Dirk Belda

Historische Podcast-Episoden

Abb1.: „Die Sozialdemokratie gegen Weltpolitik, gegen Kolonien, gegen Heer und Flotte! Nieder mit den roten Vaterlandsverrätern!“ So titelte eine Postkarte aus dem Jahr 1912, die die Aufteilung der Welt unter den Kolonialmächten zeigte. Einzig Deutschland sollte kein Stück vom Kuchen bekommen.
Abb1.: „Die Sozialdemokratie gegen Weltpolitik, gegen Kolonien, gegen Heer und Flotte! Nieder mit den roten Vaterlandsverrätern!“ So titelte eine Postkarte aus dem Jahr 1912, die die Aufteilung der Welt unter den Kolonialmächten zeigte. Einzig Deutschland sollte kein Stück vom Kuchen bekommen., © Abb.1: bpk / Deutsches Historisches Museum

Dirk Belda

Darstellung einer neuen Lernmethode am Beispiel des Imperialismusin seinen verschiedenen nationalen Ausprägungen

Digitale Medien sind aus dem Alltag der Kinder und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Im Geschichtsunterricht spielen sie bisher nur eine randständige Rolle. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, wie die zunehmend an Popularität gewinnenden Podcasts in den Geschichtsunterricht integriert werden können und welche Lernprozesse damit verbunden sind.
Podcast-Episoden als Methode für den Geschichtsunterricht
Podcasts sind internetbasierte Audiobeiträge, die keine festen Sendezeiten besitzen und aus einer Serie von Audiodateien mit ganz unterschiedlichen Längen und Inhalten („Episoden) bestehen. Dabei handelt es sich um ein spezielles Audioformat, für das sich verschiedene Präsentationsformen eignen, die den Lernenden im Rahmen dieser Konzeption vorgestellt werden und die als vorstrukturierende Hilfsangebote dienen. Diese produktorientierte Lehr- und Lernform erfordert von den Schülerinnen und Schülern sich weitgehend selbstständig Inhalte anhand von Materialien zu erschließen. Dafür eignen sich besonders kooperative Lernformen, wie Partner- oder Gruppenarbeiten. Vorrangige Ziele der Methode bestehen darin, die narrative Kompetenz zu schulen und die Nachhaltigkeit des historischen Lernens sowie die Motivation durch den Einsatz des für einige Schülerinnen und Schüler neuen Mediums zu fördern.
Das Thema Imperialismus eignet sich nicht nur im Hinblick auf die Ursachen des Ersten Weltkrieges und die Problematisierung der Begriffe Nationalismus und Militarismus, sondern auch zur Integration des Terminus Rassismus in den Geschichtsunterricht anhand von zeitgenössischen und gegenwartbezogenen Vorstellungen. Damit leistet das Thema einen Beitrag zum transkulturellen Lernen und der damit verbundenen Schulung von Sach- und Werturteilskompetenz. Die Urteilskompetenz soll bei dieser Methode aber auch in Bezug auf das zu erstellende Produkt geschult werden, indem vor allem die narrativen Eigenschaften der Podcast-Episode beurteilt werden. In diesem Sinne sollen erzählkompetente Lernende, soweit dies die Präsentationsform zulässt, „zeitdifferente Ereignisse entnehmen und sinnbildend zu einer Erzählung verbinden, indem sie syntaktische und semantische Geschehenskohärenz in der Erzählung herstellen (Globalkohärenz; der ‚rote Faden) (Pandel 2010, S. 128). Ein weiteres wichtiges Kriterium der Bewertung der Podcasts ist die historisch- empirische Triftigkeit. Darüber hinaus sollten die grundlegenden historischen Prinzipien Konstruktivität, Selektivität, Multikausalität, Multiperspektivität berücksichtigt werden.
Sachanalyse
Das Zeitalter des „Hochimperialismus bezeichnet eine vor allem durch europäische Groß- und Mittelmächte (Großbritannien, Frankreich, Deutsches Reich) geprägte Phase einer weltweiten Ausdehnung der Herrschaftsgebiete. Diese beruhte häufig auf politischen, wirtschaftlichen, strategischen und in zunehmenden Maße auch kulturellen (z.B. Prestigestreben) Interessen, denn die Staaten definierten ihre Stärke in Europa vermehrt über ihre Position in der außereuropäischen Welt. Dabei griffen sie verstärkt auf die Methode der direkten, formellen Herrschaft über die neu erworbenen Gebiete zurück, und die frühere, koloniale Losung „The flag follows the trade wurde zunehmend verdrängt von der neuen: „The trade follows the flag. Die meist überseeische Expansion erfolgte ab ca. 1870 bis 1914, manche Historiker geben das Ende dieser Epoche auch mit den Jahren 1918 oder 1945 an.
Das vorliegende Lehr- und Lern-arrangement setzt inhaltlich und methodisch voraus, dass die Schülerinnen und Schüler mit den Begriffen Kolonialismus, Industrialisierung und Nationalismus sowie mit dem grundlegenden Umgang mit Informationen (exzerpieren, strukturieren, zitieren) in Bezug auf Internetrecherchen vertraut sind. Es hat zum Ziel, dass die Lernenden die Zusammenhänge zwischen...
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Fakten zum Artikel
aus: Geschichte lernen Nr. 196 / 2020

Ergebnissicherung

Kennzeichnung Geschichte lernen Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-13