Michael Waibel

Metropolen vor den Herausforderungen einer nachhaltigen Stadtentwicklung

Stadtansicht von Ho Chi Minh City
Die Innenstadt von Ho Chi Minh City und der Saigon-Fluss: Im Vordergrund ist die Flusshalbinsel Thu Thiem zu sehen, auf der ein neuer Central Business District entstehen soll, © Michael Waibel

Michael Waibel

Das Beispiel Ho Chi Minh City

Dem Beispiel Chinas folgend, hat sich das kommunistisch regierte Land Vietnam geöffnet. Davon hat der Großraum Ho Chi Minh City am meisten profitiert und sich zur größten Metropole und zum wichtigsten Wirtschaftszentrum des Schwellenlandes entwickelt. Am Beispiel dieser Metropole erarbeiten die Schülerinnen und Schüler Herausforderungen einer nachhaltigen Stadtentwicklung im Kontext von Globalisierung und Klimawandel.

Sachanalyse
Ho Chi Minh City (HCMC), ehemals Saigon, ist die größte und am stärksten globalisierte Stadt Vietnams. Die moderne Skyline der Innenstadt ist der eindrucksvolle visuelle Beleg einer hochdynamischen Wirtschaftsentwicklung, getragen durch ausländische Direktinvestitionen und zunehmend auch durch einheimische Großunternehmen (s. Abb. ). Die am nordöstlichen Rand des Mekong-Deltas gelegene Metropole ist Motor des gesellschaftlichen und ökonomischen Wandels des Landes und trägt fast ein Viertel zum Bruttoinlandsprodukt Vietnams bei. Das Pro-Kopf-Einkommen ist mehr als doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt. Auch die absolute Armut ist hier wesentlich niedriger als in den ländlichen Gebieten Vietnams. Slums sind deutlich weniger verbreitet als in anderen Metropolen der Region.
Insbesondere entlang des Saigon-Flusses hat mit der Errichtung von luxuriösen Wohn- und Geschäftshochhäusern eine globalen Trends folgende Waterfront-Entwicklung stattgefunden. Bedauerlicherweise ging dies oft mit dem Abriss von historischer Bausubstanz einher.
Aufgrund des Wirtschaftsbooms hat das räumliche Metropolenwachstum längst die administrativen Grenzen gesprengt, sodass eine Agglomeration mit mehr als zehn Millionen Einwohnern entstanden ist. HCMC kann folglich als erste Megastadt Vietnams bezeichnet werden.
Probleme durch schnelles Stadtwachstum
Insgesamt hat die Stadtverwaltung von HCMC mit typischen Schwierigkeiten eines Schwellenlandes zu kämpfen. Die Planungsbehörden sind zum Beispiel durch die hohe Dynamik des Bevölkerungswachstums überfordert. Diese hängt zusammen mit der massiven Zuwanderung aus den anderen Provinzen, vor allem aus dem angrenzenden Mekong-Delta. Jedes Jahr wächst die Einwohnerzahl der Metropole um mehr als 200000 Personen, die Dunkelziffer liegt wohl noch deutlich höher. Damit erfährt der Großraum Ho Chi Minh City mit Abstand die größte Zuwanderung innerhalb Vietnams.
Die Metropole leidet, wie viele andere in der Region, unter massiven Verkehrs- und Umweltproblemen. Zudem können nach wie vor alle größeren Infrastrukturprojekte, zum Beispiel Kanalsanierungen, Brücken-, Straßen-, Flughafen- oder der U-Bahnbau, nur mithilfe von ausländischen Kapitalgebern wie der Weltbank oder der Japanischen Entwicklungsbank realisiert werden. Diese beachten soziale Belange der Stadtentwicklung oft zu wenig. Zum Beispiel wurde bei der Durchführung von Kanalsanierungsprojekten der Überflutungsschutz durch bauliche Einfassung der Uferrandbereiche erhöht, aber gleichzeitig wurde die dort vorher in Hütten auf Stelzen ansässige Bevölkerung verdrängt. Der Verlust ihrer Unterkünfte wurde den Menschen dabei in der Regel nur unzureichend ausgeglichen.
Herausforderungen durch den Klimawandel
Ho Chi Minh City zählt zu den zehn Metropolen weltweit, die am stärksten vom globalen Klimawandel betroffen sind. Das liegt zunächst einmal ganz einfach an der Topographie. Knapp die Hälfte der Stadtfläche liegt nur maximal 0,5 m über dem Meeresspiegel. Bereits ein Drittel der Metropole ist von regelmäßigen Überflutungsereignissen betroffen. Wird sich die Siedlungsfläche bis zum Jahr 2025 so ausdehnen, wie in den offiziellen Stadtentwicklungsplänen vorgesehen, besteht die Gefahr, dass sogar zwei Drittel der Stadtfläche regelmäßig überflutet werden. Schon jetzt leidet die Stadt unter einer steigenden Zahl von Überschwemmungen.
Die Überflutungen innerhalb des Siedlungskörpers der Metropole sind allerdings weniger direkt auf den globalen Klimawandel...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 345 / 2019

Metropolen

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13