Melissa Hanke

Stille Post im Geographieunterricht

Schüler mit Arbeitsblatt
Stille Post im Geographieunterricht., © Rawpixel.com/stock.adobe.com

Melissa Hanke

Ein Methodenwerkzeug zum Wechsel der Darstellungsform

Die Medienvielfalt ist im Geographieunterricht besonders groß, sodass dem produktiven Einsatz diverser Darstellungsformen eine zentrale Bedeutung zukommt. Der Einsatz lässt sich nach Leisen (2013, S. 37) mehrperspektivisch begründen: fachlich durch die angemessene Darstellung des Fachgegenstandes, didaktisch durch die Reduktion, methodisch durch die Motivationsförderung, pädagogisch durch die innere Differenzierung oder lernpsychologisch durch das mehrkanalige Lernen sowie die Beachtung unterschiedlicher Lerntypen. Die Darstellungsformen können hierbei nach dem Abstraktionsniveau (s. Tab.) und dem Maß an Komplexität differenziert werden, sodass eine Progression des Anforderungsniveaus im Unterricht ermöglicht wird.
Die Auswertung der Materialien und Medien in den vielfältigen Darstellungsformen ist für Schülerinnen und Schüler fundamental, um den Fachinhalt erfassen und verstehen zu können. Der damit einhergehende Wechsel der Darstellungsform dient primär der Förderung der Kompetenzen aus dem Bereich Erkenntnisgewinnung/Methoden, kann aber ebenfalls der Förderung der fachlichen Kommunikationskompetenz im Sinne eines sprachbildenden Fachunterrichts zugeordnet werden (vgl. DGfG 2020).
Sprache als Werkzeug zum Erschließen von Fachinhalten
Fachlernen und Sprachlernen entwickeln sich im Unterricht parallel (vgl. Leisen 2013, S. 43), sodass die Fachsprache Medium und Lernziel zugleich ist und im sprachsensiblen Geographieunterricht stets zusammen mit geographischem Fachwissen gelernt wird. Die Sprache eröffnet den Schülerinnen und Schülern erst den Zugang zum Lerngegenstand und wird als Werkzeug zum Erschließen von Fachinhalten sowie zur Produktion von fachsprachlichen Äußerungen benötigt (vgl. Oleshko/Weinkauf/Wiemers 2016, S. 11  ff.).
Für den Wechsel der Darstellungsform ist das Methodenwerkzeug „Stille Post (nach Leisen 2013, S. 80) geeignet, welches in diesem Unterrichtsvorschlag am Beispiel der Auswertung von verschiedenen Klimadiagrammen vorgestellt wird. Die Methode Stille Post eignet sich ebenso für diverse andere Wechsel der Darstellungsform, die in Abbildung 1 exemplarisch aufgeführt sind.
Einsatz und Durchführung der Methode
Im Rahmen der Methode „Stille Post werden schriftliche Arbeitsaufträge in kooperativen Lernsettings zwischen den Schülerinnen und Schülern still ausgetauscht. Der Arbeitsauftrag umfasst den Wechsel der Darstellungsform auf unterschiedlichen Abstraktionsniveaus mit anschließender Kontrolle. Die Ergebnisse müssen schriftlich präzise und umfassend beantwortet werden, damit relevante Informationen während der Wechsel nicht verloren gehen. Durch den Vergleich der ursprünglichen Darstellung mit der neuen Darstellung können mögliche Schwierigkeiten beim Wechsel benannt und Lösungsstrategien gesucht werden.
Die Methode kann dabei sowohl zur Erarbeitung von Inhalten als auch zur Vertiefung im Regelunterricht genutzt werden. Denkbar ist ebenfalls der Einsatz als Übungsaufgabe in Vertretungsstunden. Die Kenntnis über die grundsätzliche Vorgehensweise beim geforderten Wechsel der Darstellungsform wird vorausgesetzt. Eine ausführliche Einführung in den Ablauf der Methode wird beim erstmaligen Einsatz empfohlen. Die Anzahl der Übersetzungen gibt die Zahl der Personen/Gruppen an, die ihre Post tauschen (vgl. Leisen 2013, S. 80).
Bei diesem Beispiel ist die Unterrichtsvorlage I auf Arbeitsblatt 1 für eine Partnerarbeit konzipiert und umfasst den folgenden Wechsel (s. Abb. 1): symbolische Ebene (Klimadiagramm) → sprachliche Ebene (Text) → symbolische Ebene (Klimadiagramm).
Unterrichtsvorlage II auf Arbeitsblatt 2 ist für 3er-Gruppen konzipiert und umfasst den folgenden Wechsel (s. Abb. 2 ): symbolische Ebene (Klimadiagramm) → symbolische Ebene (Tabelle) → sprachliche Ebene (Text) → symbolische Ebene (Klimadiagramm).
Es wird empfohlen, die Kopiervorlagen auf DIN A3 auszudrucken.
Literatur und...
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aus: Geographie heute Nr. 350 / 2020

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