Thomas Kisser · Florian Weissenrieder

Sicherung der Daseinsgrundversorgung in der Uckermark?

Felder mit Windkraftanlagen
Die Uckermark gilt als eine der strukturschwächsten und am dünnsten besiedelten Regionen., © imago images/Christian Thiel

Thomas Kisser · Florian Weissenrieder

Raumplanung mit dem Zentrale-Orte-Konzept mithilfe von WebGIS

Abseits des Siedlungssterns der Berlin-Brandenburger Landesplanung wird das Zentrale-Orte-Konzept deutlich. Die Anbindung der Uckermark an Berlin sowie die Zentralität der Orte in der Uckermark scheinen schwach ausgeprägt zu sein. Dies stellt die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse infrage. Die Schülerinnen und Schüler gehen mithilfe eines WebGIS der Frage nach, ob die Daseinsgrundversorgung in der Uckermark gesichert ist.

Sachanalyse
Das Zentrale-Orte-Konzept von Walter Christaller aus den 1930er-Jahren spielt auch in der aktuellen Raumplanung Deutschlands eine tragende Rolle: „Das Konzept der Zentralen Orte ist angesichts der demographischen Entwicklung und der Ausdünnung stationärer Versorgungsangebote in der Fläche weiterhin das siedlungsstrukturelle Grundgerüst zur Bewältigung von regionalen Anpassungsprozessen bei der Infrastrukturversorgung (BMI 2016, S. 10).
Das Zentrale-Orte-Konzept
Die Anwendung des Konzepts soll kurze Wege und hohe Attraktivität sichern sowie durch Nutzung des ÖPNV die Umwelt schützen. Einrichtungen, die der Versorgung der Bevölkerung dienen, sollen unterschiedlich im Raum verteilt sein.
Die zentralen Orte lassen sich entsprechend ihrer Zentralität in verschiedene hierarchisch gegliederte Stufen einordnen, da die Orte einen unterschiedlich hohen Bedeutungsüberschuss gegenüber ihrem Umland aufweisen. Je zentraler ein Ort, desto mehr Dienste werden an diesem Ort bereitgestellt, die im Umland nicht bereitgestellt werden, und desto höher ist seine Bedeutung:
  • Grundzentren dienen der Grundversorgung mit Waren und Leistungen des alltäglichen Bedarfs. Ihre Einwohnerzahl sollte mindestens 7000 –10000 betragen.
  • In den Mittelzentren, in denen mindestens 30000 – 35000 Einwohner leben, finden die Entscheidungsprozesse statt, wie diese Grundversorgung sichergestellt werden kann. Hier wird der periodische Bedarf durch Güter gedeckt, die mittelfristig erworben werden oder dem gehobenen Bedarf zugerechnet werden. Der Anfahrtsweg sollte nicht länger als 45 Minuten beanspruchen.
  • Für Waren, die langfristige und spezialisierte Bedarfe decken, müssen die Oberzentren aufgesucht werden. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat hier die Mindesteinwohnerzahl auf 200000 – 300000 festgelegt. Zudem sollen sie in maximal 90 Minuten erreicht werden können.
  • Die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg hat über dem Oberzentrum die Metropole als höchsten zentralen Ort definiert, was Berlin entspricht.
Landesentwicklungsprogramm 2007 Berlin-Brandenburg
Im Landesentwicklungsprogramm 2007 der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg wird auf das Zentrale-Orte-Konzept zurückgegriffen, dieses aber modifiziert umgesetzt. Die zentralen Orte sollen die Versorgung der Bevölkerung aufgrund ihrer räumlichen Lage sicherstellen. Zentrale Orte gelten als Siedlungsschwerpunkte und Verkehrsknotenpunkte und sollen entsprechend vorrangig entwickelt werden. Innerstädtisches Wohnen und innerstädtischer Einzelhandel als Beispiele für Innenentwicklung haben Vorrang vor Neuentwicklungen am Siedlungsrand.
Der Hauptgrund für diesen Vorrang liegt in der Demographie der Menschen in der Uckermark begründet. Die Uckermark ist einer der am dünnsten besiedelten und demographisch ältesten Landkreise Deutschlands. Hier leben vergleichsweise viele ältere Menschen, deren Mobilität eingeschränkt ist (s. Abb. ). Für sie ist es vorteilhaft, alle Angebote konzentriert in räumlicher Nähe zueinander zu haben.
Die Demographie muss auch bei der Gestaltung des ÖPNV bedacht werden. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass Bewohner kleiner und kleinster Siedlungen individuell und motorisiert in das nächste Zentrum fahren können. Die jüngere, arbeitende Bevölkerung ist deutlich mobiler, was sich in den Pendlerstatistiken spiegelt. Aus den südlichen Gemeinden der Uckermark pendeln deutlich mehr...
Geographie heute
Sie sind bereits Abonnent?

Mein Konto

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

Geographie heute abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 350 / 2020

Digitale Kartographie

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10