Christoph Zwißler

Weltstadt Moskau

Hochhäuser in Moskau
In Moskau wird nicht nur das Stadtzentrum saniert, sondern es werden auch neue, große Bauprojekte umgesetzt, wie Moskau City., © Viacheslav Lopatin/Shutterstock.com

Christoph Zwißler

Gruppenarbeit zur aktuellen Stadtentwicklung Moskaus

Moskau verändert sich wie kaum eine andere europäische Metropole. Seit der Transformation hat eine Tertiärisierung der Wirtschaft stattgefunden, die die Stadt zur Alpha-Global City gemacht hat. Begleitet wurde diese von einem Funktionswandel, der sowohl das historische Zentrum als auch neu gestaltete Bezirke massiv verändert hat. In einem Gruppenpuzzle analysieren die Schülerinnen und Schüler die Entwicklungen in Moskau im 20. Jahrhundert.

Sachanalyse
Seit der ersten Erwähnung im Jahr 1147 hat Moskau nie an Bedeutung eingebüßt. Dies zeigt sich u.a. an einer kontinuierlich zunehmenden Bevölkerung: Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Moskau bereits etwa 500000 Einwohner, 2015 ca. 11,92 Mio.
Die konzentrisch-radiale Anlage um den Kreml herum symbolisiert zudem die Bedeutung der Stadt im zentralistischen Städtesystem Russlands (vgl. Stadelbauer, S. 190f.). Moskau ist nicht nur die wichtigste Metropole des Landes, sondern auch Primatstadt und Megacity (s. Abb. 1 ).
Stadtentwicklung im 20. Jahrhundert
Die nach einem Großbrand im Jahr 1812 wieder aufgebaute Innenstadt Moskaus ist innerhalb des Gartenrings (Grenze des Stadtzentrums, s. Abb. 2 ) heute noch in vielen Teilen erhalten. Während des 20. Jahrhunderts wurden ihr jedoch unterschiedliche Funktionen zugewiesen.
Die sozialistische Stadtplanung maß dem Zentrum vor allem eine repräsentative Rolle zu mit Kultureinrichtungen, Regierung und Aufmarschplätzen sowie die Funktion als sozial durchmischter Wohnstandort. Trotz der ansässigen Verwaltungs- und Bildungseinrichtungen wurde der Dienstleistungssektor kaum gefördert. Deshalb gab es im Zentrum wenig Büros und höherwertige Versorgungseinrichtungen (vgl. Lentz 2000, S. 14). Außerhalb des Zentrums entstand eine Mischung aus Prachtbauten, Wohnvierteln und Industriegebieten (vgl. Stadelbauer 1989, S. 206ff.).
Die 1986 beginnenden Perestroika-Reformen dagegen setzten marktwirtschaftliche Mechanismen und eine veränderte Nachfrage in Gang, die die sozialistisch geprägte Stadt nicht erfüllen konnte. Beispielsweise führten die wachsende Tertiärisierung und globalwirtschaftliche Verknüpfung zu einer Neubewertung der Innenstadt als Dienstleistungsstandort. Gleichzeitig verursachte der steigende Wohlstand eine verstärkte Nachfrage nach Konsumgütern, sodass der Versorgungssektor ausgebaut wurde (vgl. Lentz 2000, S. 12f.). Der wirtschaftliche Strukturwandel führte zudem zur Schwächung des sekundären Sektors und zum Brachfallen von Industrieflächen (vgl. Radvanji/Vendina 2011, S. 17).
Aktuelle städtische Wandlungsprozesse
Der städtebauliche Wandel hängt vor allem mit der schnellen Tertiärisierung zusammen, die in den Jahren 1999 – 2008 durch Wachstumsraten von mindestens 5% angefeuert wurde (vgl. Google Public Data 2017).
Heute ist die Bedeutung des tertiären Sektors immens: Im Jahr 2011 generierten die Moskauer, die 7% der Landesbevölkerung stellen, etwa 24% des russischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dabei waren ein Drittel des Handels, 50% der wissenschaftlichen Dienstleistungen, 91% des Banken- und 81% des russischen Versicherungswesens in Moskau ansässig (vgl. Radvanji/Vendina, S. 12; Marchand 2010, S. 77). Moskau weist damit eine Ressourcenkonzentration auf, die zwei Drittel der ausländischen Investitionen in Russland und 60% der wichtigsten internationalen Konzerne bindet (vgl. Statista o.J.).
Der Funktionswandel äußerte sich ab den frühen 1990er-Jahren durch die Schaffung moderner Büroflächen im Bereich der Twerskaja Ulica (Twerer Straße, s. Abb. 2). Inzwischen ist das Zentrum Moskaus nördlich des Flusses Moskwa zum Dienstleistungsstandort geworden: Auf 6,4% der Stadtfläche lag 2011 etwa die Hälfte der Moskauer Bürofläche (vgl. Radvanji/Vendina 2011, S. 18). Die anderen 50% befanden sich in modernen Geschäftsvierteln, die außerhalb des Gartenrings aus dem Boden gestampft wurden. Das bedeutendste ist...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 334 / 2017

Russland

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10