Wolfgang Fraedrich

Das Weltmeer

Kreuzfahrtschiff auf dem Meer
Schiffsverkehr auf dem Weltmeer: Der Kreuzfahrttourismus hat einen steigenden Anteil an der gesamten Seeschifffahrt. , © Denis Belitsky/Shutterstock.com

Wolfgang Fraedrich

Ein komplexer, geographisch vielschichtiger Raum ist in Gefahr

Mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche sind vom Weltmeer bedeckt, rund 80% aller Lebewesen, einschließlich der Mikroorganismen, leben im Weltmeer. Legt man das Volumen des Wasserkörpers zugrunde, sind bis heute allerdings nur etwa 5% des Weltmeeres wirklich erforscht. Selbst über die der Erde stets abgewandte Rückseite des Mondes hat die Wissenschaft – im Vergleich zum Weltmeer – umfangreichere und detailliertere Kenntnisse. Es ist daher sinnvoll, sich im Geographieunterricht intensiv mit den Ozeanen zu beschäftigen.

Der Ocean Sampling Day, der erstmals am 21. Juni 2014 stattfand (http://www.my-osd.org/projekt/), ist nur eine von zahlreichen Initiativen, die zum Ziel haben, „mehr Licht in das Dunkel des Weltmeeres zu bringen. Die Meeresforschung hat ihre Wurzeln schon im 17. Jahrhundert, doch erst im 21. Jahrhundert wird verstärkt in Projekte zur Erforschung des Weltmeeres investiert.
Welche Rolle das Weltmeer im globalen Ökosystem innehat, verdeutlicht Abbildung 1 . Das Weltmeer stellt quasi ein Bindeglied zwischen Lithosphäre und Atmosphäre dar: Es steht in enger wechselseitiger Beziehung mit allen benachbarten Sphären, es hat Einfluss auf die Inseln und auf die auf den Landflächen lebenden Menschen, insbesondere im Küstenbereich. Gleichzeitig wird das Weltmeer aber auch durch den Menschen direkt oder indirekt beeinflusst – bis hin zur Gefährdung der marinen (Teil-)Ökosysteme.
Das Weltmeer im Überblick
Die „klassische Ansicht der Weltkarten im (Schul-)Atlas lässt nicht ohne Weiteres erkennen, dass das Weltmeer ein zusammenhängendes hydrologisches System darstellt, in das die sechs großen Kontinente und zahlreiche größere und kleinere Inseln eingebettet liegen. Dabei hat der Geophysiker und Ozeanograph Athelstan Spilhaus (1911 – 1998; vgl. hierzu u.a. wikipedia 2018a) schon in den 1930er-Jahren eine außergewöhnliche Kartenprojektion für die Erde entwickelt, die sich am Weltmeer ausrichtet und die das Weltmeer als kompakte Einheit abbildet (s. Darstellung auf dem Poster im Materialpaket).
Einen statistischen Überblick über das Weltmeer und seine Teilräume vermittelt Tabelle 1 . Dabei werden die Abgrenzungen in der Literatur mitunter unterschiedlich angegeben. Teilweise wird zum Beispiel auch der Antarktische Ozean als eigener Ozean ausgewiesen, dieser aber geht unmittelbar auf breiter Linie in den Atlantischen, den Pazifischen und den Indischen Ozean über.
Berechnungen der Woods Hole Oceanographic Institution in Woods Hole im US-Bundesstaat Massachusetts gehen von 1332 Mrd. km3 Wasser im Weltmeer aus (vgl. n-tv 2010). Der Kalkulation des Teams um Matthew Charette liegt die Auswertung von Satellitendaten zugrunde, über die die durchschnittliche Tiefe der Meere (3682,2 m) berechnet worden ist. Zusammen mit der Fläche von 355,4 Mio. km2 ist das Volumen ermittelt worden. Dies macht aber nur einen Anteil von etwas mehr als 0,12% des gesamten Erdvolumens (1083,319 Mrd. km3) aus.
Gliederung des Weltmeeres
Das Weltmeer lässt sich in verschiedene Bereiche bzw. Teilräume gliedern, u.a. kann das Weltmeer horizontal gegliedert werden, es besteht aber auch die Möglichkeit, den Wasserkörper vertikal zu gliedern.
Bei der horizontalen Gliederung ergibt sich quasi eine Hierarchie, ausgehend von den fünf großen Ozeanen bis hin zu den verschiedenen Mittelmeeren (s. Abb. 2 ). Insgesamt gibt es außer den fünf Ozeanen etwa 80 Nebenmeere und Mittelmeere.
Die vertikale Gliederung ergibt sich aus dem Übergang von den Küsten der Kontinente und Inseln über die Kontinentalschelfbereiche bis hin zur Tiefsee. Dabei ist festzuhalten, dass auch die Tiefsee in sich durch ein ausgeprägtes Meeresbodenrelief gekennzeichnet ist. Untermeerische Gebirge – zumeist mittelozeanische Rücken, die sich entlang der divergierenden Plattengrenzen entwickelt haben und weiterentwickeln – trennen größere und kleinere Becken...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 341 / 2018

Weltmeer

geographie heute Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-13