Ingo Liefner · Wolfgang Fraedrich

Metropolen als globale Wirtschaftszentren

Stadtansicht von Shanghai
Das östliche Shanghaier Stadtgebiet wurde ab den 1990er-Jahren erschlossen (Blick auf das Stadtviertel Lujiazui im Bezirk Pudong)., © anekoho/stock.adobe.com

Ingo Liefner · Wolfgang Fraedrich

Das Beispiel Shanghai

Shanghai verkörpert Chinas Aufstieg zu einer global führenden wirtschaftlichen und politischen Macht, sie verbindet Urbanität im westlichen Sinne mit der modernen chinesischen Lebenswelt. Sie zeigt dabei auch die negativen Begleiterscheinungen des Erfolgs. Die Lernenden beschreiben die Entwicklung Shanghais zum globalen Wirtschaftszentrum und bewerten Lösungsmöglichkeiten für Probleme, die sich in einer wachsenden Metropole ergeben.

Sachanalyse
Shanghai liegt im Mündungsgebiet des Jangtsekiang. Die für See- und Binnenhandel gleichermaßen günstige Lage der Stadt nahm Großbritannien zum Anlass, hier ab dem Jahr 1842 einen wesentlichen Handelsstützpunkt aufzubauen. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Shanghai zu einer der wirtschaftlich führenden Metropolen Asiens.
Mitte des 20. Jahrhunderts bremsten der Bürgerkrieg und der chinesisch-japanische Krieg die Entwicklung. Infolge der Errichtung der Volksrepublik China durch die Kommunistische Partei Chinas (1949) und der zunehmenden Isolation des Landes verlor die Stadt ihre globale Rolle; ihre Funktion war reduziert auf die industrielle Produktion im Rahmen der chinesischen Planwirtschaft (vgl. Liu et al. 2018). Shanghai verlor, wie das übrige Land auch, den Anschluss an die weltweite technologische Entwicklung.
Die beginnenden Reformen des chinesischen Wirtschaftssystems ab 1978 änderten die Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Stadt Shanghai erneut: Chinas Wirtschaft wandelte sich von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft und von der Isolation zur Weltmarktorientierung. In den folgenden 40 Jahren wuchs die chinesische Wirtschaft real durchschnittlich um etwa 10% pro Jahr. Im Jahr 1978 war die Volksrepublik China für die Weltwirtschaft bedeutungslos, im Jahr 2018 war China neben den USA die weltwirtschaftlich wichtigste Nation.
Das Wirtschaftswachstum führte zu einer enormen Verringerung der Armut und brachte tiefgreifende Verbesserungen bei Gesundheit und Bildung für weite Bevölkerungsschichten. Allerdings sind die negativen Begleiterscheinungen des Wirtschaftswachstums, darunter Flächenverbrauch, Wasser- und Luftverschmutzung, ebenfalls gravierend.
Upgrading
Zu Beginn der Reformen im Jahr 1978 – also nach einer langen Zeit der Isolation und kommunistischen Planwirtschaft – hatten die Unternehmen der Stadt Shanghai im weltweiten Vergleich einen gewaltigen technologischen Rückstand: Sie arbeiteten mit veralteten Maschinen und hatten wenig Kenntnis von modernen, westlich geprägten Wirtschafts- und Arbeitsbedingungen. Angesichts dieser schwachen Ausgangslage waren ihre Möglichkeiten, von der Öffnung des Landes für internationalen Austausch zu profitieren, sehr begrenzt.
Die beste Möglichkeit bestand für sie darin, unter Einsatz ihrer zahlreichen und relativ gut ausgebildeten Arbeitskräfte solche Produkte herzustellen, die weder den Einsatz von Technologie noch von modernen Maschinen erfordern, sondern viel Handarbeit verlangen. Dazu gehören beispielsweise Bekleidung, einfache Elektrogeräte oder Spielzeug. Diese Art einfacher Produkte bieten jedoch weltweit sehr viele Unternehmen an. Deren Konkurrenz untereinander führt dazu, dass die Preise für diese Produkte niedrig sind und sich hiermit weder hohe Einkommen noch hohe Gewinne erzielen lassen.
Vor diesem Hintergrund lässt sich die Entwicklung Shanghais in den letzten 40 Jahren einigermaßen zutreffend mit dem Konzept der Aufwertung (engl. Upgrading) erklären (vgl. Liefner/Schätzl 2017, S. 165ff.). Als Upgrading bezeichnet man den Prozess der Verbesserung der Fähigkeit eines Unternehmens oder einer Regionalwirtschaft, verstärkt in profitable und/oder technologisch fortgeschrittene kapital- oder wissensintensive Marktbereiche vorzudringen.
Für ein einzelnes Unternehmen bedeutet Upgrading, dass es ihm gelingt, anstelle technologisch einfachster Produkte zunehmend technologisch höherwertige Produkte herzustellen. Für...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 345 / 2019

Metropolen

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