Monika Reuschenbach

Kooperative Lernformen bewerten?

Schüler im Klassenzimmer
Bei kooperativen Lernformen sollen nicht nur Fachwissen, sondern auch Sozialkompetenz und methodische Kompetenzen bewertet werden., © spass/stock.adobe.com

Monika Reuschenbach

Bewertungsinstrumente für Venn-Diagramm, Gruppenpuzzle und Mystery

Kooperative Lernformen haben zum Ziel, die Lernenden zu aktivieren, sie direkt und unmittelbar am Lernprozess zu beteiligen. Wie aber werden solche Formen, bei denen nicht mehr nur eine Einzelleistung zählt, bewertet? Und wie gelingt es, nicht nur Sozialverhalten, sondern auch Fachwissen angemessen zu beurteilen? Der Beitrag macht zu den drei kooperativen Lernformen Venn-Diagramm, Gruppenpuzzle und Mystery Unterrichts- und Bewertungsvorschläge und stellt entsprechende Bewertungsinstrumente vor.

Kooperative Lernformen im Geographieunterricht
Kooperative Lernformen sind Unterrichtsmethoden, die dazu beitragen, kompetenzorientierten Unterricht umzusetzen. In kooperativen Lernformen werden sowohl fachliche, als auch soziale, personale sowie methodische Kompetenzen gefördert und geschult (s. Abb. ). Durch kooperative Lernformen wird die hohe Aktivierung der Lernenden gewährleistet und dadurch die Lehrkraft während des Unterrichts entlastet.
Kooperative Lernformen folgen konsequent der Grundstruktur Think – Pair –  Share (Einzelarbeit – Kooperationsphase – Präsentation). Dadurch sind sie einfach im Unterricht umsetzbar, auch in kleinen Formen. Zudem erlauben kooperative Lernformen die individualisierte und differenzierte Beurteilung der Lernenden.
In kooperativen Lernformen lernen die Schülerinnen und Schüler, sich zu organisieren, Materialien auszuwerten, gemeinsam (Teamfähigkeit) und konzentriert zu arbeiten, aufeinander Rücksicht zu nehmen, sich gegenseitig zu bewerten, miteinander zu diskutieren, Aufträge selbstständig zu erledigen, etwas vor der Klasse zu präsentieren usw. Was auf dem Papier wunderbar und höchst plausibel klingt, ist in der Unterrichtspraxis mit viel Arbeit und Geduld verbunden. Kooperative Lernformen müssen eingeführt und immer wieder geübt werden. Besonders die hohe Schüleraktivierung ist gewöhnungsbedürftig und wird – von den Lernenden selbst – oft als anstrengend empfunden; vor allem dann, wenn sie bereits lange an lehrerzentrierten Unterricht gewöhnt sind.
Oft wird angemerkt, dass besonders schwache oder disziplinarisch schwierige Schülerinnen und Schüler eine stark führende Lehrerhand brauchen, damit sie konzentriert arbeiten. Eigene Erfahrungen zeigen aber, dass in disziplinarisch schwierigen Klassen kooperative Lernformen zur Beruhigung der Klasse bestens geeignet sind und nach einer Eingewöhnungsphase höchst motivierend wirken. Dies, weil ein hoher Grad an Verbindlichkeit geschaffen wird, sowohl was Lernergebnisse angeht als auch deren Beurteilung. Voraussetzung ist daher eine transparente Begründung der Unterrichtsform, klare Spielregeln und sinnvolle Aufgabenstellungen.
Für den Geographieunterricht stellen kooperative Lernformen einen Gewinn dar. In der Phase der Einzelarbeit eignen sich die Lernenden Wissen (oder Fähigkeiten) an, um in der Kooperationsphase Fragestellungen zu diskutieren, Wissen (und Fähigkeiten) auszutauschen, Probleme zu lösen, mehrere Perspektiven einzubringen, Kontroversen zu untersuchen, Handlungsspielräume zu bestimmen. Dies ist ein Mehrwert für den Unterricht, da Fragestellungen im Fach selten eindimensional sind bzw. sich aktuelle Herausforderungen der Welt kaum eindeutig beantworten lassen.
Bewertung von Lernsequenzen in kooperativen Lernformen
In allen drei Phasen des Lernprozesses nach dem Prinzip Think – Pair – Share erbringen die Schülerinnen und Schüler Leistungen, die sich für eine Bewertung eignen. Bewertungen von kooperativen Lernformen bzw. der daraus resultierenden Ergebnisse sind von großer Bedeutung: Sie dienen als Orientierungshilfe für den weiteren Lernprozess, sowohl in Bezug auf das Fachwissen, als auch hinsichtlich sozialer und methodischer Kompetenzen.
Kategorien der Bewertung
Die Bewertungsmöglichkeiten sind in den drei Phasen verschieden: Eine Einzelarbeit kann einfacher bewertet werden als eine Kooperationsarbeit. Die...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 340 / 2018

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