Luise Günther · Martin Riecke

Vielfalt im Viertel erkunden

Zwei Jungen mit Smartphone
Die App Digiwalk kann dazu genutzt werden, den eigenen Nahraum zu erkunden und so das räumliche Denken fördern. , © Fabio Principe/stock.adobe.com

Luise Günther · Martin Riecke

Eine Exkursion durch das eigene Stadtviertel mit der App Digiwalk gestalten

Vielfalt im eigenen Stadtviertel was bedeutet das eigentlich? Mithilfe der App Digiwalk, mit der sich eine geographische Exkursion über mobile Endgeräte steuern lässt, gehen die Schülerinnen und Schüler dieser Frage nach. Sie erkunden ihr Stadtviertel, identifizieren bedeutungsvolle Orte, recherchieren Informationen, halten ihre Ergebnisse in einem Projekttagebuch fest und präsentieren diese in einem Rundgang.

Sachanalyse
Die Erkundung des Nahraums und damit der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler ist ein zentraler Bestandteil des Geographieunterrichts zu Beginn der Sekundarstufe I (s. Abb. ). Lernende machen erste Erfahrungen damit, den Raum, in dem sie leben, zu kategorisieren und räumlich zu denken. Der Nahraum ist für Kinder ein Zugang zur systematischen Erfassung von Raumstrukturen und liefert einen identitätsstiftenden Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung (vgl. Falk 2012, S. 322). Welche räumlichen Merkmale dabei genau als identitätsstiftend oder wichtig erachtet werden, ist individuell unterschiedlich dies ermöglicht somit schon in der 5. Klasse Geographieunterricht mit Blick auf konstruierten bzw. wahrgenommenen Raum (vgl. Wardenga 2002, S. 10).
Der Blick auf den Nahraum der Schülerinnen und Schüler ist ebenso heterogen wie die Lerngruppe oder das Stadtviertel, in dem sich die Schule befindet. Als Merkmale dieser Vielfalt können in unserer Migrationsgesellschaft Repräsentationen von Mehrsprachigkeit, hybriden Identitäten und Einwanderung beobachtet werden (vgl. Mecheril 2010, S. 11). Diese Mehrfachzugehörigkeiten lassen sich in die Diskussion um Superdiversität einordnen (vgl. Vertovec 2007), zu der erste Daten in Deutschland zwar vorliegen, deren Forschung aber dennoch erst am Anfang steht. Unter Superdiversität versteht man das Phänomen, dass vermeintlich homogene Gruppen mit einem Diversitätsmerkmal intern eine hohe Heterogenität aufweisen und verschiedene Diversitätsmerkmale miteinander verschränkt sind.
Didaktische Analyse
Der Nahraum ist Teil der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler und stellt den im wortwörtlichen Sinne naheliegendsten außerschulischen Lernort dar. Daher kann das Entdecken des Stadtviertels für Schülerinnen und Schüler eine motivierende Möglichkeit sein, „eigenaktiv zu lernen, d.h. entdeckend, problemlösend und selbstständig die aufgeworfenen Fragen beantworten zu können (Jürgens 2013, S. 54).
Eine schülerzentrierte Möglichkeit, schon ab der 5. Klasse kleine schülergesteuerte Exkursionen und Raumerfahrungen zu ermöglichen, ist es folglich, die Lernenden einen Rundgang zum Thema Vielfalt bzw. Superdiversität durch das eigene Stadtviertel entwerfen zu lassen. Erkundungen in diesem Nahraum intensivieren den Bezug, den die Lernenden zum Raum haben, und helfen ihnen, bedeutsame Merkmale ihres Lebensumfelds zu bestimmen (vgl. Falk 2012, S. 322).
Was unter dem Begriff „Vielfalt verstanden wird, kann in der Lerngruppe diskutiert werden. Dabei kann es sich um (sub-)kulturelle Raumaneignungen wie Graffiti, unterschiedliche Arbeitgeber oder Wohnmöglichkeiten oder das Angebot für Kinder und Jugendliche in der Schulumgebung handeln. Bei der Untersuchung des Raums und der Gestaltung des Rundgangs entdecken die Schülerinnen und Schüler für sie bedeutungsvolle Orte, stellen diese in Lagebeziehungen dar und informieren andere über diese Orte.
Einen Stadtrundgang digital erstellen
Mithilfe einer App, zum Beispiel der hier vorgestellten App Digiwalk (s. Tab. 1 ), können die Schülerinnen und Schüler Orte der Vielfalt entdecken und einen Rundgang zu diesen Orten selbst entwickeln. Das klassische Kartieren wird dabei durch die Möglichkeiten digitaler Informationsdarstellungen erweitert.
Planung, Durchführung und Reflexion der „Raumbegehung müssen dabei als Gesamtkonzept betrachtet werden (vgl. Budke 2009). In allen drei Schritten muss die...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 350 / 2020

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