Johannes Heuzeroth

An, auf, neben, hinter, über dem großen Berg?!

Junge mit Kompass
Bei der Analyse von Karten bedarf es einer spezifischen fachlichen Sprache. , © Rawpixel.com/stock.adobe.com

Johannes Heuzeroth

Scaffoldingtechniken als ein Beispiel zur Bewältigung sprachlicher Heterogenität

Sei es bei einer präzisen Beschreibung von Satellitenbildern, einer konkreten Lagebeschreibung bei der Lokalisierung eines Ortes, einer umfassenden Analyse von Karten oder der Entwicklung einer komplexen Kausalkette – es bedarf einer spezifischen fachlichen Sprache, um ein Verstehen und Lernen, Durchdringen und Interagieren zu ermöglichen. Ein Prinzip des binnendifferenzierenden sprachsensiblen Fachunterrichts wird in dieser Unterrichtseinheit vorgestellt, das Scaffolding.

Ist sprachsensibler Fachunterricht notwendig?
Unter sprachsensiblem Fachunterricht wird die besondere Berücksichtigung (fach-)sprachlicher Aspekte im Rahmen des Fachunterrichts verstanden, u.a. durch Vermittlung von Fachwörtern, Förderung eines Sprachbewusstseins sowie Abbau von Sprachbarrieren mit dem Ziel des Aufbaus einer Bildungs- und Fachsprache.
Ausgangspunkt ist die zentrale Bedeutung von Sprache beim Erwerb von Wissen und die Erkenntnis, dass ohne ausreichende Sprachkenntnisse/Sprachfähigkeiten die Schülerinnen und Schüler nicht in der Lage sind, komplexer werdende Lerngegenstände zu erfassen, vielfältige inhaltliche Aspekte zu verknüpfen, dadurch vertiefende Erkenntnisse zu gewinnen und diese als Ergebnisse komplexer kognitiver Denkprozesse mündlich oder schriftlich zu repräsentieren (vgl. Oleschko et al. 2016, S. 15).
Komplexität im Denken ist abhängig von der Komplexität der sprachlichen Fähigkeiten. Und die Vermittlung der komplexen, systemischen Beziehung zwischen Mensch und Raum ist Ziel des Faches Geographie. „Sprache im Geographieunterricht ist Medium und Lernziel zugleich (Oleschko et al. 2016, S. 10).
Sprachsensibilität im Unterricht artikuliert sich durch eine Förderung auf der Wortebene (z.B. Fachwörter), der Satzebene (z.B. Ausdruck von Kausalbeziehung mittels Konditionalsätzen, Verwendung von Präpositionen) und der Textebene, d.h. dem Lesen und Verstehen von kontinuierlichen (Sachtexte) und diskontinuierlichen Texten (z.B. Karten). Die Sprachförderung soll zu folgenden Ergebnissen führen (vgl. Budke et al. 2017, S. 22ff.):
  • Befähigung zum Informationserwerb,
  • Wissen um und den Gebrauch von Fachwörtern,
  • Befähigung zu kommunikativen Handlungen (z.B. Argumentationen entwickeln/Präsentation von Inhalten),
  • Entwicklung einer Diskursfähigkeit sowie von metakognitiven Fähigkeiten wie eine angemessene Reflexion über Sprache und dem Aufbau eines spezifischen Sprachbewusstseins.
Das „Neue an den didaktischen Prinzipien des sprachsensiblen Fachunterrichts ist die Relevanz und Sensitivität gegenüber dem Thema Sprache und deren Implikationen in die Planung und Durchführung von Fachunterricht. Dies ist eine Reaktion auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungsprozesse sowie veränderte Lern- und Lebenswelten und deren Auswirkungen auf die Sprachfertigkeiten von Schülerinnen und Schülern. Die Herausforderung einer Anbahnung von Bildungs- und Fachsprache ist somit eine der zentralen „Entwicklungszonen für Schule in der Gegenwart.
Sprache und Fach Aufbau des fachsprachlichen Registers
Im Gegensatz zu konventionellen Sprachfertigkeiten (BICS = Basic Interpersonal Communicative Skills), die in der Alltagskommunikation gebraucht werden, im persönlichen Austausch entstehen und konzeptionell mündlich sind, muss eine akademische Schriftsprachlichkeit (CALP = Cognitive Academic Language Proficiency) erlernt werden (vgl. Luft 2015, S. 7). Sprache wird je nach Kontext der kommunikativen Situation verwendet (context of situation), unter Nutzung eines der Situation erforderlichen sprachlichen Registers (vgl. Luft 2015, S. 21). Bildungssprache, damit fachbezogene Sprache, ist konzeptionell schriftlich, in der Regel damit nicht an eine spezifische kontextbezogene Sprechsituation gebunden und wird deshalb oftmals auch als „Sprache der Distanz bezeichnet.
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 340 / 2018

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