Wolfgang Gerber

Das Wasser der Erde

Gletscher grenzen ans Meer
Wasser kommt auf unserer Erde in unterschiedlichen Aggregatzuständen vor: flüssig (Seen, Meere etc.), fest (z.B. Gletschereis wie hier am Perito Moreno-Gletscher, Patagonien, Argentinien) und gasförmig in der Atmosphäre, © iStock.com/technotr

Wolfgang Gerber

Vorkommen, Verteilung und Verbrauch

Ohne Wasser gäbe es kein Leben auf der Erde. Auch für uns Menschen ist Wasser von großer Bedeutung, können wir doch nur wenige Tage ohne Wasser überleben. Wie aber entstand das Wasser auf der Erde, wo kommt Wasser in flüssiger, fester und gasförmiger Form auf der Erde vor, wie verteilt es sich auf der Erde und wie viel Wasser verbrauchen wir?

Wasserphilosophie
Wasser ist wohl der wichtigste Lebensstoff. Das Leben auf der Erde entstand wahrscheinlich im Wasser und besiedelte erst später das Festland der Erde.
Schon Thales von Milet (etwa 624 – 547 v.u.Z.) sah 600 vor unserer Zeitrechnung die gesamte Welt auf ein einziges Prinzip begründet, auf das Wasser. Wasser war für ihn der tragende Grund für das Festland der Erde. Das Festland würde wie ein Stück Holz auf Wasser schwimmen. Wasser sei das „Feste, das „Bleibende und der Ursprung, der Quellgrund, aus dem alle Dinge hervorgehen und auch wieder zurücksinken würden. Wasser war für Thales mehr als nur die chemische Verbindung H2O. Er erklärte zum Beispiel die Entstehung von Erdbeben durch Wasser: Die Erde schwankt auf ihrem Untergrund – dem Wasser.
Hegel (1770 – 1831) interpretierte Thales: Für Thales war Wasser kein Ding, kein Element wie Erde, Luft und Feuer, sondern sein „Gott von allem, das Absolute. Auch Nietzsche (1844 – 1900) stimmte Thales zu: Für Thales sei Wasser der Ursprung und der Mutterschoß aller Dinge gewesen.
Heraklit (etwa 520 – 460 v.u.Z.) ging von dem Prinzip „Alles fließt! (panta rhei) aus. Für ihn war zwar das Grundprinzip das Feuer, aber der Ursprung von Himmel und Erde war das Meer. Alles auf der Erde sei in ständiger Veränderung, alles fließt. Zudem meinte er, Meerwasser sei „das Reinste und das Scheußlichste, für Fische trinkbar und heilsam, für Menschen ungenießbar und verderblich.
Für Homer (8. Jhd. v.u.Z.) war Wasser der Urstoff der Erde. Es sei erst die Lithosphäre, dann aber gleich die Hydrosphäre entstanden, der Quell von allem Entstehen. Er verehrte Gott Okeanos, der mit Tethys verheiratet war. Gemeinsam mit ihr herrschte er über den Okeanos, einen großen Strom, der die Erde, die man sich in der Antike als flache Scheibe vorstellte, kreisförmig umschloss. Okeanos und Tethys waren die Eltern vieler weiterer Götter.
Aristoteles (4. Jhd. v.u.Z.) maß dem Wasser fundamentale Bedeutung für das Leben bei, ohne das es erlöschen würde.
Grundsätzlich ist Wasser für den Menschen von großer Bedeutung. Der Mensch selbst besteht zu rund 70% aus Wasser, kann nur wenige Tage ohne Wasser überleben.
Aggregatzustände im Wasserkreislauf
Wasser kommt auf unserem Planeten in allen drei Aggregatzuständen vor (s. Abb. 1 und 2 ):
  • in flüssiger Form als Salzwasser im Weltmeer, als Süßwasser in Flüssen, Seen, im Grundwasser und als Niederschlag,
  • in fester Form in Gletschern sowie
  • gasförmig als Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre.
Im Wasserkreislauf sind Transport und Speicherung von Wasser auf globaler und regionaler Ebene verankert (s. Abb. 3 ). Wasser durchläuft alle Teilsphären der Geosphäre: die Hydrosphäre, Kryosphäre, Lithosphäre, Pedosphäre, Biosphäre und Atmosphäre. Ständig wechselt im Wasserkreislauf der Aggregatzustand des Wassers. Der Kreislauf stellt ein umfassendes Zirkulationssystem zwischen dem Weltmeer und dem Festland dar. Niederschlag (N), Verdunstung (V) und Abfluss (A) bestimmen den Kreislauf entscheidend: N = V + A.
Wasservorkommen und Wasserverteilung auf der Erde
Zu 71% ist die Erdoberfläche mit Wasser bedeckt. Die Gesamtwassermenge der Erde wird auf 1386 Mrd. km3 geschätzt, 36 Mio. km3 davon sind Süßwasser. Das Weltmeer, alle Ozeane mit ihren Nebenmeeren, nimmt etwa 97% des Gesamtwasservolumens der Erde ein. Somit sind nur rund 3% der gesamten Wassermenge auf der Erde Süßwasser, von der dann auch noch 2% in Gletschern als Eis gebunden sind, neben dem Permafrostboden ein Relikt aus dem Pleistozän (s. Abb. 4 ).
Das...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 342 / 2019

Wasser auf der Erde

geographie heute Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-13
  • Thema: Wasser
  • Autor/in: Wolfgang Gerber