlegenden informatischen Konstruktionsprinzipien der digitalen Werkzeuge, Alltagsgegenstände und Phänomene offenzulegen. Der Dagstuhl-Erklärung „Bildung in der digitalen vernetzten Welt folgend (s. Infokasten 2 sowie ON 2/2020), ist diese technologische Perspektive neben der gesellschaftlich-kulturellen und der anwendungsbezogenen Perspektive eine von drei Perspektiven der digitalen Bildung.
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Dagstuhl-Erklärung
Im Februar 2015 wurde von Expert*innen des Leibniz-Zentrums für Informatik auf Schloss Dagstuhl die Erklärung „Bildung in der digitalen und vernetzten Welt verfasst. Das dort veröffentlichte Modell des Dagstuhl-Dreiecks analysiert die digitale vernetzte Welt aus der technologischen, der gesellschaftlich-kulturellen und der anwendungsbezogenen medienpädagogischen Perspektive. Phänomene, Gegenstände und Situationen der digital vernetzten Welt werden unter diesen drei Perspektiven betrachtet. Damit liefern die Perspektiven zugleich wesentliche Handlungsfelder zum Erwerb digitaler Bildung.
Wesentlich für die Einnahme der technologischen Perspektive sind informatische Bildungsinhalte. Nur wer beispielsweise die Konstruktionsprinzipien digitaler Systeme...

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Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 3 / 2020

Informatische Bildung

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "on. Lernen in der digitalen Welt" Grundlagen Schuljahr 1-13