Peter Hennicke, Jana Rasch, Judith Schröder, Daniel Lorberg

Die Energiewende in Europa: Eine Fortschrittsvision

Globus
Rezensionen zum Thema Energie in der Zukunft, © iStock.com/wael alreweie

Peter Hennicke, Jana Rasch, Judith Schröder, Daniel Lorberg

oekom verlag, München 2019, 187 S., ISBN 978-3-96238-144-8

Rezension von Wolfgang Gerber
Eine Fortschrittsvision der Europäischen Union
Das Buch ist hochaktuell, versteht sich als Provokationsschrift zum Klimawandel und ist eine Aufforderung zum Handeln in Europa. In der heutigen Zeit, in der die Erderwärmung noch nicht gestoppt werden konnte, ist die Forderung nach einer Europäisierung der Energiewende folgerichtig.
Weltweit würde eine technische Energiewende bis 2030 realisierbar sein, politisch und praktisch jedoch erst frühestens ab 2050. Als größte Hürden erweisen sich dabei der politische Wille der Nationen und die enormen Kosten eines solchen Projektes. Europa, allen voran die EU, muss die Vorreiterrolle in der Energiewende übernehmen. Für die Energiewende braucht es die unbedingte Unterstützung der europäischen Staaten.
Die Schrift ist aufgrund zahlreicher Analysen eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme zur europäischen Energiewende und zeigt Chancen, Probleme, aber auch konkrete Handlungsperspektiven für die pragmatische Umsetzung der anspruchsvollen Ziele auf.
Die Autoren und ihr Anliegen
Prof. Dr. Peter Hennicke ist Präsident des Wuppertal Instituts, Träger des Deutschen Umweltpreises und Mitglied des Club of Rome. Er ist einer der Vordenker der Energiewende in Deutschland. Seine Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Wuppertal Institut, Jana Rasch, forscht auf den Gebieten der Energiepolitik und des nachhaltigen Wirtschaftens.
Judith Schröder ist studierte Politik- und Europawissenschaftlerin und beschäftigt sich am Wuppertal Institut mit den Themen Klima, Umwelt und Energie. Dr. Daniel Lorberg ist als Projektdirektor des Solar Decathlon Europe 2021 tätig. Dort arbeitet er an der urbanen Energiewende aktiv mit. Des Weiteren ist er Mitglied des Instituts für Politikwissenschaft sowie des Zentrums für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit an der Bergischen Universität Wuppertal.
Das Autorenteam stellt in seinem Buch fest, dass die wirtschaftsinduzierte Umweltbelastung mittlerweile kaum erträgliche Dimensionen erreicht habe, und fordert die EU auf, angesichts der weltweiten ökologischen Zuspitzung zum internationalen Handlungsträger in der Energiewende zu werden. Dass die EU dazu in der Lage sei, habe sie bereits in vielen erfolgreichen Projekten, zum Beispiel bei der Friedenssicherung, bewiesen. Nun gehe es um die Sicherung der Lebensgrundlagen der Menschen und darum, Wirtschaft, Ökologie und den Sozialstaat in Einklang zu bringen.
Aufbau und Inhalte des Buches
Die Basisthese des Buches lautet: Europa braucht eine neue Fortschrittsvision, die Europäisierung der Energiewende ist eine dringliche Notwendigkeit. Eine echte Energiewende wäre die Transformation zu einem vollständig dekarbonisierten, risikominimalen (vor allem atomfreien), sozial- und wirtschaftsverträglichen Energiesystem. Die Umsetzung dieser Forderungen wäre auch gleichzeitig Voraussetzung und Triebkraft für den Klima- und Ressourcenschutz.
Auf 187 Seiten wird in zehn Kapiteln die europäische Energiewende in all ihren Facetten dargestellt. Nach einem kritischen Blick auf den sich immer mehr beschleunigenden Klimawandel und seine Folgen nimmt das Autorenteam die Klimapolitik ins Visier, die im Rahmen der 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten 17 Sustainable Development Goals für Deutschland und Europa eine große Herausforderung und einen beschleunigten Strukturwandel bedeutet.
Zur Halbzeit der deutschen Energiewende wird von den Autorinnen und Autoren festgestellt, dass nach anfänglicher Bewunderung nun eher mit Skepsis auf den derzeitigen Stand der Erfüllung der 2011 gesteckten Ziele geschaut wird, da es 2018 eine gemischte Bilanz der Erfüllung der Klima- und Energieziele gibt. Ausführlich werden vom Autorenteam die Lehren aus der deutschen Energiewende betrachtet. Die Energiewende wird als gesellschaftspolitisches Projekt beschrieben...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 349 / 2020

Chile

geographie heute Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-13
  • Thema: Methodik & Didaktik
  • Autor/in: Peter Hennicke, Jana Rasch, Judith Schröder, Daniel Lorberg