Nachhaltigkeit

Virtuelles Wasser - ein Thema für den Geographieunterricht!

Süßwasser nutzen wir zum Kochen, Putzen, Duschen und Waschen. Doch nicht nur im Haushalt wird Wasser gebraucht. Auch die Produkte, die wir täglich konsumieren, benötigen in ihrem Herstellungsprozess Wasser. Diese zunächst für uns nicht sichtbare Wassermenge wird virtuelles Wasser genannt. Wie setzt sich das virtuelle Wasser zusammen?

Wasser
Mit virtuellem Wasser ist die Menge an Wasser gemeint, die für die Herstellung eines Produkts aufgewendet werden muss. Foto: PublicDomainPictures/Pixabay CC0 Creative Commons

Die Produktion unserer Konsumgüter ist oftmals sehr wasserintensiv, was eine Beanspruchung der lokalen oder globalen Wasserressourcen zur Folge hat. Mit unseren Kaufentscheidungen nehmen wir Einfluss auf die globalen Folgen dieses Wasserkonsums. Die Konzepte virtuelles Wasser und Wasserfußabdruck machen die Wassermenge für die Herstellung von Produkten transparent. 

Virtuelles Wasser und Wasserfußabdruck

Die beiden Konzepte weisen große Übereinstimmungen auf. Das Konzept des virtuellen Wassers existierte allerdings zeitlich früher. Der britische Wissenschaftler John Anthony Allan entwickelte es in den 1990er-Jahren. Er definiert virtuelles Wasser als „the water contained in the food that the region imports“. Der niederländische Wissenschaftler Arjen Y. Hoekstra entwickelte das virtuelle Wasser-Konzept weiter und führte 2002 den Wasserfußabdruck ein: Der Wasserfußabdruck eines Produkts ist definiert als das gesamte Volumen an Wasser, welches über den Verlauf der Produktionskette im Mittel für seine Herstellung benötigt wird. Dieses Konzept kann entweder auf konkrete Produkte, beispielsweise Tomaten, oder auf ein Land bezogen werden. Dabei hängt der Wasserfußabdruck eines Landes - außer von der Bevölkerungszahl - auch davon ab, was konsumiert wird und wie viel die Bewohner konsumieren.

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Grünes, blaues und graues Wasser

Das Wasser für die Produktion von Konsumgütern kann aus unterschiedlichen Quellen stammen. Das Wasser kann aber auch im Verlauf des Produktionsprozesses eines Konsumguts, beispielsweise durch Pestizide, verschmutzt werden. Somit ist innerhalb des Wasserfußabdrucks nicht nur die verwendete Wassermenge relevant, sondern auch die Wasserart. Daher unterscheidet das Konzept des Wasserfußabdrucks drei Wasserarten: blaues, grünes und graues Wasser. Diese Differenzierung ermöglicht eine bessere Einschätzung der ökologischen Auswirkungen einer Wassernutzung:

  • Grünes Wasser: Unter grünem Wasser wird dasjenige Wasser verstanden, das aus Niederschlägen stammt. Das Wasser wird zum Beispiel in der Wurzelzone von Pflanzen gespeichert.
  • Blaues Wasser: Blaues Wasser bezieht sich auf Grund- oder Oberflächenwasser. Diesen Wasserspeichern wird je nach Region Wasser zur künstlichen Bewässerung für landwirtschaftliche Flächen entnommen. Dadurch besitzen entsprechende Produkte einen vergleichsweise hohen blauen Wasserfußabdruck. Die Nutzung von blauem Wasser kann problematisch sein, sofern mehr blaues Wasser entnommen wird als durch Niederschlag wieder zugeführt werden kann. Dadurch kann der Grundwasserspiegel absinken, sodass ein Brunnen nicht mehr tief genug sein kann oder Seen sich verkleinern. Landwirtschaftliche Produkte mit einem höheren Anteil an grünem Wasser (im Vergleich zu blauem Wasser) können als nachhaltiger eingestuft werden. Bei diesen Produkten erfolgt die Bewässerung durch natürlich auftretenden Niederschlag. Dadurch werden die Grundwasserressourcen einer Region nicht beansprucht.
  • Graues Wasser: Unter grauem Wasser wird das bei der Produktion entstandene verschmutzte Wasser verstanden. Daher wird beim grauen Wasserfußabdruck die Menge an Süßwasser betrachtet, die benötigt wird, um die Schadstofflast soweit zu verringern, dass sie wieder eine natürliche Konzentration aufweist. Ziel ist es, dass das Wasser bestehenden Standards der Wasserqualität genügt.

Diese Differenzierung des Wasserfußabdrucks zeigt auf, dass eine Bewertung der Höhe des Wasserfußabdrucks eines Produkts nie absolut erfolgen sollte. Sinnvoller ist eine Betrachtung nach der Wasserart und somit nach den Quellen des verwendeten Wassers.

Virtuelles Wasser im Unterricht

In unserer globalisierten Welt wird das im Herstellungsprozess einer Ware verbrauchte Wasser häufig nicht im Herstellungsland konsumiert. Der Wasserverbrauch für die Produkte findet im Ausland statt, da große Teile der Produktionskette dort liegen. Wasser für diese Produkte steht dabei oftmals nicht in dem Maße zur Verfügung wie in unseren Breiten. Wasserknappheit an den entsprechenden Produktionsstellen ist die Folge. Somit übt der Konsum von Produkten bzw. der Wasserkonsum der industrialisierten Staaten Druck auf die Wasserressourcen der produzierenden Staaten und Regionen aus. Es gibt als Länder, die Wasser importieren und Länder, die Wasser exportieren. Der Geographieunterricht bietet die Möglichkeit, den Schülerinnen und Schülern diesen Zusammenhang aufzuzeigen. Dadurch können sie reflektiert Konsumentscheidungen treffen.

Zum Einstieg in die Thematik kann den Schülerinnen und Schülern die virtuelle Wassermenge von unterschiedlichen Produkten aus ihrem alltäglichen Leben aufgezeigt werden. Beispielsweise kann ermittelt werden, wie viel Wasser im Durchschnitt das Frühstück der Schülerinnen und Schüler enthält. Informationen hierzu findet man auf der Homepage von Water Footprint Network. Dann können mithilfe von Texten die Begriffe virtuelles Wasser und Wasserfußabdruck geklärt werden. Hier kann thematisiert werden, inwiefern das Konzept des Wasserfußabdrucks eine Erweiterung des virtuellen Wasser-Konzepts darstellt. Anschließend können die Schülerinnen und Schüler erarbeiten, woher das Wasser kommt, das in unseren Lebensmitteln und Produkten enthalten ist. Zum Abschluss der Unterrichtseinheit können sie diskutieren, welche Auswirkungen der Wasserverbrauch in den produzierenden Ländern hat. Hierbei sollten auch die klimatischen Bedingungen berücksichtigt werden.

Fakten zum Artikel
Fachwissen Schuljahr 7-9
  • Thema: Wasser
  • Autor/in: Sandra Sprenger und Kerstin Kremer (bearbeitet von Claudia Imwalle)