Lernspiele

Im Geographieunterricht spielen?

Spiele werden oft zur Auflockerung, als Abschluss einer Unterrichtseinheit, vor den Ferien oder als Belohnung eingesetzt. Doch Spiele bieten mehr Potenzial, denn durch sie kann Wissen mit Spaß vermittelt werden. Was aber sind Lernspiele, wann können sie sinnvoll im Unterrichtsalltag eingesetzt werden und welche Spielformen eignen sich für lernzielorientiertes Arbeiten?

Würfel und Spielfeld
Spiele im Geographieunterricht vermitteln den Schülerinnen und Schülern auch Fachwissen. Foto: Artem Oleshko/123rf.com

Was sind Lernspiele?

Lernspiele sind Spiele, die zusätzlich zu einer spielerischen Handlung dem Spieler auch Wissen zu bestimmten Themen oder aber bestimmte Fertigkeiten und Kulturtechniken vermitteln. Sie machen Spaß, wecken Neugier, weisen ein hohes Maß an Selbststeuerung auf und die Konsequenzen des eigenen Handelns werden direkt sichtbar. Gespielt wird oft mit realgebundenen Gesellschaftsspielen. Diese haben einen hohen Bezug zu real existierenden Themen bzw. Pro­blemen. Aber auch grundlegende schulische Kenntnisse können durch das Lernspiel gefördert werden. Als Beispiele sind hier zu nennen Regeln einhalten, kommunizieren, bewerten, einordnen, hinterfragen, entscheiden usw. 

Spielen im Geographieunterricht?

Zur Frage, ob es legitim ist, Spielen und Lernen zu verbinden, dienen die folgenden Überlegungen: Wenn man Spiele und Lernen als Gegensätze versteht, dann sind Spiele in der Schule unnötige Dinge, die in die Freizeit gehören. Allenfalls können sie noch zur Erholung und Entspannung dienen. Die Schülerinnen und Schüler sollten lieber etwas Ordentliches lernen, statt die Zeit mit Spielen zu vertrödeln. Dagegen steht: Bereits seit vielen Jahren haben Forschungsresultate gezeigt, dass Kinder spielend lernen wollen, produktive Denkleistungen durch spielähnliche Situa­tionen angeregt werden und Spiele fürs Lernen und die Lernfähigkeit förderlich sind. Eine Trennung von Spiel und Arbeit ist letztlich widersinnig. Im Gegenteil: Spielen kann für das Lernen hilfreich sein und die Persönlichkeitsentwicklung fördern und sollte deshalb einen angemessenen Platz in der Schule einnehmen.

Die Notwendigkeit des Spielens ergibt sich also aus ganz verschiedenen Gründen. Die Schule verwendete den Begriff für die Tätigkeiten, die mit höherer Lernlust verbunden waren. Dabei wurde diese Tätigkeit oft auch implizit (als Spielerei, als „Nur“- Auflockerungsspiel) abgewertet. In Hinblick auf das gründliche Lernen und die Transferfertigkeit des erworbenen Könnens allerdings ist dies bei weitem nicht gerechtfertigt. Die Lernforschung legt nahe, dass das Spiel ein außerordentlich wirksames und transferfähiges Grundprinzip darstellt:

  • Spielen wird mit hoher innerer Motivation ausgeführt.
  • Es werden in der Regel unterschiedliche Alltags- oder thematische Problemsituationen simuliert. Somit weist Spielen – unter anderem infolge der spieltypisch hohen Wiederholungsrate – einen starken Trainingseffekt auf.
  • Durch die Variation der Alltags- oder thematischen Problemsituationen hat Spielen einen Transfereffekt.
  • Durch die intensive Alltagsnähe enthält Spielen das Element der Situierung, was gemäß aktueller Forschung ein Kernelement von Wirksamkeit darstellt.
  • Durch die Tatsache, dass Spiel fast immer zusammen mit anderen Menschen geschieht, kommt dem gemeinsamen Aushandeln, dem angemessenen Verwenden von Begriffen, dem gemeinsamen Problem­lösen bei gleichzeitigem Aufbau von Sozialkompetenz eine hohe Bedeutung zu. Das Lernen finden so stets in sozialen Situationen statt. Dies gilt ebenfalls als Voraussetzung wirksamen Lernens.
  • Durch das Spielen nimmt man automatisch eine bestimmte Rolle oder Sichtweise ein, die man vielleicht im realen Leben nicht vertreten würde. Dieser gewünschte Perspektivwechsel macht deutlich, warum Spiele insbesondere im Geographieunterricht Anwendung finden sollten. 
  • Des Weiteren gibt es Spiele, die einen fachübergreifenden oder fächerverbindenden Charakter haben und damit eine Öffnung des Geographieunterrichts ermöglichen sowie vernetztes Denken fördern können. 
Zeitschrift
geographie heute Nr. 344/2019 Lernspiele

Spiele können die Wahrnehmung, das Denken, Entscheiden und Handeln zu bestimmten Sachverhalten fördern. Mehr zum Thema finden Sie in dieser Ausgabe:

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Spiele nur als „Lückenfüller“ oder in der Abschlussstunde vor den Ferien einzusetzen, würde der Bedeutung von Spielen nicht gerecht werden und wäre daher schade. Im Sinne eines modernen, handlungsorientierten und schüleraktivierenden Geographieunterrichts sollten Spiele an passenden Stellen auch Eingang in den Regel­unterricht finden.

Klassifikation von Spielen im Geographieunterricht 

In den verschiedenen Spielformen werden die Merkmale des Spiels in unterschiedlicher Weise befolgt und eingesetzt. In Hinblick auf die unterschiedlich strukturierten Spielgegenstände und die verschiedenen Spielzwecke lassen sich folgende Bereiche unterscheiden:

  • Interaktionsspiele sind eine an Spannung, Spaß und Erholung orientierte spielerische Auseinandersetzung mit den Spielpartnern.
  • Szenische Spiele sind körperbezogene ästhetische Darstellungen einer symbolisch vermittelten Wirklichkeit.
  • Simulationsspiele sind regelgeleitete, absichtsvolle Simulationen von Konflikten und Entscheidungsprozessen.

Eine Übersicht über verschiedene Spielformen mit Beispielen liefert auch die nachfolgende Tabelle.

Spieletipps für den Geographieunterricht finden Sie hier. 

Interaktionsspiele

Simulationsspiele

Szenische Spiele

 
  • Lernspiel
  • Quartett
  • Erkundungsspiel, Geländespiel
  • Rallye
  • Memory
  • Tabu mit geographischen Begriffen
  • Rätsel, Quiz
 
 
  • Rollenspiel
  • Planspiel
  • Computersimulation
  • Frame-Games
  • Mystery
  • Argumentieren mit Denkhüten
  • Fantasiereise
 
 
  • Theater
  • Sketch
  • Lernen durch Bewegung
 
 
  • Beispiele:
  • Blockbuster
  • Großer Preis
  • Geografisches Geschwätz
  • Fragenliste mit Anfangs­buchstaben
  • Stadt, Land, Fluss mit Atlas
  • Topografie-Spiel mit Karte und Fachwissen
  • Geo-Pingpong
  • Bingo, Tabu
  • Außenseiter
 
 
  • Beispiele:
  • Eisenbahnbau USA
  • Umweltfragen
  • Siedlungsdruck
  • Fischfang
  • Verkehrsentwicklung
  • BNE
  • Dilemma-Situationen
 
 
  • Beispiele:
  • Nachempfinden von Verhalten anderer Menschen
  • Umgang mit Konflikten

 
Fakten zum Artikel
Methode & Didaktik Schuljahr 5-13