Katharina Martín Fraile | Kristin Bültemeyer

FSU Spanisch als Beitrag zur „balanced literacy“ für Herkunftssprecher*innen

Kinderhand schreibt einen spanischen Text.
Herkunftssprecherin in Kl. 7: spanischsprachige Familie, Besuch einer deutschsprachigen Grundschule, Foto: © Katharina Martín Fraile

Katharina Martín Fraile | Kristin Bültemeyer

Spanische Herkunftssprecher*innen können unter bestimmten Bedingungen in einem schulischen Fremdsprachenunterricht Spanisch lernen, ohne die Fremdsprachenlerner*innen zu behindern. Sie können den Unterricht sogar bereichern, auch wenn sie Kompetenzen und Lernbedarfe einbringen, die sich mit der am Fremdsprachenerwerb orientierten Progression des schulischen Spanischunterrichts nicht auf Anhieb vertragen.

„Recognizing heritage language speakers as a powerful presence in our laboratories and classrooms is an important step toward turning heritage speakers into balanced bilinguals.M. Polinsky (2015)
Die zunehmende Globalisierung und die damit verbundene Mobilität von Familien haben Auswirkungen auf die Komplexität der Sprachenbiografien der Schüler*innen, die in unseren Schulen lernen. Entsprechend steigen auch die Anforderungen an den FSU, weil die Diversität der Schülerschaft auch bezogen auf den Spanischunterricht größer wird. Durch die Freiheit der Schulwahl und die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen der Familien und möglicherweise auch die geringen Auswahlmöglichkeiten, was bilinguale oder muttersprachlich ausgerichtete Sprachangebote an Schulen betrifft, muss der reguläre Spanischunterricht zunehmend auch Kinder und Jugendliche berücksichtigen, für die Spanisch keine Fremdsprache ist.
Diversität im Klassenraum: Spanisch nicht nur als Fremdsprache
Mit „Spanisch als Herkunftssprache in Analogie zur angloamerikanischen Bezeichnung heritage language wird ein Spanisch bezeichnet, das zu Hause gesprochen wird, nicht aber als dominierende Sprache in der umgebenden Mehrheitsgesellschaft (vgl. Bergmann 2017: 5). Herkunftssprecher*innen sind somit in einer anderen Spracherwerbssituation als Muttersprachler*innen und sollten daher nicht mit diesen gleichgesetzt werden. Trotzdem werden sie aus schulischer Perspektive oft als Muttersprachler*innen wahrgenommen, einfach weil sie die Sprache besser beherrschen als Schüler*innen, die Spanisch ganz regulär als 2. Fremdsprache lernen. Denn diese Lerner*innen wiederum haben im Gegensatz zu den Herkunftssprecher*innen zu Beginn keine oder nur sehr geringe zielsprachliche Kompetenzen, kaum oder wenig Wissen über die Zielkulturen und damit zunächst nur sehr kleine fremdsprachliche Handlungsspielräume. Um Wege für einen gemeinsamen Unterricht zu entwickeln, soll das Spektrum der Schüler*innen, für die Spanisch keine Fremdsprache ist, hinsichtlich ihres Sprachvermögens und ihrer Sprachlernbiografien zunächst etwas genauer beleuchtet werden.
Muttersprachler*innen
Es stoßen manchmal im eigentlichen Sinne „muttersprachlich spanische Schüler*innen zu uns, die durch den Besuch der Schule im spanischsprachigen Herkunftsland bereits über eine altersgemäße literacy im Spanischen verfügen und die am ehesten vom fortgeschrittenen Spanischunterricht der Oberstufe profitieren könnten, indem sie sich durch eine andere Perspektive hinsichtlich Themen- und Textauswahl, kulturellem Kontext oder Methode noch einmal ganz anders ihrer Herkunftskultur nähern. Hier könnte, um ein Beispiel zu nennen, aus der speziellen deutschen Perspektive eine kritische Auseinandersetzung mit der jüngsten diktatorialen Vergangenheit Spaniens angeregt werden. Ansonsten werden solche Schüler*innen hauptsächlich mit dem Erwerb der deutschen Sprache als Zweitsprache beschäftigt sein, sodass möglicherweise sprachmittelnde Aufgaben für das kulturelle und sprachliche Lernen dieser Schüler*innen im Spanischunterricht besonders förderlich sein könnten. In ihrer eigenen Sprache können sie je nach Alter an der Arbeit mit altersgerechten Inhalten und im Bereich der Text- und Medienkompetenz lernen.
Bilinguale Sprecher*innen
Eine weitere Gruppe sind Schüler*innen, die bilingual sind, weil es verschiedensprachige Elternteile zu Hause gibt und/oder weil Familien- und Umgebungssprache (Spanisch als Familiensprache, Deutsch als Umgebungssprache) nicht...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Spanisch Nr. 69 / 2020

Diversität

Premium-Artikel aus "Unterricht Spanisch" Methode & Didaktik Schuljahr 6-13