Wolfgang Fraedrich

Polarregionen

Gletscher
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Wolfgang Fraedrich

Die empfindlichen Ökosysteme geraten zunehmend in den Fokus

Lange Zeit galten die Polarregionen als die unberührten Regionen der Erde. Menschen, Pflanzen und Tiere haben sich über Jahrtausende an die extremen Bedingungen in der Arktis und Antarktis angepasst. Durch die Folgen der globalen Erwärmung, die Aussicht auf mögliche Rohstofflagerstätten und den wachsenden Touristenzahlen stehen sie zunehmend im Fokus der Öffentlichkeit mit Folgen für Mensch und Umwelt.

Nicht nur die Ähnlichkeit der Arktis (Polarregion der nördlichen Hemisphäre) und der Antarktis (Polarregion der südlichen Hemisphäre) in Bezug auf das Klima und das vermutete Rohstoffpotenzial, sondern vor allem auch die Unterschiedlichkeit dieser beiden Regionen wecken das Interesse. Während die Arktis ein von Kontinenten (Asien, Europa, Nordamerika) umgebenes Meer ist, ist die Antarktis ein vom Südpolarmeer umgebener Kontinent.
Dieser Unterschied hat jeweils spezifische ökologische Systeme zur Folge, die auch steuernd auf globale Prozesse einwirken: Sie beeinflussen marine (z.B. die Meeresstromsysteme) und atmosphärische Prozesse (z.B. das Ausströmen kalter Luftmassen aus den polaren Hochdruckgebieten in Richtung der durch die Tiefdruckgebiete geprägten Westwindzonen der gemäßigten Breiten).
Abgrenzung und geoökologische Gliederung der Polarregionen
Mathematisch werden die Polarregionen als jene Bereiche der Erde bezeichnet, die nördlich des nördlichen Polarkreises (66° 33' N) und südlich des südlichen Polarkreises (66° 33' S) liegen. Doch wie bei allen anderen Landschafts- und Klimazonen erweist sich diese Abgrenzung aus geographischer Sicht als wenig exakt. Daher wird in der Geographie das Nordpolargebiet (= Arktis) entweder nach klimatischen Gesichtspunkten (10 °C-Juli-Isotherme) oder nach vegetationsgeographischen Aspekten (Baumgrenze) nach Süden hin abgegrenzt. Daraus ergibt sich, dass sich die Arktis nicht nur auf das Nordpolarmeer beschränkt, sondern auch Teile der angrenzenden Kontinente umfasst:
  • Asien (Nordsibirien einschließlich der Inselgruppen Neusibirische Inseln, Sewernaja Semlja, Nowaja Semlja und Franz-Josef-Land),
  • Europa (Nordskandinavien einschließlich der Inselgruppe Svalbard (= Spitzbergen) und des äußersten Nordens der Insel Island),
  • Nordamerika (Nordkanada mit seiner vielgliedrigen Inselwelt, Nordalaska einschließlich der geologisch zu Nordamerika gehörenden Insel Grönland).
In Abhängigkeit von der geographischen Breite und auf der Nordhalbkugel insbesondere auch von der Wasser-Land-Verteilung dehnen sich die Regionen mit polarem Klima unterschiedlich weit in Richtung der niederen Breiten aus bzw. erstrecken sich die subpolaren Regionen unterschiedlich weit in Richtung der höheren Breiten.
Das Südpolargebiet (= Antarktis) umfasst die südlichsten Bereiche der drei großen Weltmeere (Atlantischer Ozean, Indischer Ozean, Pazifischer Ozean) und den von ihnen umschlossenen etwa 14 Mio.km2 großen Kontinent Antarktika.
Die Polargebiete umschließen also sowohl Landmassen als auch Meeresgebiete, vor allem aber sind weite Regionen von Eis bedeckt. Dabei ist zwischen dem Gletschereis, dem Schelfeis mit seinen Eisbergen und dem Meereis zu unterscheiden. Gletschereis ist gefrorenes Süßwasser, das sich nur auf Landflächen aus Schnee über die Zwischenstufe Firn bilden kann. Das Schelfeis wird von Gletschern gespeist, ist mit diesen auch noch verbunden, schwimmt aber bereits auf dem Meer. Es ist also auch gefrorenes Süßwasser. Meereis dagegen ist zu Eis gefrorenes, also salzhaltiges Meerwasser.
Unter Einbezug des Wassers im Permafrostbereich und der saisonal sehr variablen Schneedecke haben die Eismassen der Polargebiete einen wesentlichen Anteil an der irdischen Kryosphäre (s. Abb. 2 und Tab., S. 4f.). Diesesteht ihrerseits in enger Wechselwirkung zu den anderen Sphären. Die saisonalen Schwankungen führen zu einem permanenten Wandel der Wechselwirkungen, die sich im jahreszeitlichen...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 325 / 2015

Polarregionen

geographie heute Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-13