René Marschall

Multiple-Choice-Prüfungen im Fach Geschichte?

Voransicht des Quizzes auf einem Smartphone
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René Marschall

Eine Praxisüberprüfung

Warum gibt es kaum Multiple-Choice-Prüfungen in der Praxis des Geschichtsunterrichts?
Nicht nur Medizinstudenten legen regelmäßig universitäre Prüfungen mit diesem Testverfahren ab, sondern alle Inhaberinnen und Inhaber eines Führerscheines haben bereits eine Multiple-Choice-Prüfung absolviert. In der „Kurzzusammenfassung Multiple-Choice-Prüfungen des Hochschulreferats Studium und Lehre der TU München wird der Einsatz dann empfohlen, „wenn die [] angestrebten Lernergebnisse auf dem Erkenntnisniveau des Erinnerns, Verstehens, Anwendens und Analysierens liegen. Für mich stellt sich daher für die Unterrichtspraxis die Frage: Warum sind Multiple-Choice-Tests im Schulalltag jenseits von Lernstandserhebungen und PISA-Tests noch nicht angekommen? Warum gibt es noch keine Aufgabenpools in den Fachkollegien?
Weil sie trivial sind? Dieses Urteil sollte bereits mit Blick auf den universitären Einsatz oder aber in Anbetracht des eigenen Lernens für die theoretische Führerscheinprüfung als Vorurteil verworfen werden. Oder weil sie lediglich passives Wissen in den Blick nehmen? Aber können wir Medizinerinnen und Medizinern pauschal ihre fachlichen Kompetenzen absprechen oder Fahrschülerinnen und -schülern das Verständnis für die Straßenverkehrsordnung? Letztlich weist auch die Empfehlung zur Eignung der TU München Anwendungsbereiche aus, die nicht nur passives Wissen, sondern sehr aktive Denkprozesse zur Lösung erfordern.
Höchste Zeit also, sich mit Multiple-Choice-Tests genauer zu beschäftigen und diese einer Praxisüberprüfung zu unterziehen. Gerade in Zeiten der Lehre auf Distanz ist der Leidensdruck hoch genug, um nach neuen Lösungen für fachliches Feedback zu suchen. Besonders attraktiv ist dabei die Nutzung von internetbasierten Angeboten, da diese eine automatisierte Auswertung ermöglichen und daher auch für die Distanzlehre interessant sind.
Aufgabenformate und Einsatzmöglichkeiten
Die wahrscheinlich bekannteste Form ist der Single-Choice-Test. Aus meist vier Antwortoptionen hat die bzw. der Befragte die Möglichkeit zur Benennung einer richtigen Antwortoption. Weniger oft kommen die Fragen mit mehreren richtigen Antwortoptionen (Multiple-Choice-Tests) vor. Bezüglich der verwendeten Fragetypen wird in der Literatur zwischen „Richtig/Falsch-Fragen und „Beste-Antwort-Fragen unterschieden .
Richtig-Falsch-Fragen erfordern zur Beantwortung die einzelne Überprüfung einer jeden Antwortoption für sich. Dieser Fragetypus eignet sich für die Prüfung von Faktenwissen auf einem niedrigen kognitiven Niveau. Mit diesem Fragetypus lassen sich aber auch kausale Verknüpfungen abfragen. Dabei sind zwei Aussagen zunächst unabhängig voneinander auf die Richtigkeit und dann in ihrer Weil-Verknüpfung zu beurteilen. Dies setzt allerdings klare und eindeutige Kausalzusammenhänge voraus.
Beispiel für Richtig-Falsch-Fragen:
Beispiel für Richtig-Falsch-Fragen:
Wobei handelt es sich um keine historische Quelle?
  • eine Hieroglypheninschrift in einer Pyramide
  • einem Text über die das Totengericht des Hunefer im Geschichtsbuch
  • eine Höhlenmalerei in La Mouthe in der Dordogne
  • eine antike griechische Vase
Den zweiten in der Literatur unterschiedenen Typus stellen „Beste-Antwort-Fragen dar, welche im universitären Einsatz in der Überprüfung komplexerer Lernergebnisse genutzt und international empfohlen werden. Dabei wird auf eine Frage eine bestimmte Anzahl an Wahlantworten angeboten, aus denen die einzig richtige oder beste Antwort bzw. die am wenigsten zutreffende Antwort auszuwählen ist (Typ A).
Beispiel für eine „Beste-Antwort-Frage (Typ A)
Beispiel für eine „Beste-Antwort-Frage (Typ A)
Die Forderungen nach Freiheit (A), Gleichheit (B) und Brüderlichkeit (C) werden heute als Ideale der Französischen Revolution erinnert. Dabei wurde die Revolution von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen mit unterschiedlichen Zielen vorangetrieben. Welche dieser Ziele wurden...
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Fakten zum Artikel
aus: Geschichte lernen Nr. 197 / 2020

Bilingualer Geschichtsunterricht

Kennzeichnung Geschichte lernen Methode & Didaktik Schuljahr 5-13