Ueli Brunner

Australien, Neuseeland und die pazifische Inselwelt

Abstrakter Ozean aus unterschiedlichen Blautönen
© CARACOLLA/shutterstock.com

Ueli Brunner

Eine historisch-geographische Betrachtung

Die Inselwelt des Südpazifiks
Das Wasser herrscht im südpazifischen Raum vor. Im vermeintlich stillen, friedlichen Ozean liegen nur vereinzelte, einsame Inseln (s. Abb. 1 ). Die meisten Inseln sind so klein, dass sie auf einer Karte 1:1 Mio. in ihrer Form nicht dargestellt werden können. Sie wären kleiner als der Punkt am Ende dieses Satzes. Bis vor wenigen Jahrzehnten war unerklärlich, wie diese weit verstreuten Inseln entstehen konnten. Erst die Theorie der Plattentektonik lieferte nachvollziehbare Ideen dazu. Voraussetzung waren Kenntnisse über den Ozeanboden und die Konvektion als Motor der Bewegungen. So werden heute die melanesischen Inseln überwiegend als Folge der Subduktion gedeutet und die mikronesischen und polynesischen Inseln als Ergebnis der Aktivitäten der Hotspots. Der Beitrag „Plattentektonische Erscheinungen im und um den Südpazifik von Ueli Brunner erklärt auf verständliche Weise die wichtigsten geologischen Vorgänge und Erscheinungen, während der Beitrag „Strände in allen Farben von Thomas Hoffmann die Vielfalt der Gesteine erklärt.
Es ist ein Phänomen der Vorgeschichte, dass diese winzigen Eilande bereits vor dem Zeitalter der europäischen Entdeckungen besiedelt wurden und sich eigenständige Kulturen herausbildeten. Diese Kulturen spiegeln sich heute noch im Namensgut der groben Einteilung dieser Inselwelt obwohl die Namen auf dem Griechischen beruhen.
Ganz im Westen, außerhalb des Rahmens dieses Heftes, liegen die indisch geprägten Inseln: Indonesien. Südöstlich davon schließen sich größere Inseln an, die von einer dunkelhäutigen Bevölkerung bewohnt sind. Hierfür wurde der griechische Begriff „mela für schwarz verwendet, also Melanesien (s. Abb. 2 ). Es umfasst ein Gebiet von etwa 6 Mio. km2 mit einer Bevölkerung von rund 10 Mio. Ein big man führt kleine, kaum hierarchisch aufgebaute Gesellschaften. Das Patriarchat und Initiationsriten prägen das Leben. Der Beitrag „Neuguinea – das Land der Papua? von Andrea Ilg gibt Einblick in die Welt der indigenen Bevölkerung.
Nördlich von Melanesien streuen sich die winzigen, kaum über den Meeresspiegel ragenden Atolle Mikronesiens (s. Abb. 2). Mikronesien erstreckt sich über eine Fläche von etwas mehr als 8 Mio. km2 und weist nur etwa eine halbe Million Einwohner auf. Die mikronesische Gesellschaft ist stark hierarchisch gegliedert und durch das Senioritätsprinzip und matrilineare Strukturen gekennzeichnet. Die Frau steht im Zentrum der Gesellschaft. Land ist ihr Eigentum. Alle wichtigen Belange wie Zugehörigkeit, Rechte und Pflichten, Status und Nachfolgeregelungen werden über die Frauenlinie bestimmt (vgl. Mückler 2009).
Das polynesische Dreieck spannt sich zwischen Hawaii, Neuseeland und der Osterinsel auf (s. Abb. 2). Der Begriff poly bezieht sich auf die unzähligen Inseln und Inselgruppen dieser enorm weiten Region von beinahe 50 Mio. km2. Hier leben etwa 6 Mio. Einwohner; die Mehrheit gehört allerdings nicht mehr der indigenen Bevölkerung an. Über all diese Inseln spannte sich ursprünglich eine einheitliche Kultur bezüglich Gesellschaftssystem, Sprache, Kosmologie sowie Riten und Religion.
Besiedlungsgeschichte
In Australien existiert mit den Aborigines die älteste Kultur der Menschheit. Dies mag auf den ersten Blick überraschen, beim genaueren Hinsehen lässt es sich aber gut erklären. Die Besiedlung Australiens erfolgte während der letzten Eiszeit, als der Meeresspiegel wesentlich tiefer lag und Australien zusammen mit Neuguinea den Kontinent Sahul bildete. Unter diesen Bedingungen gelangten die Aborigines mit einfachen Mitteln vor etwa 60000 Jahren nach Australien. Mit dem steigenden Meeresspiegel im Postglazial wurden sie von ihrem Herkunftsgebiet abgeschnitten. Erst im 18. Jh. entstanden wieder Berührungspunkte mit anderen Kulturen.
Im zweiten Jahrtausend vor Christus dehnte sich von Südostasien kommend eine austronesische Bevölkerung über die Inseln...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 330 / 2016

Südpazifik

geographie heute Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-13